Ulm / Von Diana Prutzer Die Corona-Beschränkungen wirken sich auch auf TV-Produktionen aus. Doch die meisten Formate werden gedreht – unter neuen Bedingungen. Von Diana Prutzer

Gesprächspartner unterhalten sich über zwei Meter Entfernung, nach dem gelungenen Witz von Oliver Welke in der „heute-show“ hört man kein Lachen mehr und der Zwischenapplaus für den wortgewaltigen Spruch bei Markus Lanz bleibt aus. All das gehört seit längerem zur neuen Realität im Fernsehen. Denn die Corona-Beschränkungen hinterlassen auch bei TV-Produktionen ihre Spuren.

Gedreht wird mit Einschränkungen trotzdem, denn lange vorproduziert wird bei den meisten Sendungen nicht. „Wir haben keine Shows auf Halde“, sagt etwa Bernhard Möllmann, Pressesprecher für „Das Erste“. Bei den TV-Produktionen gelten derzeit strenge Hygieneregeln.

„Nur wer vor der Kamera steht, ist von der Maskenpflicht vorübergehend befreit“, sagt der Sprecher. Für den Rest des Drehteams gelte sie, ebenso ein Sicherheitsabstand. Zwischen den Arbeitsplätzen in Regie, Schnitt und Ton befinden sich bei den Sendern sogar Trennwände aus Plexiglas, um die Vorschriften einzuhalten.

Um Ansteckungen zu verhinder, helfen auch andere Maßnahmen: „Maskenbildner und Friseure tragen Handschuhe und Mundschutz. Maske und Styling beruhen auf Freiwilligkeit, alle Beteiligten dürfen sich auch selbst schminken“, erklärt Claus Richter, Sprecher von RTL.

Beim ZDF arbeiten Moderatoren vor dem Dreh in abgetrennten Bereichen, im Studio nutzen sie größtenteils Hand- oder Tischmikrofone, zuvor desinfizierte Ansteckmikrofone legen sie sich selbst an. Bei Umfragen auf der Straße sind Mikrofone mit angebrachter Plastikabdeckungen mittlerweile ein oft gesehenes Bild: „Am Schaumstoff des Mikrofons würden die Viren eher haften bleiben“, erklärt ARD-Sprecher Möllmann.

Werden Talksendungen produziert, ist die Anzahl der Personen im Studio auf ein Minimum beschränkt. Ob wegen fehlender Zuschauer Lachen und Klatschen vom Band eingesetzt wird, wird individuell entschieden. „Die meisten Redaktionen entscheiden sich dagegen“, sagt Möllmann.

Während Talk-Runden und Quizsendungen ohne Publikum fortgeführt werden, wäge das ZDF bei anderen Formaten ab, inwiefern das funktioniert. Wie Showchef Oliver Heidemann mitteilt, habe sich der Sender bei einigen Formaten bereits entschieden, sie ins nächste Jahr zu verschieben. Denn ohne Saalpublikum würden sie ihren „Kern“ verlieren. Das gilt zum Beispiel für eine Sonderausgabe von „Wetten, dass..?“. Die unmittelbare Reaktion der Zuschauer, der Applaus und die Stimmung im Studio seien für Unterhaltungsshows schließlich essentiell.

Mit Ausfällen der TV-Produktionen müssen Zuschauer aber nur selten rechnen: „Wir arbeiten gemeinsam mit den Sendern intensiv daran, dass die Shows bestmöglich unter Einhaltung aller Maßnahmen umgesetzt werden können“, sagt eine Sprecherin der Ufa Show & Factual.

Das Filmunternehmen produziert Fernsehsendungen wie „Sag die Wahrheit“ und „Deutschland sucht den Superstar“. Gerade wird an einem Publikums-Konzept für eine Dating-Show auf RTL gearbeitet: Der Start ist im August und der Sender plant in einigen Wochen wieder mit Publikum im Studio zu drehen. Gleiches gilt auch für Oliver Pochers Late-Night-Show. Am 2. Juli waren erstmals wieder Studiogäste zugelassen, teilt der Sender RTL mit. Er weiß sich zu helfen: Statt im Ausland zu drehen, habe man für „Das Sommerhaus der Stars“ eine Location in Deutschland gefunden. Anders bei der „Bachelorette“: „Da wollen wir in Griechenland produzieren und glauben auch, dass wir das hinbekommen“, sagt RTL-Sprecher Richter.

In den vergangenen Wochen habe sich gezeigt, dass die Zuschauer auch Produktionen unter Corona-Bedingungen honorieren, wie die Sprecherin der Ufa sagt. „Sie sind dankbar für eine gewisse Normalität.“ Gerade jetzt biete die Unterhaltung im Fernsehen Ablenkung.

Wie jetzt fürs Fernsehen produziert wird

Dreharbeiten Damit in Coronazeiten die Hygieneregeln eingehalten werden, wurden einzelne Szenen umgeschrieben. Teilweise müssen Schauspieler beim Wechsel einer Produktion vorübergehend in Quarantäne.

Start trotz Corona Im Ersten wurden bei Serien wie „Sturm der Liebe“ wieder neue Folgen gedreht. Auch für ZDF-Filme und Serien wurden viele Dreharbeiten im Juni aufgenommen. Beim Privatsender RTL kann es, je nach Genre, noch vereinzelt Produktionen im Programm geben, die vor März entstanden. Große Shows wie „Das Supertalent“ werden produziert.