dpa Hansi Flick plant nach dem Gewinn von Meisterschaft und Pokal bereits für das nächste große Ziel. Nebenbei kämpft der Trainer um David Alaba und Thiago.

Die ersten beiden Trophäen brachte Hansi Flick höchstpersönlich vorbei. Gleich am Montagvormittag machte sich der Trainer von Bayern München auf in das vereinseigene Museum unter dem Dach der Allianz Arena, den DFB-Pokal stellte er in der Ausstellung für die nationalen Errungenschaften auf eine Säule, die Meisterschale legte er daneben in eine Vitrine. Den angrenzenden Raum blieb einstweilen verschlossen: Dort stehen auch die Erinnerungen an die großen internationalen Erfolge.

Gleich nach dem 23. August würde Flick gerne erneut in das Museum kommen, mit dem wichtigsten aller Pokale. Denn nach dem Double ist für den Rekordmeister und Rekordpokalsieger vor der Champions League. „Ich freue mich schon, wenn wir uns nach der Pause auf das nächste Ziel vorbereiten“, betonte er am Montag in feinen Zwirn gekleidet. Im Klartext: Nach knapp zwei Wochen Urlaub beginnt die Vorbereitung auf das finale Turnier der Königsklasse in Portugal (ab 8. August, Finale 23. August).

Erster Gegner wird der FC Chelsea sein im Rückspiel des Achtelfinales (Hinspiel 3:0). Die Engländer spielen bis dahin weiter, Flick sieht die Pause für seine Mannschaft aber nicht als einen Nachteil an. Seine Mannschaft sei danach ausgeruht, und sie könne sich „einfach komplett auf das konzentrieren, worauf es auf was es ankommt“. Auch er selbst, versicherte Flick, werde sich nun „ein paar Tage ausruhen, um den Kopf freizubekommen“.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, wird Flick in der kurzen Pause auch zum Telefonhörer greifen und Spieler anrufen. Ganz oben auf seiner Gesprächsliste stehen David Alaba und Thiago. „Ich werde mich mit allem, was ich habe, dafür einsetzen, dass wir solche zwei Qualitätsspieler in den Reihen halten können“, hatte er bereits nach dem Sieg im Pokalfinale am Samstagabend gegen Bayer Leverkusen (4:0) betont. „Ich versuche, dass der Kader, so wie er aktuell ist, zusammenbleibt.“

Gut möglich, dass Flick dieses Spiel verliert, vor allem bei Thiago, den es zum FC Liverpool ziehen soll. „Lassen wir ihnen einfach mal ein bisschen Zeit, um sich da Gedanken zu machen“, sagte der Trainer nun am Montag. Es sei legitim, dass „jeder seine eigenen Vorstellungen“ habe, „wie es im Leben ausschauen soll“. Er habe versucht, Alaba und Thiago, die beide noch bis 2021 gebunden sind, „als Trainer und Ratgeber zu unterstützen“ und „offen und ehrlich die Dinge zu beleuchten“.

Flick will bei Thiago „alles“ versuchen, „damit er hier bleibt.“ Es wird wohl vergeblich sein. „Wir haben mit ihm seriös verhandelt und ihm alle seine Wünsche erfüllt. Doch es sieht so aus, dass er zum Ende seiner Karriere noch einmal etwas Neues machen möchte“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Und weil die Bayern „keinen Spieler im nächsten Jahr kostenlos verlieren“ wollten, wie Rummenigge betonte, könnte jetzt alles sehr schnell gehen.

Bei Alaba ist es noch nicht ganz so weit, das weiß auch Flick. „David ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Ein Herzstück“, sagte er über seinen Abwehrchef. Den Österreicher (28) lockt ebenfalls England, dazu auch Spanien – aber bei Alaba geht es wohl nicht zuletzt um die Wertschätzung des Vereins, sprich: ums Geld. „Auf dem Platz ist er ein Weltklasse-Spieler, neben dem Platz immer positiv, motiviert die Mitspieler. Ich bin zuversichtlich, dass er bei uns verlängert“, sagte Flick. sid

Claudio Pizarro geht in Fußballer-Rente

Mit dem Rückspiel der Bremer in der Bundesliga-Relegation endete am Montag die Karriere von Fanliebling Claudio Pizarro, der auch höchst erfolgreich für Bayern München und weniger glücklich im Trikot des 1. FC Köln agierte. Seine Zeit beim FC Chelsea in England kann man als kurzen Abstecher einordnen, Pizarro ist ein echter Bundesliga-Hero. Claudio Miguel Pizarro Bosio, so lautet sein vollständiger Name, hat sechs Meisterschaften gewonnen, sechs Pokaltriumphe gefeiert. Er ist Champions-League- und Weltpokalsieger, Klub-Weltmeister. Mit 197 Toren in 490 Bundesliga-Partien war er lange treffsicherster ausländischer Angreifer, bis Robert Lewandowski vorbeizog. Darüber hinaus prägte Pizarro die Liga mit seinem Torriecher, einer außergewöhnlicher Technik und seinem ansteckenden Lächeln.