dpa/afp Die Anwendung soll das Infektionsrisiko reduzieren helfen. Doch wegen technischer Probleme könnten zahlreiche Nutzer nicht oder spät informiert worden sein.

Nach Bekanntwerden von Problemen im Zusammenhang mit einer Funktion der Corona-Warn-App steht die Kommunikation des Bundesgesundheitsministeriums in der Kritik. „Es ist schon grob fahrlässig, dass das Gesundheitsministerium offenbar verschwiegen hat, dass die Warnung bei verschiedenen Geräten längere Zeit nicht erfolgte“, sagte FDP-Fraktionsvize Frank Sitta am Freitag. Der digitalpolitische Sprecher der SPD, Jens Zimmermann, forderte im „Handelsblatt“ schnelle Aufklärung durch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge hatte die App auf Millionen Android-Smartphones wochenlang nur schlecht oder gar nicht funktioniert. Nutzer seien im Zweifel nicht oder zu spät gewarnt worden, hieß es, da sich die Anwendung im Hintergrund nicht immer automatisch aktualisiert habe. Das Gesundheitsministerium entgegnete, die App habe „zu jeder Zeit funktioniert“.

„Bestimmte Android-Geräte verhindern, dass Apps dauerhaft im Hintergrund laufen“, erklärte das Ministerium am Freitag. Die Gerätehersteller hätten dies für alle Apps so eingestellt, um Akku zu sparen. Doch auch ohne diese Hintergrundaktualisierung tausche die Corona-Warnapp anonyme Codes mit anderen Smartphones in der Nähe aus. Alle gespeicherten Codes würden mit dem Server abgeglichen. Bei den Geräten der betroffenen Hersteller geschehe dies jedoch nur, wenn die App geöffnet werde.

Mit der am Donnerstag erschienenen Version 1.1.1. sei das Problem behoben worden, hieß es weiter. Die neue Funktion „Priorisierte Hintergrundaktivitä“„ lasse sich nach dem Update aktivieren. Damit seien die Restriktionen der Hersteller für die Warnapp aufgehoben. Das Problem sei bekannt und auch Thema in den Fragen-und-Antworten (FAQ) der App.

Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Außerdem kann sie dazu beitragen, dass Menschen nach einem Coronavirus-Test möglichst schnell ihr Testergebnis digital erhalten und über die App anonym mögliche Kontaktpersonen warnen können, wenn diese auch die App installiert haben. Mittlerweile wurde die App 16,2 Millionen Mal heruntergeladen.

Funktionsfähigkeit sicherstellen

Die App sei ein Prototyp, gab der Virologe Alexander Kekulé im Bayerischen Rundfunk zu bedenken. Für die nächste Pandemie werde sie „ganz toll“ sein, weil sie dann funktioniere. Im Moment helfe die App wenig, weil sie den Gesundheitsbehörden mehr Arbeit mache.

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz in der „Bild“: „Auch weil sich so viele Bürgerinnen und Bürger auf die App verlassen, muss die volle Funktionsfähigkeit stets sichergestellt sein – da darf es keine großen Lücken geben.“ Die digitalpolitische Sprecherin der AfD, Joana Cotar, forderte die Bundesregierung auf, die App abzuschalten. dpa/afp

Was Handy-Nutzer nun überprüfen sollten

Damit Nutzer schnell feststellen können, ob sie betroffen sind oder nicht, ist in der aktuellen Version der Corona-Warn-App (Version 1.1.1 vom 20. Juli) eine Verknüpfung in die Geräte-Einstellungen hinein samt Prüfung zu finden. Dazu tippt man oben rechts in der App auf die drei senkrecht untereinander angeordneten Punkte und wählt „Einstellungen“. Unter „Priorisierte Hintergrundaktivität“ sieht man, ob die Funktion „An“ oder „Aus“ ist. Ist sie aktiviert, muss man nichts weiter tun.

Sollte sie nicht aktiviert sein, tippt man auf „Priorisierte Hintergrundaktivität“. Es öffnet sich nun ein neues Fenster, in dem man den Schiebregler auf die „An“-Position zieht. Kurz darauf fragt Android in einem kleinen Pop-up-Fenster: „Soll die App immer im Hintergrund ausgeführt werden?“ Das muss mit einem Tipp auf „Zulassen“ bestätigt werden.

Für den Fall, dass eine veraltete App-Version installiert ist, öffnet man den Google Play Store und tippt auf das Symbol mit den drei waagerecht untereinander angeordneten Strichen oben links im Eingabefeld. Danach wählt man „Meine Apps und Spiele/Installiert“ und tippt auf „Aktualisieren“ hinter dem Eintrag. dpa