kna Ermittler finden in der Kathedrale von Nantes drei Brandherde. Das Feuer zerstört wichtige Kulturschätze. Ein erster Verdächtiger wurde aus dem Gewahrsam entlassen.

Nach dem Brand in der Kathedrale von Nantes hat die französische Polizei einen zunächst festgenommenen Mann wieder entlassen. Es gebe keine weitere Strafverfolgung gegen den 39-Jährigen, sagte der Staatsanwalt der Lokalzeitung „Presse Océan“. Demnach gab es keine Verbindung zwischen ihm und dem Feuer. Derweil zeichnet sich einen Tag nach der Katastrophe das genauere Ausmaß der Schäden ab.

Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut französischen Medien um einen 39 Jahre alten ehrenamtlichen Mitarbeiter der Diözese Nantes. Zu seinen Aufgaben gehöre es, die Kathedrale abzuschließen. Die Ermittler wollten Fragen in der zeitlichen Abfolge des Abends klären. Die Widersprüchlichkeiten hätten sich jedoch aufgelöst.

Bei ersten Untersuchungen nach dem Brand der Sankt-Peter-und-Paul-Kathedrale waren keine Einbruchsspuren gefunden worden. Da das Feuer an drei weit voneinander entfernt liegenden Stellen in der Kirche ausgebrochen war, gehen die Ermittler von Brandstiftung aus. Techniker untersuchen aber auch die Elektrik in der Kathedrale.

Die Flammen zerstörten die historische große Orgel über dem Westportal der spätgotischen Kirche vollständig, so die Feuerwehr. Außerdem verbrannten Kunstobjekte wie ein Gemälde, Kirchenfenster zerbarsten.

Der Brand war am Samstagmorgen ausgebrochen. Die um 7.44 Uhr alarmierte Feuerwehr war mit über 100 Kräften im Einsatz. Die Polizei sperrte das Viertel rund um das Gotteshaus ab, auch um Schaulustige abzuhalten. Nach rund drei Stunden waren die Flammen unter Kontrolle.

Mit dem Brand sei ein wichtiger Teil des religiösen Erbes und ein Symbol des katholischen Glaubens zerstört worden, bedauerte die Französische Bischofskonferenz. Sie zeigte sich aber auch erleichtert, dass bei dem Feuer keine Menschen zu Schaden gekommen seien. Diözesan­administrator François Renaud sprach von einem traurigen Tag für die Kirche und die Stadt Nantes. „Jeder ist mit dieser Kathedrale verbunden.“

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron betonte, die nationale Gemeinschaft und die katholische Kirche seien angesichts dieses Dramas fest verbunden. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zeigte sich entsetzt. „Nantes und die herausragende kulturelle Tradition Frankreichs haben schweren Schaden genommen“, schrieb er in einem Brief an Diözesanadministrator Renaud. „Ihre Bischofskirche ist Zeugnis der Gottesverehrung über die Jahrhunderte hinweg. Sie zeigt, wer wir als Europäer sind, was uns prägt und ausmacht.“

Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner betonte, nun müsse geprüft werden, ob die durch das Feuer verursachte Hitze zu einem Ausglühen des Gewölbes geführt habe. Wegen seiner Höhe sei es möglich, dass es keinen Schaden genommen habe, sagte sie. Schock-Werner ist die Koordinatorin der deutschen Hilfe für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame.

Der Bau der Peter-und-Paul-Kathedrale begann im Jahr 1434 und zog sich mit Unterbrechungen bis ins 19. Jahrhundert. Das Gotteshaus hat mit rund 38 Metern eines der höchsten Kathedralgewölbe in Frankreich.

Der Brand weckte bei vielen Franzosen Erinnerungen an den Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im vergangenen Jahr. Die Schäden in Nantes seien jedoch nicht mit jenen in Notre-Dame vergleichbar, sagte Feuerwehrchef Laurent Ferlay. Das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt war im April 2019 schwer beschädigt worden und befindet sich seither im Wiederaufbau. kna

Nicht der erste Brand der Kirche

Die Kathedrale von Nantes aus dem 15. Jahrhundert ist den Aposteln Peter und Paul geweiht und gehört zur französischen Spätgotik. Bei einem Feuer 1972 wurde nach Angaben der Diözese von Nantes der Dachstuhl der Kirche komplett zerstört. Nach ­Restaurierungsarbeiten öffnete die Kirche 1985 wieder ihre Türen. 2015 hatte in Nantes zudem ein spektakuläres Feuer das Dach der Basilika Saint-Donatien zerstört. dpa