Ulm / Kathrin Konyen Cannabis spielt aktuell auf dem Gesundheitsmarkt eine große Rolle. Wie es wirkt, wo es helfen kann und was der Gesetzgeber erlaubt. Von Kathrin Konyen

Cannabis ist voll im Trend. In Anzeigen, Artikeln und Internetforen wird die heilsame Wirkung der jahrtausendealten Hanfpflanze angepriesen. Die Bandbreite der Beschwerden, bei denen Cannabis helfen soll, ist dabei riesig. Aber ist das überhaupt legal? Und wird man von diesen Cannabispräparaten nicht high?

Schaut man sich die Wirkweise von Cannabis an, müssen zunächst zwei Inhaltsstoffe unterschieden werden: Auf der einen Seite enthält die Cannabis-Pflanze den Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol), der vor allem in den Blüten des Hanfs vorkommt und Cannabis zur berauschenden Droge macht; auf der anderen Seite enthält sie auch das nicht psychoaktive CBD (Cannabidiol). THC und CBD sind dabei nur zwei von mehr als hundert Cannabinoiden. Die Wirkung der anderen ist deutlich schwächer ausgeprägt und auch kaum erforscht.

Seit März 2017 sind in Deutschland THC-basierte Arzneimittel erlaubt. Zugelassen sind etwa 30 verschiedene Präparate. Sie können ausschließlich ärztlich verschrieben werden und die Cannabistherapie muss von der Krankenkasse genehmigt werden. Für den Antrag muss darlegt werden, dass es sich um eine „schwerwiegende Erkrankung“ handelt, es „keine alternative Behandlungsmöglichkeit“ gibt, dafür aber eine „nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbar positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome“. Die Hürde, Cannabis zu verschreiben, wird nochmal erhöht, weil der Arzt zudem verpflichtet ist, Daten zur Therapie zu sammeln. Damit hat Deutschland europaweit eine der strengsten Regelungen.

Cannabis-Medikamente werden fast ausschließlich verordnet, um Symptome zu lindern, nicht um eine Krankheit zu heilen. „In palliativen Situationen können wir da häufig mit einer Klatsche mehrere Fliegen erwischen“, berichtet Sven Gottschling von seinen Erfahrungen als Chefarzt am Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie in Homburg/Saar. Am weitesten verbreitet und am besten mit Studien belegt ist demnach die schmerzlindernde Wirkung von THC-haltigem Cannabis. Doch Gottschling schränkt ein: „Cannabinoide sind keine guten Akutschmerz-Medikamente.“ Es helfe vor allem bei chronischen Schmerzen, insbesondere, wenn sie von geschädigten Nerven oder Tumoren ausgehen. Auch bei Kräfteverlust (Kachexie) und Spastiken konnten Therapierfolge mit Cannabis erzielt werden. Oft werden die zu behandelnden Symptome als Nebenwirkung von anderen Medikamenten ausgelöst: Auch Appetitmangel, Übelkeit und Erbrechen können mit THC-Arznei gelindert werden.

Dabei ist die Einnahme von THC-haltigen Medikamenten nicht nur mit positiv wahrgenommenen Wirkungen verbunden. Ob und wie stark Nebenwirkungen bei der THC-Therapie auftreten, hängt von der Dosis ab. Häufig verschwinden die Nebenwirkungen nach ein paar Tagen auch wieder.

Der Grund, warum Cannabis so vielseitig helfen kann, ist, dass der menschliche Körper über das Endocannabinoid-System als Teil des Nervensystems verfügt: Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip kann der Körper über Rezeptoren Cannabinoide andocken und ihre Wirkung entfalten lassen. Diese Rezeptoren sind im ganzen Körper verteilt, besonders viele davon gibt es im Gehirn. Die Wirkweise von CBD unterscheidet sich dabei von der des THC: Die Moleküle des CBD docken nicht direkt an den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems an, sondern beeinflussen dieses indirekt.

Im medizinischen Bereich werden CBD-Medikamente vor allem bei bestimmten Formen von Epilepsie, aber auch bei chronischen Schmerzen, entzündlichen Krankheiten des Nervensystems, Angstzuständen, Psychosen oder Schizophrenie angewandt. Im Gegensatz zum THC wirkt CBD entspannend und beruhigend, ohne zu berauschen.

Große Unsicherheit

Zwar gibt es verschreibungsfähige Medikamente, die auch CBD enthalten, das Cannabis-Gesetz von 2017 umfasst aber nur Arzneien mit THC – reines CBD fällt nicht darunter. Während THC also ausschließlich dann legal ist, wenn es ärztlich verordnet ist, gibt es beim Wirkstoff CBD Unterscheidungen: CBD ist nämlich auch in Lebensmitteln und Kosmetika enthalten. Grundsätzlich gilt hier, dass der THC-Gehalt der Produkte wie beim Nutzhanf nicht mehr als 0,2 Prozent betragen darf und dass „ein Missbrauch zu Rauschzwecken ausgeschlossen werden kann“. Wegen der Missbrauchsgefahr sind zum Beispiel Produkte wie Tee oder Duftkissen aus getrockneten und zerkleinerten Nutzhanfpflanzen in Deutschland nicht erlaubt.

Darüber, ob CBD in Form von Ölen, Extrakten, Kapseln oder als Kristalle legal verkauft werden kann, herrscht aufgrund einer EU-Verordnung große Unsicherheit. „Wir raten vom Kauf solcher Produkte ab“, sagt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW. Sie begründet: „Die Sicherheit von Cannabidiol als Zutat ist nicht hinreichend belegt.“

Völlig ohne rechtliches Risiko sind dagegen Produkte, die aus Hanfsamen hergestellt werden, also zum Beispiel Salatöl, Mehl, Getränke oder Süßigkeiten – der Anteil an CBD ist hier auch entsprechend gering, eine gesundheitliche Wirkung höchstens aufgrund der enthaltenen ungesättigten Fettsäuren vorhanden.

Auch dürfen CBD-basierte Produkte nicht als Medizin beworben werden – viele Hersteller umgehen dieses Verbot, indem sie ihre Produkte über Apotheken verkaufen und so den Eindruck eines Heilmittels vermitteln. Die Präparate, die in Zeitschriften beworben werden, enthalten also niemals THC.

So wirkt das Cannabinoid THC