Von Gerd Höhler Pläne, die vielen Eilande in der Ägäis auf dem Luftweg zu verbinden, gibt es schon lange. Jetzt geht es mit dem Vorhaben voran. Von Gerd Höhler

Das „Inselhüpfen“ in der Ägäis und im ionischen Meer ist eine entschleunigte Form des Reisens, die viel Zeit verlangt. Wer die griechische Inselwelt per Fährschiff erkunden will, braucht Muße. Künftig könnte es für eilige Urlauber eine schnellere Alternative geben: Vom nächsten Sommer an sollen Wasserflugzeuge viele Inseln miteinander und mit dem Festland verbinden.

Die Überfahrt an Bord einer Fähre gehört für viele Griechenland-Fans zu einer Hellas-Reise einfach dazu. Während die Silhouetten der Inseln im Dunst eines Sommertages am Horizont vorbeiziehen, fährt man gemächlich seinem Ziel entgegen.

Über 3000 Inseln hat Griechenland, rund 165 davon sind bewohnt. Wohl kein Griechenland-Liebhaber dürfte es geschafft haben, sie alle zu besuchen. Viele kleinere Inseln werden von den Fährschiffen, wenn überhaupt, nur einmal in der Woche oder sogar noch seltener angefahren. Auch zwischen den größeren Inseln gibt es oft keine direkten Verbindungen, der Verkehr läuft über Piräus, den Hafen von Athen. Hier kommen nun die Wasserflugzeuge ins Spiel: Sie könnten kleine und abgelegene Inseln, die bisher schlecht erreichbar sind, ans Verkehrsnetz anschließen.

Zwei Gesellschaften, Greek Water Airports und Hellenic Seaplanes, wollen den Verkehr mit Wasserflugzeugen im kommenden Jahr aufnehmen. Sie planen den Einsatz von Modellen des Typs DHC-6 Twin Otter des kanadischen Herstellers Viking. Die zweimotorigen Flugzeuge, die auch im Inselverkehr auf den Malediven und Seychellen eingesetzt werden, können 18 Passagiere befördern. Die Wasserflugzeuge fliegen in geringerer Höhe, weil sie keine Druckkabine haben. Das verspricht grandiose Aussichten auf die griechische Inselwelt und ein hautnahes Flugerlebnis.

Ausgewiesene „Landepisten“

Zunächst sind Routen zwischen dem westgriechischen Festland und den ionischen Inseln geplant. Bei der Hafenstadt Patras sowie auf den Inseln Korfu und Paxi gibt es bereits ausgewiesene und genehmigte „Landepisten“ für Wasserflugzeuge. Weitere vier Wasserflughäfen in Thessaloniki, auf der Insel Ios, bei Heraklion auf Kreta und in der Hafenstadt Pylos an der Westküste des Peloponnes befinden sich im Genehmigungsverfahren.

Die Überlegungen für den Einsatz von Wasserflugzeugen im Verkehr zwischen den Inseln gehen zurück bis ins Jahr 2004. Aber 15 Jahre lang tat sich erst einmal fast nichts. Die Pläne versandeten stets im Dickicht der griechischen Bürokratie; das Vorhaben ging nicht voran. Es gab keine gesetzlichen Regelungen, und lange war unklar, wer überhaupt für die Genehmigungen der Wasserflughäfen und des Flugbetriebes zuständig ist. Auch mächtige Interessengruppen taten alles, um die Pläne zu durchkreuzen: Weder die Fährschiff-Reeder, noch die etablierten Fluggesellschaften sind an Konkurrenz interessiert.

Die neue, seit Anfang Juli amtierende konservative Regierung steht den Wasserflugzeug-Plänen aufgeschlossener gegenüber. Bei einem Treffen mit Vertretern der interessierten Firmen versprach jetzt Entwicklungsminister Adonis Georgiadis, die bürokratischen Hindernisse auszuräumen und die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.