Berlin / Von Michael Gabel Einfach nur die Gesetze zu verschärfen genügt nicht, sagt der Präsident des Kinderschutzbundes.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB), Heinz Hilgers, hat davor gewarnt, dass sich die Bundesregierung als Konsequenzen aus den vergangenen Missbrauchsfällen ausschließlich auf eine Gesetzesverschärfung konzentriert. Das dürfe nicht der einzige Reflex der Politik auf die Fälle von Kindesmissbrauch in Münster bleiben. Es gebe „sehr viel mehr zu tun“, vor allem in der Prävention, betonte Hilgers am Dienstag in Berlin. Dafür müssten Bund, Länder und Gemeinden erheblich mehr Mittel bereitstellen. Mit Forderungen nach härteren Strafen dürfe sich dagegen niemand „aus der Verantwortung stehlen“, betonte Hilgers.

Nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle von Münster hatte sich Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) auch auf Druck des Koalitionspartners CDU/CSU für einen höheren Strafrahmen für Missbrauchstäter ausgesprochen. Zudem sollen minderschwere Taten wie das Berühren von Kindern auf sexualisierte Weise künftig als Verbrechen eingestuft und das Verbreiten von Kinderpornografie härter bestraft werden. Details des Gesetzentwurfs will Lambrecht demnächst vorstellen.

„Kindergerechte Justiz“

Auch die stellvertretende DSKB-Chefin Sabine Andresen forderte, sich auf einen besseren Schutz der Kinder zu fokussieren. Auf drei Säulen müsse dieser beruhen. „Zum einen geht es um Prävention durch sehr gut ausgebildete Pädagogen.“ So müsse es an jeder Schule mindestens eine Lehrerin oder einen Lehrer geben, der für Kinder in Not ansprechbar ist und schnell einen Kontakt zu einer Beratungsstelle herstellen kann. Zum andern müsse die Gesellschaft mehr dafür sensibilisiert werden, was Kindern zum Teil angetan werde, sagte die Vorsitzende der Regierungskommission zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch. Als dritte Säule beschrieb sie eine „kindergerechte Justiz“ mit der Möglichkeit, Kinder gerichtsfest per Video zu vernehmen.

Zwei solcher Projekte gebe es bereits in Leipzig und Heidelberg, weitere seien geplant. Bereits abgeschlossene Gerichtsverfahren müssten einer Prüfung unterzogen werden, um zu untersuchen, in welchen Fällen Jungen und Mädchen nicht richtig angehört worden seien. Daraus müssten Konsequenzen für kommende Verfahren gezogen werden, forderte Andresen. Michael Gabel