Berlin / Von Michael Gabel Die Ferien am Meer zu verbringen, ist wieder möglich. Aber die Freiheit hat Grenzen ­– denn die meisten Länder gelten als Risikogebiete. Von Michael Gabel

Urlaub im Ausland ist trotz Corona möglich. Das ist in den vergangenen Wochen immer deutlicher geworden. Doch vielen ist unklar, in welchen Ländern Urlaub gefahrlos möglich sein wird und wo mit Problemen zu rechnen ist. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Darf man in ein Land reisen, für das eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes besteht? „Grundsätzlich ja“, sagt Pauline Stabenow, Juristin beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland, dieser Zeitung. Denn eine Reisewarnung sei etwas anderes als ein Reiseverbot.

Was ist dabei zu beachten? In den jeweiligen Ländern gibt es neben einem möglicherweise erhöhten Ansteckungsrisiko ein paar Dinge zu beachten, wenn man dort seinen Urlaub verbringen möchte. So kann bei der Einreise ein negativer Corona-Test verlangt werden. Bei der Rückreise aus einem Gebiet, für das die Zahl der Neuinfizierten weniger als 50 Fälle pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen überschreitet, müssen sich Urlauber in den meisten Bundesländern in Quarantäne begeben. In manchen Fällen gelten in diesen Ländern auch besondere Hygieneregeln. Informationen dazu gibt es auf den Internetseiten der deutschen Vertretungen des jeweiligen Landes. Wichtig: Das Auswärtige Amt rät von touristischen Reisen in diese Staaten ab.

Für welche Länder bestehen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes? Insgesamt sind es 160. Einfacher lässt sich sagen, für welche Länder keine Reisewarnung besteht: für fast alle Mitgliedsstaaten der EU sowie für Island, Liechtenstein, die Schweiz, Großbritannien, Andorra, Monaco, San Marino und den Vatikanstaat. Lediglich vor Reisen nach Schweden sowie Finnland und Norwegen wird weiterhin gewarnt.

Außerdem gibt es Risikogebiete. Was bedeutet das? Sobald in einem bestimmten Gebiet die Fallzahlen recht hoch sind, wird es vom Robert-Koch-Institut sie als Risikogebiete eingestuft. Das hat zur Folge, dass sich Urlauber, die aus diesen Ländern nach Deutschland zurückkehren, in ihrer Heimat einer vierzehntägigen Quarantäne unterziehen müssen. Momentan trifft dies beispielsweise auf Schweden, Finnland und Norwegen zu.

Werden die Reisewarnungen ernstgenommen? Beim Europäischen Verbraucherzentrum geht man davon aus. „Es ist eher so, dass viele Menschen, die sich bei uns melden, die Reisewarnungen als Verbot verstehen“, sagt Stabenow. Ihr subjektiver Eindruck müsse aber nicht repräsentativ sein.

Was passiert, wenn ich in einem Land mit Reisewarnung an Covid-19 erkranke? „Wer in ein Nicht-EU-Land reist, sollte immer eine Auslandskrankenversicherung abschließen“, rät die Juristin. Ob im Falle einer Reisewarnung die Behandlungs- und Rückflugkosten von der Versicherung übernommen werden, hängt von dem konkreten Vertrag ab. Dies ist vor dem Abschluss der Police und vor allem vor dem Antritt der Reise mit dem Versicherer abzuklären.

Muss ich eine Corona-Infektion zu Hause melden? Das Europäische Verbraucherzentrum empfiehlt, das in Deutschland zuständige Gesundheitsamt zu informieren. Das werde dann alles Weitere – zum Beispiel Quarantänemaßnahmen – veranlassen.

Kann der Arbeitgeber mir die Lohnfortzahlung verweigern, weil ich trotz Warnung gereist bin? Arbeitsrechtler haben dazu eine klare Meinung: Wenn sich Angestellte bewusst in Corona-Risikogebiete begeben, müssen Arbeitgeber ihnen für die Zeit einer Erkrankung oder einer Zwangsquarantäne kein Gehalt bezahlen.

Verwandtenbesuche kaum möglich

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) ist unzufrieden mit der weiterhin bestehende Reisewarnung der Bundesregierung für die Türkei. „Millionen türkeistämmige Bürger würden im Sommer gern ihre Verwandten in der Türkei besuchen, aber die Ungewissheit ist groß – uns erreichen immer mehr Anfragen und Anrufe“, sagt der TGD-Vorsitzende Gökay Sofuoglu.

Die Bundesregierung ermahnte er, die aktuell bis zum 31. August geltende Reisewarnung für die Türkei nicht als politisches Druckmittel einzusetzen. „Ob Reisen in die Türkei möglich sind oder nicht, sollte ausschließlich vom Infek­tionsgeschehen abhängen.“ afp