Peter De Thier Die Vorwürfe gegen den US-Investmentbanker Jeffrey Epstein wiegen schwer und beschäftigen die Nation – bis hin zum Präsidenten. Von Peter DeThier

Der Skandal um einen schwerreichen US-Investmentbanker, der nach Ansicht der meisten Rechtsexperten schon längst hinter Gittern sitzen müsste, zieht Amerika in seinen Bann. Der Fall hat zudem eine skurrile politische Komponente, die US-Präsident Trump noch unangenehm werden könnte.

    Schon vor elf Jahren wurde Jeffrey Epstein (66) in ein Register für vorbestrafte Sexualtäter eingetragen, weil er seinen Klienten minderjährige Prostituierte vermittelt hatte. Nun wird dem Multimillionär vorgeworfen, junge Mädchen selbst belästigt und teilweise sogar vergewaltigt zu haben.

    Passagen aus der Klageschrift lesen sich wie das Drehbuch zu einem Kriminalfilm. In seinem Privatjet mit dem bezeichnenden Namen „Lolita Express“ flog Epstein mit Präsidenten wie Bill Clinton, Hollywood Stars und Prinzen durch die Welt. Sie besuchten seine zahlreichen Villen in Manhattan, Palm Beach oder auf Epsteins privater Insel in der Karibik. Immer waren junge Mädchen dabei, viele von ihnen nur 14 oder 15 Jahre alt.

    In seinem schmucken, siebenstöckigen Reihenhaus in New Yorks „Upper East Side“ und dem Ferienhaus in Florida soll der Angeklagte den Minderjährigen ein paar hundert Dollar für eine „Massage“ angeboten haben. Angeheuert hatte er junge Frauen, um die Mädchen zu rekrutieren. „Das ist ein guter Typ, der kann dir helfen“ sagten sie den arglosen Teenagern, von denen viele auf der Straße lebten.

    Unbequem wurde es dann, als der Banker sich mit den Mädchen zurückzog und nackt auf einem Massagetisch lag. Während der Massage berührte er sie und soll viele gegen deren Willen zum Geschlechtsverkehr genötigt haben. 

    Nach einem Urlaub in Frankreich wurde Epstein beim Verlassen seiner Boeing 727 im US-Staat New Jersey festgenommen. Konkret wirft ihm die Bundesstaatsanwaltschaft vor, von 2002 bis 2005 Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung betrieben zu haben. Bei einer Razzia in Epsteins 77 Millionen Dollar teurem New Yorker Anwesen entdeckte die Polizei später mehrere hundert Fotos und CDs nackter Mädchen, viele von ihnen minderjährig.

    Der Finanzier bekannte sich zwar nicht schuldig und bestand auf seiner Freilassung. Anders aber sieht es der Staatsanwalt Geoffrey Berman, der Epstein als „ernsthafte Fluchtgefahr“ beschrieb. Bis zum Prozessbeginn soll er jedenfalls hinter Gittern bleiben und könnte im Fall eines Schuldspruchs zu einer 45-jährigen Haftstrafe verurteilt werden.

Politisch ist der Skandal wegen der Rolle von Trumps Arbeitsminister Alexander Acosta relevant. Der war 2008 der zuständige Staatsanwalt in Florida und handelte mit Epsteins Anwälten einen Vergleich aus, der zu einer nur 13-monatigen Haftstrafe führte. Acosta behauptet, dass Epstein ohne ihn damals auf freiem Fuß geblieben wäre. Das wiederum bestreiten Anwälte, die damals den Fall bearbeiteten, energisch.

    Auch Donald Trump, damals ein Nachbar und Freund des Finanziers, der vor Jahren in einem Interview Epstein einen „fantastischen Typen nannte“, der ebenso wie er eine Vorliebe für Frauen „der jüngeren Sorte“ habe, stellte sich hinter seinen Minister. Demokraten hingegen fordern Acostas Rücktritt.

Erfolg für „Me Too“-Bewegung

Die Anklage gegen den Finanzier Jeffrey Epstein, dem vorgeworfen wird, minderjährige Mädchen vergewaltigt zu haben, ist ein bedeutender Erfolg für die „Me Too“-Bewegung. Deren Vertreter hatten energisch darauf gedrängt, dass alte Anschuldigungen gegen den Multimillionär nicht begraben, sondern vielmehr Gegenstand neuer Ermittlungen werden.

Eine wichtige Rolle spielte auch eine Reportage in der Tageszeitung Miami Herald. Demnach behaupten nicht weniger als 80 Frauen, dass Epstein sie belästigt oder vergewaltigt habe. Die Geschichte trat eine Welle der Empörung darüber los, dass der Multimillionär vor elf Jahren nach ähnlichen Vorwüfen nur eine kurze Hafstrafe absitzen musste und tagsüber sogar auf freiem Fuß blieb und in sein Büro gehen konnte. dth