Ankara / Von Gerd Höhler Die Reisewarnung für deutsche Urlauber trifft das Land hart. Mit einer PR-Kampagne soll nun gegengesteuert werden. Von Gerd Höhler

Die Reisewarnung der Bundesregierung hält bisher viele von Reisen in die Türkei ab. Dessen ungeachtet verspricht die türkische Regierung den ausländischen Besuchern sichere Ferien. Außenminister Mevlüt Cavusoglu legt sich sogar persönlich ins Zeug – und kritisiert Berlin.

35 Millionen Fluggäste zählte man letztes Jahr am Airport der türkischen Touristenhochburg Antalya. In diesem Jahr haben bisher weniger als eine Million Passagiere den Flughafen benutzt.

Die Zahl sagt einiges über das Tourismusdesaster, das mit der Corona-Pandemie über die türkische Riviera hereingebrochen ist. Ähnlich trist sieht es in den Urlaubsorten an der türkischen Ägäisküste und in der früher für Städtetrips geschätzten Bosporus-Metropole Istanbul aus.

Deutschland, das zweitwichtigste Herkunftsland von Gästen türkischer Hoteliers, bremst mit der Reisewarnung, die zunächst bis zum 31. August gilt. Sie ist zwar kein Reiseverbot. Aber Türkei-Besucher müssen damit rechnen, bei ihrer Rückkehr nach Deutschland für 14 Tage in Quarantäne zu kommen.

Die meisten Reiseveranstalter bieten deshalb bisher keine Türkei-Urlaube an. Wer auf eigene Faust in die Türkei reist, muss mit Einschränkungen rechnen. Zahlreiche Restaurants, Bars und Läden sind noch geschlossen. Vielerorts gilt Maskenpflicht.

Ungeachtet der Reisewarnung versucht jetzt die türkische Regierung, mit einer großen Werbekampagne Urlauber zu umwerben. Das Tourismusministerium hatte für diese Woche 40 ausländische Journalisten nach Antalya eingeladen; die Organisatoren zogen alle Register: kostenlose Unterkunft im Fünf-Sterne-Hotel, wo im Zimmer schon Geschenke warten, opulentes Essen, ein Festkonzert in einem antiken Theater.

Begehrtes Gütesiegel

Schon in der Woche zuvor hatte Tourismusminister Mehmet Ersoy ein „Sicherheitszertifikat“ vorgestellt. 132 Kriterien muss ein Hotel erfüllen, um das begehrte Gütesiegel zu erhalten, das überdies vom deutschen Tüv abgenommen ist. 500 besitzen das Zertifikat bereits, bis Ende Juli sollen es 2000 sein.

In der Provinz Antalya mit ihren 2,4 Millionen Einwohnern gibt es nach offiziellen Angaben bisher weniger als 500 Corona-Infizierte, 14 Menschen sind dort an Covid-19 gestorben. Insgesamt gibt es in der Türkei 192 000 bestätigte Fälle. 5025 Menschen sind bisher an Covid-19 gestorben.

Seit das Land Anfang Juni die Restriktionen lockerte, steigt die Zahl der Neuinfektionen allerdings wieder. Diese Woche wurden täglich etwa 1300 neue Infektionen gemeldet gegenüber rund 800 Anfang Juni. Dennoch versichert Gesundheitsminister Fahrettin Koc, die Türkei habe die schwierigste Phase der Epidemie hinter sich. Es gebe keine zweite Corona-Welle in der Türkei.

„Wir sind bestens vorbereitet“, sagt auch Tourismusminister Ersoy.  Als Politiker wird er daran gemessen, wie seine Regierung die Tourismuskrise meistert. Hunderttausende Jobs stehen auf dem Spiel. Cavusoglu zeigt auf Berlin: Die deutsche Reisewarnung sei „politisch motiviert“, behauptet der Außenminister.

2019 kamen fünf Millionen Deutsche 

Deutschland war mit rund fünf Millionen Gästen im Jahr 2019 die zweitwichtigste Reisenation für die Türkei. Spitzenreiter ist Russland (2019: sieben Millionen Besucher). Auch dort  kämpft man mit horrenden Corona-Infektionszahlen. Auch die Briten, nach Bulgarien (Platz drei) die Nummer vier in der türkischen Reise-Statistik, haben die Epidemie noch längst nicht ausgestanden, ebenso wie der Iran, mit 2,1 Millionen Türkei-Besuchern im vergangenen Jahr die Nummer fünf. höh