Magdeburg / Martin Weber Ihren ersten Solo-Einsatz in Magdeburg absolviert die von Claudia Michelsen gespielte Kommissarin Doreen Brasch etwas verloren. Von Martin Weber

Der TV-Kommissar als solcher tritt meistens im Duo auf, manchmal sogar zu dritt oder zu viert. Solo-Ermittler sind selten geworden im deutschen Fernsehen, was zum einen damit zusammenhängt, dass zwei mit Privatleben und  Problemen beladene und oft grundverschiedene Kommissare einfach interessanter sind als nur einer. Zum anderen können Drehbuchautoren und Regisseure in den Gesprächen, die Kommissar A mit Kommissarin B führt, immer wieder ganz praktisch den Stand der Ermittlungen zusammenfassen und den Zuschauer an den Überlegungen und Plänen teilhaben lassen, die da ausgeheckt werden.

Insofern war es für die Macher ein gewisses Risiko, die Magdeburger Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) nach dem Ausscheiden ihres Kollegen Dirk Köhler (Matthias Matschke) allein auf Mörderjagd zu schicken, wie es im Krimi „Polizeiruf 110: Totes Rennen“ am Sonntag (20.15 Uhr, ARD) geschieht, der vom Tod eines Spielers handelt und zum Teil auf der Magdeburger Pferderennbahn spielt.

Tatsächlich tut sich Claudia Michelsen schwer als Alleinunterhalterin: Die Schauspielerin wirkt in vielen Szenen arg verloren. An diesem Eindruck kann auch die verstärkte Einbindung von Felix Vörtler als Doreen Braschs Vorgesetzter Uwe Lemp nichts ändern.

Doch das ist nicht das einzige Manko dieses etwas lahmen Krimis aus Sachsen-Anhalt. Der Film dreht sich zwar um das spannende Thema „illegale Sportwetten“, doch statt saftiger Milieustudien mit lebensprallen Gangstern und verzweifelten Spielern auf der Pferdrennbahn gibt es über weite Strecken doch nur die allzu bekannte Krimiroutine. Das reißt auch der wunderbare Martin Semmelrogge als zwielichtiger Zocker nicht heraus, der Brasch in einer entscheidenden Szene gefährlich nahe kommt.

Die sensible Kommissarin muss den mysteriösen Tod des wettsüchtigen Milan Siebert aufklären, dessen Leiche am Strand der Elbe gefunden wurde. Der junge Mann hatte getrennt von Frau und Kind zuletzt bei seinen Eltern gelebt, musste mit hohen Spielschulden klarkommen und war ein Informant des LKA, das schon seit Jahren in Kreisen der illegalen Wettmafia in Magdeburg ermittelt.

Der LKA-Mann Hannes Kehr (Michael Maertens) versorgt Doreen Brasch mit Informationen und gibt ihr wichtige Tipps. Doch die Kommissarin weiß nicht, wie weit sie dem undurchsichtigen Kollegen trauen kann – vor allem, da ihr genau dieser Mann in einem prophetischen und blutigen Albtraum von der Pferderennbahn auftaucht.