Stuttgart / Philipp Hruschka Zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb lässt sich auch online viel entdecken. Manche Kamera liefert wichtige Informationen für Städte. Von Philipp Hruschka

Ist noch Kaffee da? Der Beantwortung dieser Frage diente 1991 die erste Webcam der Welt an der Universität Cambridge. Auf einem 128 mal 128 Pixel großem Bild konnte über das noch junge Internet der Füllstand der so genannten Trojan-Room-Kaffeemaschine kontrolliert werden. Fast 30 Jahre später steht besagter Kaffeepot in einem Museum, doch Webcams gibt es fast überall. Auch wenn die Qualität der Bilder manchmal zu wünschen übrig lässt, bleiben sie beliebt. In Baden-Württemberg gibt es Webcams zu unterschiedlichen Zwecken. Sie machen aktuelle Bilder aus der Region aller Welt zugänglich.

Wetter- und Verkehrskameras: Über Verkehrskameras lässt sich das aktuelle Staugeschehen verfolgen. Gleichzeitig gewähren Wetterkameras einen Blick in den Himmel, vom Schwarzwald bis zur Schwäbischen Alb. Auch über den aktuellen Stand einschlägiger Baustellen kann man sich so informieren. Besonders beliebt sind Einblicke in die Baustellen des Projekts Stuttgart 21. Wie in  Freiburg, Mannheim oder Heidelberg gewährt zudem auch in Stuttgart eine Webcam den Blick auf zentrale Plätze oder die bekannte Sehenswürdigkeiten. In der Landeshauptstadt ist dies der Schlossplatz, wo der Marketingpartner der Stadt eine Kamera betreibt. In gestochen scharfen und sogar bewegten Live-Bildern zeigt die Kamera in einem Schwenk zudem die Königstraße, den Fernsehturm, das alte und das neue Schloss sowie den Rathaus- und Stiftskirchenturm. „Unsere Webcam vermittelt das Gefühl, online live in Stuttgart zu sein“, sagt Armin Dellnitz, Geschäftsführer von Stuttgart Marketing. Wegen seines hohen Wiedererkennungswerts habe man sich für diesen Ort entschieden. „Die Webcam ist für Stuttgarter und Touristen gemacht“, so Dellnitz. Rund 24 000 Menschen sehen sich pro Monat die Aufnahmen an.

Für Wintersportler gibt es in den acht Skigebieten des Skiliftverbunds Feldberg seit 1999 Webcams. Die insgesamt 27 Kameras werden teils vom Verbund selbst, teils von den örtlichen Gemeinden oder von Skihüttenwirten betrieben. „Wir wollen die aktuellen Bedingungen in den Skigebieten abbilden“, erklärt Anna-Lena Gamp von der Marketingleitung des Liftverbunds. „Die Leute schauen nach dem Wetter und können so spontan entscheiden, ob sie nach oben fahren.“

Dass sich zahlreiche Menschen auf diese Weise ein Bild von den Bedingungen in den Wintersportgebieten machen, zeigen die hohen Zugriffszahlen.  Im vergangenen Jahr haben mehr als 2,2 Millionen Menschen diesen Informationsweg genuzt.

Hochwasserschutz im Internet: Die Stadt Heidelberg hat noch einen ganz anderen Verwendungszweck. Dort kommt eine Webcam beim Hochwasserschutz zum Einsatz: Seit 2006 zeigt sie den Pegelstand des Neckars an der Alten Brücke. „Sobald der Pegel über einen Stand von 2,90 Meter steigt, wird unser Hochwasserbüro besetzt“, erklärt Bernd Ronge, der beim Abwasserzweckverband Heidelberg tätig ist. Das Bild der Kamera zeigt einen Pfeiler der Brücke, an dem sich der aktuelle Wasserstand gut ablesen lässt. Es gibt laut Ronge zwar noch eine weitere, nicht-öffentliche Kamera zur Pegelbeobachtung, trotzdem sei auch die Webcam an der Alten Brücke ein wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzes.

Dass die Aufnahmen für die Kommune einen Wert haben, scheint nicht jedem Zeitgenossen bewusst. Mancher fühlt sich  wegen öffentlicher Webcams möglicherweise in seiner Privatsphäre eingeschränkt. Zumindest deutet das Bernd Ronge so. Es sei schon mehrere Male vorgekommen, dass die Kamera nachts verstellt worden sei. „Da war offensichtlich jemand mit einer langen Stange oder Ähnlichem zugange. Ich musste dann eben mit der Leiter ran und sie wieder geraderücken.“

Wie ist der Einsatz von Webcams rechtlich geregelt?

Der Einsatz einer Webcam ist nach Angaben von Stefan Brink, Landesbeauftragter für Datenschutz, nur zulässig, wenn das Persönlichkeitsrecht zufällig gefilmter Personen geschützt ist. Personen und Kraftfahrzeuge sind deswegen oft nur schemenhaft erkennbar, Geschäfte nicht eindeutig zu identifizieren. Dafür sorgen Kameraposition, fehlende Zoom-Möglichkeit oder eine niedrige Bildauflösung.

Auf eine dauerhafte Bildübertragung sollte verzichtet und stattdessen Einzelbilder gezeigt werden. Der Zeitraum einer Bildaktualisierung sollte so gewählt sein, dass die Wetter- oder Verkehrslage gezeigt oder ein Baufortschritt dokumentiert wird, ohne dass ein Rückschluss auf Personen möglich ist. pw