Ist der Geldbeutel für die Bundesbürger wichtiger als ihre Gesundheit? Nach der repräsentativen Umfrage „Die Ängste der Deutschen“ sorgen sich die Bürger in der Corona-Pandemie in erster Linie um ihren Wohlstand. Beim Thema Ansteckung bleiben sie dagegen gelassen. Die größte Angst gilt Donald Trump.

Die Umfrage wird seit 1992 von der R+V-Versicherung in Auftrag gegeben und gilt Forschern wegen ihres Langzeit-Effekts als kleiner Seismograph der Befindlichkeiten rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit. 2400 Menschen ab 14 Jahren wurden dafür vom 8. Juni bis zum 21. Juli befragt.

Der Angstindex, also der Durchschnittswert der abgefragten Sorgen, rangiert mit 37 Punkten trotz Corona-Krise auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Befragung. 2016 hatten Ängste vor Terror und Extremismus, Spannungen durch Zuwanderung sowie Sorgen vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung den Index noch auf 52 Punkte schnellen lassen – den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre.

„Aus Erfahrung wissen wir, dass der Angstindex besonders hoch ist, wenn die Menschen sich hilflos fühlen und vor scheinbar unlösbaren Problemen stehen“, sagt die Leiterin der Umfrage, Brigitte Römstedt. „Momentan haben wohl viele Menschen das Gefühl, dass sie sich durch das Einhalten der AHA-Regeln vor Corona schützen und dass auch die Regierung so weit alles im Griff hat. Das verhindert offensichtlich eine allgemeine Panik.“

53 Prozent der Interviewten stufen unterdessen die Politik von US-Präsident Trump als Problem ein, das die Welt gefährlicher macht. Zudem dominiert Angst um die Wirtschaft nach sechs Jahren Pause wieder die großen Sorgen der Deutschen. 51 Prozent befürchten steigende Lebenshaltungskosten. Nur ein Viertel der Interviewten hat jedoch Angst vor eigener Arbeitslosigkeit.

Die Angst vor einer eigenen schweren Corona-Erkrankung rangiert mit 32 Prozent nur auf Platz 18 von 20 abgefragten Ängsten. „Nach unseren Erkenntnissen haben die Menschen deutlich mehr Angst davor, dass das Virus ihren Wohlstand bedroht als ihre Gesundheit“, so Römstedt. dpa