Von Hardy Kromer Der Chef des Hauses Hohenzollern bricht sein Schweigen: Verhandlungen mit Berlin sollen nicht am Wohnsitz auf Schloss Cecilienhof scheitern. Von Hardy Kromer

Sollen die Nachkommen des letzten deutschen Kaisers hundert Jahre nach dem Ende der Monarchie entschädigt werden? Oder waren die Hohenzollern viel zu sehr in die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft verstrickt, als dass sie heute berechtigte Ansprüche stellen könnten? Seit der Berliner „Tagesspiegel“ im Juli publik machte, dass Georg Friedrich Prinz von Preußen, der Chef des Hauses Hohenzollern, vom Bund und von den Ländern Berlin und Brandenburg hunderte von Kunstwerken zurück haben wolle und außerdem ein Gratis-Wohnrecht im Schloss Cecilienhof, im Schloss Lindstedt oder in der Villa Liegnitz in Potsdam fordere, tobt ein neuer Historikerstreit über die Frage, wem das Kunst- und Immobilien-Erbe der Hohenzollern zusteht.

Der Kaiser-Ururenkel selbst, in manchen Medienberichten als „gierig“ kritisiert, hat bislang geschwiegen und seinen Anwalt Markus Hennig sprechen lassen. Der hat jüngst vor einer „Skandalisierung“ des Themas gewarnt und versichert, dem Haus Hohenzollern gehe es vor allem um Rechtssicherheit und um eine „einvernehmliche Gesamtregelung“ mit der öffentlichen Hand.

Am Dienstag hat sich Georg Friedrich Prinz von Preußen nun einigermaßen überraschend selbst geäußert. Vor Medienvertretern betonte er auf der Burg Hohenzollern (Zollernalbkreis): An der Frage des Wohnsitzes in den einst kaiserlichen Gemächern „werden die Gespräche nicht scheitern“. Ausdrücklich trat er dem Eindruck entgegen, in Berlin werde ein erbitterter Rechtsstreit geführt. „Wir kämpfen nicht gegen den Staat“, sagt der Nachfahr Kaiser Wilhelms II. Die „intensiven Gespräche mit dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg“ würden seit fünf Jahren „in sehr sachlich-konstruktivem Ton geführt“, und er sehe „eigentlich gar keine Knackpunkte“, die nicht gemeinsam gelöst werden könnten. Aus seiner Sicht sei das Hochkochen der Diskussion „vor allem dem Sommerloch und dem Wahlkampf in Brandenburg“ geschuldet gewesen.

Dass die Ansprüche der Hohenzollern ganze Museen in Berlin und Potsdam in ihrer Existenz gefährdeten, hat das Haus Hohenzollern bereits über seinen Anwalt dementieren lassen. Auch Georg Friedrich von Preußen selbst stellt nun klar: „Wir nehmen unsere kulturelle Verantwortung gerne wahr, und wir fordern nicht mehr als jeder andere Leihgeber.“ Sollte die öffentliche Hand ein „Hohenzollernmuseum“ in Berlin einrichten wollen, so sei er „gerne bereit, dieses Vorhaben zu unterstützen“ – und zwar „ohne die Deutungshoheit über unsere Geschichte zu beanspruchen; das ist unsererseits zu keinem Zeitpunkt erbeten worden“. Letzteres hatten Grüne und Linke in Berlin und Brandenburg unterstellt.

Die Frage der Deutungshoheit betrifft insbesondere die NS-Verstrickung der kaiserlichen Familie. Georg Friedrich von Preußen dazu: „Wir setzen uns ganz intensiv mit der Vergangenheit meiner Familie im Dritten Reich auseinander.“ Zum Beleg dafür arbeite das Haus Hohenzollern an „einem großen Symposium mit namhaften Historikern“ zu diesem Thema, das aller Voraussicht nach in Baden-Württemberg stattfinden werde. „Wir wollen zeigen“, so von Preußen, „dass wir uns der Vergangenheit stellen“.

Soll Schloss Cecilienhof Privatwohnsitz werden?

Aufsehen erregte in der öffentlichen Debatte die Forderung der Hohenzollern nach einem Gratis-Wohnrecht im Schloss Cecilienhof oder anderen einst kaiserlichen Gemächern. Georg Friedrich Prinz von Preußen sagt nun: An der Wohnsitz-Frage werden die Gespräche nicht scheitern.