Duisburg (epd) / epd Vor zehn Jahren endet das fröhliche Techno-Festival in einer Katastrophe mit 21 Toten: Der Erinnerungstag fällt überschaubar aus. Von Michael Bosse

Am ersten Jahrestag des Loveparade-Unglücks versammelten sich 2011 in Duisburg rund 7000 Menschen, in der Trauerfeier sprach die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) eine Fürbitte. Zum zehnten Jahrestag der Katastrophe am kommenden Freitag fällt das Programm deutlich kleiner aus. Das liegt an den Auflagen der Corona-Schutzverordnung, aber auch daran, dass das tragische Ereignis mit 21 Toten und rund 650 Verletzten aus der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwunden ist. Auch die Stadt will den Jahrestag in kleinerem Rahmen begehen.

Verständnis für diese Haltung hat der städtische Ansprechpartner für die Betroffenen des Loveparade-Unglücks, Pfarrer Jürgen Widera. Der Rahmen für das Gedenken sei schon in den vergangenen Jahren kleiner geworden, sagt der evangelische Theologe.

Nach dem Ende des Strafverfahrens gegen die letzten Angeklagten Ende Mai markiere der runde Gedenktag in diesem Jahr das „Ende eines Prozesses“, betont der ehrenamtlich tätige Ombudsmann für Opfer und Angehörige. Viele Betroffene hätten signalisiert, nicht mehr jedes Jahr zu kommen.

Die juristische Aufarbeitung des Unglücks vom 24. Juli 2010, eines der aufwändigsten Verfahren der Nachkriegszeit, endete nach 184 Sitzungstagen – für die meisten Beteiligten unbefriedigend – ohne Urteil. Als Ursachen der folgenschweren Massenpanik wurden Planungsfehler und kollektives Versagen am Veranstaltungstag festgestellt, eine etwaige Schuld der verbliebenen drei Angeklagten sei allenfalls gering.

Schon vorab war die Duisburger Loveparade umstritten, nachdem die Stadt Bochum die im Vorjahr geplante Rave-Feier aus Sicherheitsgründen abgesagt hatte. Nach dem Unglück im Juli 2010 wurde kritisiert, Warnungen vor der Veranstaltung auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs in Duisburg seien ignoriert worden.

Vor allem der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und der Chef des Veranstalters Lopavent, Rainer Schaller, wurden hart angegangen. Angeklagt wurden sie in dem 2017 begonnenen Strafprozess gegen zehn Beschuldigte allerdings nicht.

Das offizielle Gedenkprogramm sieht für Donnerstagabend eine Andacht in der Salvatorkirche und eine „Nacht der 1000 Lichter“ im Karl-Lehr-Tunnel vor. Zur öffentlichen Gedenkveranstaltung am Freitagnachmittag auf der Wiese vor dem Tunnel sind maximal 100 Menschen zugelassen, zuvor findet ein stilles Gedenken der Opferfamilien an der Unglücksstelle statt.

Wegen der Corona-Pandemie und entsprechender Reisebeschränkungen können von den sechs ausländischen Familien, die vor zehn Jahren ihre Kinder bei dem Unglück verloren und bislang jedes Jahr nach Duisburg reisten, lediglich zwei kommen – eine aus den Niederlanden und eine aus Spanien.

Für Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) ist der 24. Juli 2010 „auch mit dem zeitlichen Abstand von zehn Jahren noch immer eine tragische und zugleich bedrückende Erinnerung“. Gleichwohl nehme er wahr, dass „es inzwischen vielen gelingt, nach vorne zu schauen“, sagte er. „Vor allem den Angehörigen der Opfer der Loveparade und allen anderen Beteiligten wünsche ich bei diesem Prozess von ganzem Herzen weiterhin viel Mut und Kraft.“

Finanzielle Unterstützung steht auf jeden Fall bereit: Als Hilfe für die Betroffenen und Angehörigen der Opferfamilien beschloss das Land Nordrhein-Westfalen Ende Juni, den Hilfsfonds für die Opfer der Loveparade-Katastrophe um weitere fünf Millionen Euro aufzustocken. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte an, die Mittel würden „sehr schnell denen zugute kommen, die Leid erlitten haben“. epd

Ex-OB: „Ich habe die Loveparade nie gewollt“

Der nach dem Loveparade-Unglück abgewählte Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sieht auch rückblickend keinen Anlass für einen Rücktritt aus politischer Verantwortung. „Man muss die moralische Verantwortung übernehmen, wenn man in verantwortlicher Art und Weise Schuld an diesem Unglück hat. Und die habe ich nicht. Ich habe die Loveparade nie gewollt“, sagte der 65-Jährige in einem Interview der „Rheinischen Post“. 

Viele sahen nach der Katastrophe in Sauerland einen Mitverantwortlichen. Zeitweise erhielt er Morddrohungen. 2012 wählten ihn die Duisburger in einem Bürgerbegehren ab.