Ulm / Agnes Pahler Das Wässern im Garten muss keinen großen Kraftaufwand bedeuten. Es ist vor allem nicht nötig, Pflanzen täglich mit frischem Nass zu versorgen. Von Rita Köhler

Pflanzen brauchen Wasser, an heißen Tagen besonders viel. Temperaturen über 30 °C stressen jeden Organismus. Kommt dann noch Wassermangel hinzu, kämpft die Pflanze ums Überleben. Schlaffende Blätter erholen sich, wenn die Temperatur abends sinkt oder wenn wieder Wasser vorhanden ist. Dauert allerdings die Unterversorgung zu lange, vertrocknet die Pflanze. Natürlich kommen die verschiedenen Pflanzenarten unterschiedlich gut mit Trockenheit zurecht. Daher ist es so wichtig, Pflanzen an den richtigen Platz zu setzen. Ein Gewächs halbschattiger Waldlichtungen wie der Rote Fingerhut gedeiht in voller Sonne nicht, wo der Boden austrocknet. Wer an trockene Plätze Pflanzen setzt, die mit solchen Verhältnissen zurechtkommen, spart sich das häufige Schleppen von Gießkannen oder das Ziehen von Schläuchen.

Jeden Tag ein Schlückchen?

Anders verhält es sich im Gemüsegarten: Damit die Kulturen gut wachsen, brauchen sie einen sonnigen Platz und immer ausreichend Wasser. Ein Mangel wirkt sich bei schnellwachsenden Gemüsearten wie Radieschen deutlich aus: Fehlt ihnen Wasser, werden sie holzig und der Geschmack wird unangenehm scharf. Nur bei stets guter Wasserversorgung entwickeln sich zarte Knollen innerhalb kurzer Kulturzeit.

Gemüse, das Früchte ansetzen soll, hat zur Zeit der Blütenentwicklung einen besonders hohen Wasserbedarf. Das gilt für Kürbis und Zucchini ebenso wie für Hülsenfrüchtler wie Erbsen und Bohnen. Kopfkohl dagegen wurzelt tief und steckt ein paar Tage Trockenheit gut weg. Tomaten sollte man sowieso erst gießen, wenn die Blätter zu schlappen beginnen. Damit genügt eine kräftige Wassergabe pro Woche.

Wie ist das aber nun mit Nachbars Tomaten, deren Fürsorge man für die Dauer des Urlaubs übernommen hat? „Jeden Tag ein Schlückchen Wasser“, lautet die Vorgabe. Derart großgewordene und falsch erzogene Pflanzen muss man tatsächlich häufig gießen. Denn sie haben nur ein flach wachsendes Wurzelwerk entwickelt und sind auf kurze Gießintervalle angewiesen. Pflanzen, die seltener Wasser erhalten, wurzeln tiefer und kommen dadurch bei Hitze und Trockenheit besser zurecht. Tomatenwurzeln strecken sich bis zu einen Meter tief.

Gerade im Gemüsegarten ist es wichtig, den Boden zwischen den Pflanzen bedeckt zu halten. Selbstverständlich soll dort kein Unkraut wachsen, doch eine Mulchauflage senkt die Verdunstung aus dem Boden, außerdem keimt in beschatteter Erde weniger unerwünschtes Kraut. Zum Mulchen eignen sich Blätter, eben angetrockneter Rasenschnitt oder kleingeschnittenes, gejätetes, unbedingt samenloses Kraut.

Weniger Schinderei bedeutet das notwendige Gießen, wenn man es zum richtigen Zeitpunkt durchführt. Ganz klar bringt das Wässern während heißer Mittagsstunden nicht viel: Die Pflanzen haben ihren Stoffwechsel heruntergefahren und nehmen nicht viel Wasser auf, dafür verdunstet in der Hitze viel Wasser ungenutzt. Die beste Zeit zum Gießen ist daher der frühe Morgen, wenn im Licht die Wachstumsvorgänge anlaufen. Weniger günstig erscheinen im Vergleich dazu die Abendstunden, denn das feuchte Milieu zwischen den Blättern behagt Schnecken besonders gut. Sie kommen in der Dämmerung aus ihren Verstecken hervor und tun sich gütlich.

Beim Gießen muss man außerdem auf das richtige Ausbringen achten. Eine Gießkanne hält man nah am Boden, sodass keine Erde hochspritzt. Man gießt langsam, mit einem weichen Strahl, damit das Wasser nicht abläuft.

Kein kaltes Leitungswasser

Das Laub soll möglichst nicht nass werden. Zum einen, um die Ausbreitung von Pilzkrankheiten zu verhindern, zum Anderen um Wassertropfen auf dem Laub zu vermeiden, die wie Brenngläser wirken und dann bei Sonnenschein zu Verbrennungen führen können. Gegossen wird immer durchdringend, damit das Wasser wirklich tief in den Boden eindringt. Für eine gute Wasserversorgung rechnet man mit ein bis zwei Gießkannenfüllungen pro Quadratmeter alle drei Tage.

Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Bei hohen Außentemperaturen erleiden Pflanzen einen Schock, wenn sie mit kaltem Wasser aus der Leitung in Berührung kommen. Besser ist daher Wasser aus der Zisterne oder dem Regenfass, das die Umgebungstemperatur hat und außerdem eine geringe Wasserhärte aufweist.

Muss man für die Gießkanne Wasser aus der Leitung zapfen, sollte man die befüllte Kanne erst einmal ein oder zwei Stunden lang stehen lassen, damit das Wasser sich etwas erwärmt. Besonders für Jungpflanzen ist dies wichtig. Ebenso sollte man Sommerblumen im Kasten, Hängekorb oder Topf nicht mit kaltem Leitungswasser erschrecken. Schließlich sollen sie beständig neue Blüten ansetzen, dafür müssen sie ungestört wachsen.

Manche mögen’s trocken

Für Rabatten mit Zierpflanzen besteht die Möglichkeit, auf trockenheitsverträgliche Gewächse umzuschwenken. Edelgarben und Silberdisteln schmücken wochenlang zur Blütezeit und lange danach noch als Samenstände. Die einjährigen Spinnenblumen und Zinnien blühen den ganzen Sommer über und bieten Nahrung für Schmetterlinge und andere Insekten. Noch aus trockensten Stellen leuchtet der Kalifornische Mohn gelb, orange oder rosa hervor, er sät sich jährlich selbst aus. In der Sommertrockenheit öffnen Mittagsblumen ihre strahligen Blüten in grellbunten Farben, dazwischen könnten winterharte Blattkakteen (Opuntien) mit riesigen gelben Blüten stehen. Daneben können sich die Blütenkerzen genügsamer Königskerzen aufbauen. Zusammen mit anhaltend blühendem, heimischem Natterkopf entsteht ein kleines Insektenparadies.