München / Martin Weber Der mysteriöse Mord an einem Jungen wird zum außerordentlich beklemmenden Fall aus München.

Familie Schellenberg hat ein „Eidechsenproblem“, wie sie es nennt; die possierlichen Tierchen huschen überall durchs gepflegte Einfamilienhaus in Münchner Stadtrandlage. Da die Eidechse im Christentum ähnlich wie die Schlange die Sünde oder das Böse symbolisiert, ist klar, dass in dieser Villa etwas ganz und gar nicht stimmt. Was es genau ist, wird am Ende dieses außerordentlich beklemmenden Sonntagskrimis enthüllt, mit dem sich der „Tatort“ in eine lange Sommerpause verabschiedet.

Der in ein kaltes blaugraues Licht getauchte Film mit den beiden alten Haudegen Batic (Miro Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) dreht sich vordergründig um den Mord an einem Jungen, der offensichtlich zur falschen Zeit am falschen Ort war. In Wirklichkeit aber geht es um die unglaubliche und abstoßende Gefühlskälte, mit der die schreckliche Tat begangen wurde.

Der von einem tollen Schauspielensemble getragene „Tatort: Lass den Mond am Himmel stehn“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) ist eine Krimitragödie, die man nicht so leicht vergisst. Sie beginnt mit dem Albtraum aller Eltern: Der 13-jährige Emil ist spurlos verschwunden, und als am nächsten Tag die beiden Männer von der Mordkommission vor der Tür stehen, weiß seine Mutter Judith Kovac (klasse: Laura Tonke), dass ihre Welt aus den Fugen ist.

Tatsächlich bestätigen sich ihre schlimmsten Befürchtungen: Emil wurde erschlagen, seine Leiche in der Isar gefunden. Eine erste Spur führt zu einem Parkplatz vor den Toren der Stadt, der als Treffpunkt für anonymen Sex bekannt ist. Schon bald wird klar, dass die Familie mit dem „Eidechsenproblem“ in diesem aufwühlenden „Tatort“ etwas zu verbergen hat. Martin Weber