Berlin / dpa Behauptungen darüber, was bei heißen Temperaturen eher schadet als nützt, gibt es zuhauf. Doch welche Hitze-Mythen halten sich zu Recht? Von Jordan Raza

Bei Temperaturen über 30 Grad suchen die meisten Menschen nach Abkühlung. Eine kalte Dusche und anschließend ein eisgekühltes Getränk im Schatten scheinen dabei besonders verlockend. Doch bedeutet das womöglich mehr Belastung als Erfrischung für den Körper? Und stimmt es, dass es mittags am heißesten ist? Einige Hitze-Mythen halten sich seit Jahren hartnäckig und tauchen in jedem Sommer erneut auf. Zeit für einen Faktencheck.

Warmes Wetter steigert die Lust auf Sex.

Stimmt. Hitze wirkt sich tatsächlich auf das Sexleben aus. „Denn mit den Temperaturen steigt auch unsere Libido“, sagt Frauenärztin Sheila de Liz. Sonnenlicht und Wärme sind laut der Expertin unglaublich wichtig für unser Lustempfinden. Denn auf diese Weise produziere der Körper mehr Vitamin D. Das erhöhe die Stimmung und sorge für Entspannung. Weniger Kleidung und mehr nackte Haut sind laut de Liz natürlich zusätzliche optische Reize, die die Hormone in Wallung bringen.

Hitze schadet Laptop und Smartphone.

Richtig. Bei gutem Wetter etwas für die Uni oder die Arbeit im Park auf dem Laptop schreiben oder mit dem Handy lustige Videos drehen? Ja das geht, aber doch bitte im Schatten! Denn Elektronik sollte kühl gehalten werden, rät Alexander Spier vom Magazin für Computertechnik „c‘t“. Hitze und Sonne können mitunter zu Beeinträchtigungen führen: Die Geräte arbeiten dann langsamer, es kommt zu Darstellungsstörungen auf dem Display. Unter Umständen könnte sogar die Lebensdauer der Geräte  verkürzt werden. Nicht umsonst schalten sich moderne Smartphones bei zu großer Hitze mittlerweile von alleine aus, um Schäden zu verhindern.

Eine kalte Dusche hilft gegen Schwitzen.

Falsch. Natürlich gibt es an heißen Sommertagen kaum etwas, das verlockender ist, als den überhitzten Körper eiskalt abzubrausen. Doch Vorsicht, letztendlich ist genau das kontraproduktiv. Durch das kalte Wasser gehe die Körpertemperatur zwar erst einmal runter. Anschließend schwitze man aber durchaus mehr. „Weil der Körper die Temperatur wieder hochschraubt“, erklärt Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln. Vor allem nach intensivem Training sei eine kalte Abkühlung nur Stress für den Körper. Er rät dazu, es ruhig mit der Temperatur angehen zu lassen und zunächst mit handwarmem Wasser zu duschen. Das kann man dann Schritt für Schritt kälter drehen.

Warmes Wetter sorgt für Hitzepickel.

Stimmt. Ein paar ruhige Momente in der Sonne genießen, und schon können sich kleine Bläschen am Körper bilden – Hitzepickel. „Sie entstehen wegen verstopfter Schweißdrüsen, hervorgerufen durch einen Hitzestau“, sagt Dermatologin Uta Schlossberger. Schuld daran ist meist zu enge, undurchlässige Kleidung im Sommer. Aber auch an stark schwitzenden Stellen treten sie oft auf. Sobald der Körper abkühlt, verschwinden die Hitzepickel laut der Ärztin meist.

Beim Blumengießen im Sommer kein Wasser auf die Blätter.

Stimmt. Wassertropfen auf Pflanzen sollen im Sommer wie Brenngläser wirken. Pflanzen also deshalb lieber nicht von oben gießen? „Es ist tatsächlich besser, es nicht zu tun“, rät Isabelle van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie Berlin. Grund sei allerdings nicht, dass die Blätter verbrennen könnten. „Sondern die Feuchtigkeit fördert die Bildung von Pilzschädlingen“, erklärt die Garten-Fachfrau.

Mittags ist es am heißesten.

Falsch. „Feierabendhitze“ wäre treffender. „Denn die Temperatur ist an einem Hochsommertag erst zwischen 16 und 17 Uhr am höchsten“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Der Wärmegrad erreicht seinen Höhepunkt also nicht zeitgleich mit dem Höchststand der Sonne, sondern erst verzögert. Dann, wenn der Boden maximal erwärmt ist und auch Straßen oder Dächer Hitze abgeben. Zudem ist der Sonnenhöchststand in Deutschland derzeit nicht um 12 Uhr mittags, sondern am frühen Nachmittag.

Ein eiskaltes Getränk ist die beste Erfrischung.

Falsch. Ähnlich wie bei der frischen Dusche verhält es sich bei Wasser, Limo und Co. „Kalte und eiskalte Getränke belasten den Körper deutlich mehr als wohltemperierte oder warme, denn er muss viel Energie aufbringen, um die Temperatur zu regulieren“, erklärt Jan-Christoph Lewejohann von der Asklepios Klinik Wandsbek. Kühle Drinks können außerdem zu Magenproblemen  führen. Deshalb ruhig mal zum warmen Pfefferminztee greifen. Auch der kann erfrischen. dpa

Was wir über Kleidung in anderen Ländern lernen können

Wüstenbewohner in Nordafrika und im Nahen Osten tragen häufig dunkle Kleidung. Man könnte meinen: Beduinen schützen sich damit gegen die Hitze. Schützt die dunkle Kleidung also besser als helle? Und das, obwohl diese im Gegensatz zu weißer Kleidung Sonnenlicht aufsaugt. Israelische Forscher haben sich 1980 mit der Frage beschäftigt. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Farbe der Gewänder kaum einen Unterschied macht.

Entscheidend ist dagegen der Schnitt dessen, was wir im Sommer tragen. Denn die Beduinen tragen ihre Roben locker um den Körper. Auf diese Weise kann zwischen den Lagen Luft hindurchströmen, die die Wärme abtransportiert und die Haut dadurch kühlt. dpa