Spötter könnten / eb Die Großaktionäre stocken ihre Anteile zunehmend auf. Das heizt die Übernahme-gerüchte weiter an.

sagen, dass das Geschehen hinter den Kulissen von ProSiebenSat.1 aufregender ist als das TV-Programm der Sendergruppe. In jedem Fall liefert ProSiebenSat.1 seit vielen Monaten beste Schlagzeilen: ein plötzlicher Chefwechsel, Gewinnwarnung, Dividendenkürzung und als besonderes Spannungselement eine lange Liste von Großaktionären mit undurchsichtigen Absichten.

Profitieren könnten von dieser Mischung am Ende aber tatsächlich die Kleinaktionäre. Das Kerngeschäft des Medienkonzerns bleibt allerdings vorerst schwierig. Aufgrund des Wirtschaftseinbruchs im Zuge des zur Pandemiebekämpfung verhängten Lockdowns haben viele Werbekunden ihre Budgets gekürzt. Im April und Mai seien die TV-Werbeeinnahmen um rund 40 Prozent eingebrochen, sagte der neue Konzernchef Rainer Beaujean am Rand der virtuellen Hauptversammlung am 10. Juni. Und: „Für Juni erwarten wir jetzt auch keine dramatische Besserung.“ Die Finanzprognose für das laufende Jahr hat ProSiebenSat.1 bereits zurückgezogen, die Dividende für das vergangene Jahr wurde gestrichen.

Langfristig kämpft der Konzern mit dem strukturellen Wandel des TV-Markts: Streamingdienste wie Netflix, Sky oder Disney+ und die Videoplattform Youtube sind zu einer mächtigen Konkurrenz für traditionelle TV-Sender geworden. Beaujean
will die Sendergruppe deshalb wieder stärker auf lokale und Liveformate fokussieren. Das biete die wohl beste Chance, sich von der Konkurrenz nachhaltig abzugrenzen.

Hinter den Kulissen

Besondere Brisanz birgt die Aktionärsstruktur des im M-Dax notierten Konzerns: Mehrere Parteien haben sich größere Pakete gesichert. Der prominenteste Name ist Italiens Medienmogul, der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der inklusive Derivaten auf mehr als 24 Prozent kommt. Der tschechische Investor Daniel Kretinsky hat seinen Anteil laut Reuters in den vergangenen Monaten auf mehr als zwölf Prozent aufgestockt; und die Beteiligungsgesellschaft KKR hat ebenfalls leicht erhöht, liegt aber noch unter der Bafin-Meldeschwelle von fünf Prozent.

Während Kretinsky wohl auf Kursgewinne setzt, haben die beiden anderen strategische Interessen: Berlusconi will ProSiebenSat.1 in seine europäische Mediengruppe einbinden. KKR ist unter anderem Großaktionär beim Berliner Verlag Axel Springer. Denkbar wäre auch, dass Berlusconi und KKR gemeinsam eine Mehrheit anstreben und ProSiebenSat.1 zerlegen. Für Spannung ist also weiterhin gesorgt.