Eine schwarz getünchte Regalwand, ein paar Familienfotos und eine Vase: Ungewöhnlich schlicht präsentierte sich der US-Schauspieler Dwayne „The Rock“ Johnson in einem rund achteinhalb-minütigen Video, das er Anfang Juni auf der sozialen Plattform Instagram hochlud. Umso dramatischer waren die Worte, die Johnson direkt und in aller Öffentlichkeit an US-Präsident Donald Trump richtete: „Wo ist unser Anführer in dieser Zeit? In dieser Zeit, in der unser Land auf den Knien ist, bettelnd, flehend, verletzt, wütend, frustriert, in Schmerzen.“

Einfluss über Twitter und Co.

Acht Wochen später ähnliche Szenen, in der Nacht vom 30. auf den 31. August: Die Verleihung der MTV Video Music Awards wird zur Bühne der Solidarität. Moderatorin Keke Palmer erklärte einem Millionenpublikum, dass die Menschen gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße gehen sollen. Der Musiker The Weeknd forderte Gerechtigkeit für die getöteten Afroamerikaner Jacob Blake und Breonna Taylor. Zwischen den Showeinlagen Werbeclips für den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten Joe Biden, gefolgt vom Aufruf, wählen zu gehen.

Es ist ein Phänomen, das seit wenigen Monaten häufiger zu beobachten ist. Prominente, die mehr denn je soziale Netzwerke und ihre Bekanntheit nutzen, um sich politisch zu positionieren und öffentlichkeitswirksam über die aktuellen Ereignisse in den USA zu sprechen. Cher, George Clooney, Miley Cyrus und viele mehr haben sich bereits gegen Trump ausgesprochen, und ihr potenzieller Einfluss auf die Wahlen ist nicht zu unterschätzen.

Allein Dwayne Johnson erreichte mit seinem Video auf Instagram rund 200 Millionen Menschen, die Sängerin Billie Eilish zählt auf der gleichen Plattform über 66 Millionen Abonnenten. Die 18-Jährige, derzeit eine der einflussreichsten Musikerinnen weltweit, veröffentlichte im Rahmen des Parteitags der Demokratischen Partei ein Video, in dem sie erklärte: „Donald Trump zerstört unser Land und alles, was uns etwas bedeutet. Schweigen ist keine Option und wir können das hier nicht aussitzen. Wir müssen so wählen, als ob unsere Leben und die Welt davon abhingen.“

Mehr als nur reich und schön

Die Zusammenarbeit von Politik und Unterhaltungsindustrie wird in den USA seit vielen Jahrzehnten innig gepflegt. Franklin D. Roosevelt bekam seinerzeit Wahlkampfhilfe von Hollywood-Größe Katharine Hepburn. John F. Kennedy hatte ein eigenes Lied für seine Wahlkampagne – gesungen von keinem geringerem als Frank Sinatra. George W. Bush, Bill Clinton und Barack Obama wurden  bei ihren Wahlkämpfen alle bereits prominent unterstützt. Nur Donald Trump hatte es mit Hollywood von Anfang an nicht leicht. Bereits Trumps erster Wahlkampf stieß vielen in der überwiegend liberal geprägten Unterhaltungsindustrie bitter auf. Umso deutlicher fiel die Ablehnung aus, als für Trumps Amtseinführung im Januar 2017 ein musikalisches Rahmenprogramm gesucht wurde. Céline Dion und die Beach Boys zeigten kein Interesse, Elton John schrieb auf Twitter eine harsche Absage und Star-Tenor Andrea Bocelli sprang nach kurzer Zeit wieder ab. Statt Beyonce und Aretha Franklin sang bei der Einführungszeremonie die Zweitplatzierte einer Musikshow die Nationalhymne. Zusätzlich traten der Mormon Tabernacle Choir und Countrysänger Toby Keith auf.

Auch vier Jahre später hat sich wenig geändert. Statt auf Wahlkampfveranstaltungen oder dem Republikanischen Parteitag Werbung für Trumps zweite Amtszeit zu machen, wettern zahlreiche Berühmtheiten erneut gegen ihn. Und der Ton wird schärfer. Die eigentlich zurückhaltende und unpolitische Popsängerin Taylor Swift schrieb vor wenigen Wochen auf Twitter: „Nachdem du während deiner gesamten Präsidentschaft die Feuer der weißen Vorherrschaft und des Rassismus angefacht hast, hast du jetzt die Nerven, moralische Überlegenheit vorzutäuschen? Wir werden dich im November aus dem Amt wählen.“ Ein Statement, das mindestens rund 87 Millionen Nutzer erreichte.

Trump vs. Biden: Pandemie erschwert die Wahl


Mehr als 200 Millionen US-Amerikaner können am 3. November einen neuen Präsidenten und ein neues Repräsentantenhaus wählen. Wer gewonnen hat, entscheidet sich meist noch in der Wahlnacht.

Experten warnen allerdings, dass die Auszählung in diesem Jahr deutlich länger dauern könnte. Der Grund ist, dass wegen der Pandemie mehr Menschen die Möglichkeit der Briefwahl nutzen werden.

Das Wahlrecht ist zudem Sache der Bundesstaaten: Mancherorts müssen Briefwahlunterlagen auch noch Tage nach der Wahl akzeptiert werden, sofern sie bis zur Wahl abgeschickt worden sind. isi