Rom / Elisabeth Zoll Vertragsarbeiter sind gefährdet. Ihre Körper sind durch die harte Arbeit in Schlachtereien oftmals ausgezehrt.

„Solch eine Schinderei macht auch ein junger Körper nicht mit.“ Florian Kossen, Internist im niedersächsischen Goldenstedt, kennt sich aus mit auffälligen Krankheitsbildern. Und Werkvertragsarbeiter aus Osteuropa, die in seine Praxis kommen, zeigen Auffälligkeiten: Erschöpfung und körperliche Anstrengung sind ihnen ins Gesicht geschrieben, ihr Immunsystem ist geschwächt, Glieder von körperlicher Ausbeutung malträtiert.

„Wer täglich zwölf Stunden körperlich schwer arbeitet und das sechs Tage die Woche, hat oft keine Abwehrkräfte mehr“, sagt Kossen. Überlastungsbeschwerden von monotoner Zerlegearbeit wie geschundene Schultern und Arme sind das eine, ein angegriffener Gesamtzustand das andere. Das mache die Arbeiter aus Osteuropa zu einer besonders gefährdeten Risikogruppe. Das Virus hat bei ihnen leichtes Spiel.

Von den 6140 getesteten Tönnies-Mitarbeitern sind 1553 mit dem Corona-Virus infiziert. Dass sich der Erreger vor allem unter den Mitarbeitern aus Rumänien, Polen und Bulgarien massiv verbreiten konnte, hat auch mit den Wohnverhältnissen zu tun. Viele Werkvertragsarbeiter hausen auf engstem Raum, teilen sich Mini-Zimmer zu zweit oder zu dritt. Nicht wenige Unterkünfte sind abbruchreif. Schimmelbeläge zieren schlecht belüftete Räume. Von Erholung nach den langen Arbeitsschichten könne da keine Rede sein, betont Kossen.

Auch andere sind alarmiert. Der Reichtum Tönnies beruhe „auf maximaler Ausbeutung“, sagt Völker Brüggenjürgen, Caritas-Vorstand im Kreis Gütersloh. „Das System der Werkverträge bringt Elend über die Menschen“. Manche Arbeiter hielten die Strapazen nur Monate oder wenige Jahre aus. Dann steht die Ablösung schon bereit. Armut und Perspektivlosigkeit in den Dörfern Südosteuropas halten bisher das Ausbeutungssystem in den Fleischbetrieben am Laufen. Elisabeth Zoll