afp Mit ihrem Drang nach Unabhängigkeit stellen Harry und Meghan die britischen Royals vor eine Herausforderung. Doch die Queen unterstützt ihre Pläne. Von Robin Millard

Mit ihrer Ankündigung, sich aus der ersten Reihe der Royals zu verabschieden, haben Prinz Harry und seine Frau Meghan das britische Königshaus in eine Krise gestürzt. Doch Königin Elizabeth II. hat ihre Zustimmung erklärt. Die 93-jährige Monarchin und ihre Familie „unterstützen voll und ganz“ den Wunsch des Paares, ließ die Königin am Montag mitteilen. Auf dem Krisengipfel der Royals sei Harry und Meghan eine „Übergangsperiode“ gewährt worden, in der sie sich zurückziehen und in Großbritannien und Kanada leben dürften. Endgültige Entscheidungen sollten „in den kommenden Tagen“ getroffen werden. Es bleibe noch viel zu tun, da „komplexe“ Fragen geklärt werden müssten.

Die Queen war mit ihrem Sohn und Thronfolger Charles und dessen beiden Söhnen William und Harry auf Schloss Sandringham zusammengekommen, um über die künftige Rolle von Harry und Meghan zu beraten. „Obwohl wir sie lieber weiter als Vollzeitmitglieder der königlichen Familie gesehen hätten, respektieren und verstehen wir ihren Wunsch nach einem unabhängigeren Leben als Familie, bei dem sie ein wertvoller Teil meiner Familie bleiben“, erklärte die Königin. Harry und Meghan hätten deutlich gemacht, von öffentlichen Geldern unabhängig sein zu wollen. Beide gehörten bislang zu den ranghöchsten Mitgliedern der Königsfamilie und sollten nach der Thronbesteigung von Prinz Charles mehr Aufgaben übernehmen.

Als sich die beiden zum ersten Mal trafen, war Prinz Harry 31 Jahre alt und hatte einige gescheiterte Beziehungen und eine zehnjährige Armeekarriere hinter sich. Die US-Schauspielerin Meghan Markle war 34 und seit drei Jahren geschieden. Eine gemeinsame Freundin arrangierte ein Treffen, als Meghan im Juli 2016 in London war. In den ersten Monaten trafen sich beide heimlich, fuhren zum Campen nach Botswana. Im November 2017 machte Harry beim Brathähnchen in seinem Cottage Meghan einen Heiratsantrag.

Britische Medien nahmen die Nachricht begeistert auf: Meghan hatte bereits etwas erreicht im Leben und sollte den britischen Royals als Feministin mit afroamerikanischen Wurzeln frischen Wind und ein modernes Image bringen. Am 19. Mai 2018 feierte das Paar auf Schloss Windsor eine Traumhochzeit. Kurz vor der Geburt ihres Sohnes zogen Harry und Meghan im April 2019 ins Frogmore Cottage auf Schloss Windsor um. Ihren Sohn nannten sie Archie Harrison Mountbatten-Windsor und verzichteten dabei auf königliche Titel. „Ich habe die zwei besten Jungs der Welt, bin also sehr glücklich“, erklärte Meghan damals.

Das öffentliche Wohlwollen ließ allerdings nach. Kritisiert wurden der Konflikt des Paares mit den Medien und ihre Klagen über die Behandlung durch die Öffentlichkeit, während sie vom königlichen Lebensstil profitierten. Als Heuchelei werteten viele, dass Harry und Meghan Umweltschutz predigten, aber mit Privatjets in den Urlaub flogen.

Gerüchte über Meghans Launenhaftigkeit gegenüber Bediensteten machten die Runde. Angeblich quittierten reihenweise Mitarbeiter den Dienst. Auch von einem Zickenkrieg zwischen Meghan und Kate, der Frau von Harrys Bruder William, war die Rede. Für Unmut sorgte, dass Harry und Meghan die Öffentlichkeit verspätet über die Geburt ihres Sohnes informierten. Auch die Entscheidung, Archies Paten geheimzuhalten, stieß auf Unverständnis – ebenso wie eine Rechnung über umgerechnet 2,8 Millionen Euro für die Modernisierung von Frogmore Cottage.

Mit einer erfolgreichen Tour durchs südliche Afrika wuchs das Ansehen des Herzogs und der Herzogin von Sussex wieder, doch Anfang Oktober 2019 machte sich das Paar durch eine schriftliche Tirade gegen die Presse und Anzeigen gegen mehrere Zeitungsverlage wieder unbeliebt. In einer TV-Dokumentation sagte Harry, sein Bruder William und er seien „auf unterschiedlichen Wegen“ und hätten „gute Tage“ und „schlechte Tage“. afp

Experten sehen Geldverdienen kritisch

Wie Prinz Harry und Herzogin Meghan künftig unabhängiger leben und ihr eigenes Geld verdienen wollen, sehen Experten skeptisch. Derartige Versuche der Royals hätten „immer in Tränen geendet“, warnte der frühere BBC-Royals-Korrespondent Peter Hunt. Auch David McClure, Autor eines Buchs über die Finanzen des britischen Königshauses, sagt: „Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird.“ Royals und Geldverdienen sei „eine giftige Mischung“ voller „Gefahren“. Diese reichen von Interessenkonflikten über peinliche Misserfolge bis hin zum finanziellen Ruin. afp