dpa Die Polizei glaubt, den Mann gefunden zu haben, der Maddie getötet hat. Doch es gibt keine Beweise und keine Leiche. Von Silvia Kusidlo und Emilio Rappold

Es sollte ein Traumurlaub an der Algarve werden und endete in einem Albtraum: Maddie, die vor 13 Jahren spurlos aus einer Ferienanlage in Portugal verschwand, ist deutschen Ermittlern zufolge nicht mehr am Leben. Polizisten aus verschiedenen Ländern versuchten, den mysteriösen Fall um das kleine britische Mädchen jahrelang zu lösen – vergeblich. Nun könnte er vor der Aufklärung stehen: Der Täter soll ein Deutscher sein, der in Kiel hinter Gittern sitzt. Viele Spuren deuten darauf hin. Aber: Es gibt keine Zeugen und keine Leiche.

„Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, um Frieden finden zu können“, teilten die Eltern mit. „Alles, was wir je wollten, ist sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“ Kate und Gerry McCann halten ihrem Sprecher zufolge die jüngsten Ergebnisse für die womöglich „wichtigste Entwicklung in 13 Jahren“.

Der 43-jährige Verdächtige ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft. Er lebte im Zeitraum des Verschwindens an der portugiesischen Algarve. Telefonate, Bewegungsmuster, kriminelle Vergangenheit: Einiges deutet darauf hin, dass er der lange gesuchte Täter sein könnte. Die Ermittler suchen nun nach weiteren Hinweisen aus der Bevölkerung. Der britischen Polizei zufolge soll er etwa 1,80 Meter groß sein und zur Tatzeit kurze, blonde Haare gehabt haben.

Ein merkwürdiger Typ

Wer den Verdächtigen kennt, beschreibt ihn als merkwürdigen Typen. „Er war immer ein bisschen wütend, ist die Straße schnell hoch- und runtergefahren und eines Tages, so um 2006, verschwand er ohne ein Wort“, berichtete eine Ex-Nachbarin aus Portugal dem britischen Sender Sky News. Sie half demnach beim Aufräumen der verlassenen Unterkunft. „Es war eklig“, sagte die Frau. Überall hätten kaputte Sachen wie Computer herumgelegen. In einem Müllbeutel seien Perücken und seltsame Kleidungsstücke – vielleicht für Kostümierungen – gewesen.

Maddie verschwand kurz vor ihrem vierten Geburtstag am 3. Mai 2007 aus der Appartementanlage in portugiesischen Praia da Luz. Zeitweise waren die Eltern sogar selbst ins Visier der Ermittler geraten. Medien berichteten damals, die Polizei gehe von einem Unglücksfall aus – die Eltern hätten die Leiche verschwinden lassen.

Mutter und Vater hatten in einem Restaurant mit Bekannten gegessen, das ganz in der Nähe ihrer Unterkunft lag. Regelmäßig hatten sie nach Maddie und ihren beiden Geschwistern geschaut – bis die Mutter plötzlich entsetzt feststellte: Maddies Bett war leer. Vermutlich konnte der Täter durch die offene Terrassentür eindringen.

Skepsis in Portugal groß

In Portugal wurden die Nachrichten aus Deutschland mit viel Skepsis aufgenommen. „Ohne die Leiche der kleinen Maddie und ohne Geständnis wird es wahrscheinlich sehr schwer sein, in einem Prozess die nötigen Beweise zu erbringen“, sagte die Anwältin Sofía Matos im portugiesischen Fernsehen.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist der Auffassung, dass Maddie tot ist. Die britischen Behörden gehen noch von einem Vermisstenfall aus. Maddies Eltern wollen erst einmal keine Stellungnahmen mehr abgeben. „Sie wollen, dass sich nun alles auf die Ermittlungen konzentriert“, sagt ihr Sprecher Clarence Mitchell. dpa

Kurz vor möglicher Freilassung auf Bewährung

Der Tatverdächtige im Fall „Maddie“ hat in Kiel eine aktuelle Haftstrafe fast zu zwei Dritteln verbüßt und stand damit kurz vor der Entscheidung über eine mögliche Freilassung auf Bewährung. Bei den Strafrichtern der Leipziger BGH-Außenstelle ist zudem die Revision des 43-Jährigen in einem anderen Strafverfahren anhängig. Dabei geht es um die Vergewaltigung einer damals 72-jährigen US-Amerikanerin in Portugal im Jahr 2005.

Das Landgericht Braunschweig hatte ihn am 16. Dezember unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Derzeit sitzt der Mann eine alte Haftstrafe ab, die das Amtsgericht Niebüll bereits 2011 gegen ihn verhängt hatte. Dabei ging es um Handel mit Betäubungsmitteln. Parallel ist wegen der Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet.