Agnes Pahler Unermüdlich blühen die robusten Blumen den ganzen Sommer hindurch. Sie vertragen Sonne und Trockenheit, nur zu dicht dürfen sie nicht stehen. Von Rita Köhler

Als Dauerblüher eignen sich Löwenmäulchen perfekt dazu, Lücken in Blumenrabatten zu füllen. Blühende Pflanzen kann man ab April und bis in den Sommer hinein kaufen. Man kann sie relativ spät noch ins Beet setzen und sie wachsen selbst bei warmer Witterung noch gut an. Trockenheit halten Löwenmäulchen nämlich recht gut aus, schließlich hat das Garten-Löwenmaul seinen Ursprung im westlichen Mittelmeerraum. Die natürliche Herkunft bedeutet aber, dass Löwenmäulchen nur in warmen Boden gesetzt werden sollen und dass sie starken Frost nicht vertragen.

Im Grunde handelt es sich bei den Löwenmäulchen nämlich um mehrjährige Pflanzen. Weil sie aber bei strengen Frösten zugrunde gehen, zieht man sie hierzulande traditionell als einjährige Sommerblume. Damit die Pflanzen dann wirklich ab Juni blühen, muss die Anzucht frühzeitig beginnen. Wer eigene Jungpflanzen heranziehen will, sät bereits im Februar im Haus aus. Man muss dann rechtzeitig pikieren, sobald sich die ersten echten Laubblätter entwickeln und wachsende Pflanzen in Töpfchen umsetzen, sobald der Topfraum durchwurzelt ist. Einfacher ist es, im Frühjahr vom Gärtner angezogene Löwenmäulchen zu kaufen. Allerdings hält die eigene Anzucht die Wahl unter den vielen Sorten offen, denn beim Löwenmäulchen stehen sehr viele unterschiedliche Farben und Wuchsformen zur Verfügung: Es gibt gedrungene Sorten, die 15 cm klein bleiben und in Kästen und Töpfen hübsch aussehen, oder Typen mit lang gestrecktem Blütenstand, die zum Blickfang im Blumenbeet werden.

Löwenmäulchen wollen eine lockere Erde, die aber durchaus karg sein kann. Zusätzliche Düngung brauchen sie nicht. Sie blühen am besten an einem gut besonnten Platz (der aber nicht prallsonnig sein soll).

Die Sommerblumen blühen sogar noch an etwas beschatteten Stellen recht gut, nur wenn die Sonne ganz fehlt, bilden sich keine Blüten. Trockenheit im Sommer beeinträchtigt die Pflanzen wenig, aber sie entwickeln sich besser, wenn die Erde nie völlig austrocknet. Wenn man sie gießen will, sollte man möglichst Regenwasser verwenden, denn Leitungswasser behagt den Gewächsen nicht.

Löwenmäulchen gibt es in einer großen Bandbreite an Farbtönen. Die Blütenfarben variieren zwischen kräftigen Gelb- und Rottönen und zarten Pastellfarben. Der gelbe Fleck in der Mitte der Unterlippe erscheint je nach Sorte unterschiedlich ausgeprägt, sodass die Blüten fröhlich zweifarbig wirken können. Die Aufteilung der großen Blüte in eine Ober- und eine Unterlippe mit geschlossenem Schlund macht die Eigenart des Löwenmäulchens aus. Die lange Blütenröhre hält einen großen Nektarvorrat bereit, allerdings kommen nur wenige Insekten an den leckeren Energiespender heran. Löwenmäuler reißen nämlich ihr Maul nicht großzügig auf, sondern halten es sittsam geschlossen. Es bedarf schon der Masse einer dicken Hummel, um die schwere Oberlippe hochstemmen zu können, um endlich die Nektarquelle zu erreichen. Honigbienen sind dafür zu schwach, und selbst Hummeln gelangen an die Grenzen ihrer Kräfte. Dennoch locken die großen Blüten Hummeln an und die wiederum bestäuben Lippenblütler wie Busch-, Stangen- und Feuerbohnen, die nur gut tragen,wenn eine Bestäubung stattfindet.

Löwenmäulchen stellen klassische Nachbarn zu Bohnen im Bauerngarten wie im Landhausgarten dar. Dort hielt man sie auch, um Schnittblumen für eine geschmückte Tafel zu gewinnen. Die hohen Sorten eignen sich dafür bestens, zumal sie über eine lange Zeit hinweg abblühen.

Überraschung garantiert

Löwenmäulchen erweisen sich als problemlose Sommerblumen, die kaum Pflege verlangen. Eine reichere Blüte entsteht, wenn zu Beginn der Kultur die Triebe in etwa zehn Zentimeter Höhe ausgezwickt werden. Später erhält bodennahes Ausputzen die Blühfreudigkeit. Zu dicht sollten die Pflanzen auf keinen Fall stehen, denn sonst entwickeln sich pilzliche Krankheiten wie Rost, Mehltau oder Wurzelfäule und Sporen dieser Erreger können mehrere Jahre im Boden lauern.

Wer will, kann im Spätsommer einige der Samenkapseln ausreifen lassen. Man kann reife Samen abnehmen und trocknen. Vor einer Aussaat im nächsten Spätwinter müssen die Samen für etwa drei Wochen im Kühlschrank ruhen, denn Löwenmäulchen sind Kaltkeimer.

Was bei den selbst vermehrten Pflänzchen herauskommt, bleibt spannend: Weil die genetischen Anlagen bei den Nachkommen von Hybriden neu gemischt werden, können Wuchsform und Blüten ganz anders aussehen als bei der Mutterpflanze. Überraschung garantiert.

Schafft sie’s oder schafft sie’s nicht?

Die Löwenmäulchen im Vorgarten des Altersheims, in dem meine Mutter lebt, sind im Sommer das bevorzugte Studienobjekt der Senioren: Sitzend in ihren Rollstühlen rücken sie dicht an den Rand der Rabatte heran, und jede anfliegende Hummel wird genau beobachtet: Schafft es das Insekt, sich in die Blüte hineinzuzwängen, oder gibt es auf? Und wenn die Hummel in der Blüte versinkt – wie lange hält sie sich darin auf? Und hat sie danach noch genug Kraft, um eine weitere Blüte aufzudrücken? Denn erst, wenn ihr das gelingt, kommt es zur Bestäubung. Das Naturschauspiel an den Löwenmäulchen fasziniert aber auch Kinder. Kurz: Diese Pflanzen gehören meiner Meinung vor jedes Altersheim und in jeden Kindergarten. Agnes Pahler