Dresden / dpa Nach dem Coup von Dresden übt ein Experte Kritik: Die Leiter der Sammlungen seien mental in den 80er Jahren.

Nach dem Diebstahl historischer Schmuckstücke aus dem Dresdner Grünen Gewölbe fordert der Kriminalwissenschaftler Daniel Zerbin Verbesserungen beim Schutz von Kunstschätzen. Ein Umdenken sei „zwingend notwendig“. Der Fall zeige die Schwächen der deutschen Sicherheitsarchitektur, vor allem hinsichtlich der Einbindung privater Unternehmen. Wachleute in Museen würden oft als Mitarbeiter zweiter Klasse angesehen und schlecht bezahlt, es gebe eine hohe Fluktuation.

Im Dresdner Fall seien die Wachleute einer privaten Sicherheitsfirma scheinbar überfordert oder in ihrem Handeln eingeschränkt gewesen, sagte Zerbin. Der Kaufmännische Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Dirk Burghardt, hatte hingegen einen Tag nach dem Einbruch die Zurückhaltung der Wachleute verteidigt. Sie hätten sich auch wegen der Brutalität der Einbrecher entschieden, nicht zum Tatort zu gehen, sondern auf die Polizei zu warten. Einbrecher hatten vor einer Woche in Dresden prominente Schmuckstücke gestohlen. Die Ermittler sind sicher, dass vier Täter beteiligt waren.

Generell sieht Zerbin „eine gewisse Naivität“ in Fragen der Sicherheit bei den Museumsleitungen: „Sie sind mental noch in 1980er Jahren.“ Sicherheit werde noch immer als Einschränkung von Freiheit verstanden, „aber wenn die Kunst nicht da ist, habe ich auch nicht die Freiheit, sie anzuschauen“. Die Zeiten aber hätten sich geändert. „Wir haben es mit einer ganz anderen Art Gewaltbereitschaft zu tun“, sagte Zerbin. Museumsleitungen müssen sich daher stärker ihrer Verantwortung für die Sicherheit bewusst werden und diese nicht nur vom Geld abhängig machen. „Exzellente Kunst braucht exzellente Sicherheitskonzepte und auch Sicherheitspersonal mit hohen Einsatzwerten.“ dpa