Ulm / Von Helga Schneller Thymian ist ausgesprochen vielseitig. Das Würzkraut wird auch als besonders insektenfreundliche Gartenzierde geschätzt und überdies als Heilmittel. Von Helga Schneller

Allein schon der Gedanke an Thymian reicht aus, um die Nase imaginär mit dem harzig-würzigen Geruch der Kräuterpflanze zu kitzeln. Der kleine Halbstrauch hat es in sich – eine Megadosis ätherischer Öle, verpackt in zierlichen, immergrünen Blättchen. Zu Recht zählt der Thymian zu den beliebtesten Kräutern der mediterranen Küche und zur Grundausstattung jedes Kräutergartens.

Beheimatet ist der Lippenblütler im gesamten Mittelmeerraum, wo er seit jeher nicht nur als Küchenzutat, sondern auch als Heil- und Kraftpflanze geschätzt wurde. Der Name leitet sich ab vom griechischen Wort „thymos“, was soviel wie Mut und Stärke bedeutet. Über die mittelalterlichen Klostergärten fand das Kraut seinen Weg in unsere Gefilde und avancierte hier ebenfalls zur geschätzten Heilpflanze. Auch der bei uns wild wachsende Quendel oder Feld-Thymian (Thymus pulegioides) hat als Heilkraut Bedeutung. Die niedrige Pflanze ist hauptsächlich auf trockenem Magerrasen anzutreffen, wo sie dichte Teppiche mit zahlreichen purpurvioletten Blüten webt.

Forschungen über die Heilkraft des Thymians bestätigten die Erfahrungen der Volksheilkunde: Mit seinem hohen Gehalt an ätherischen Ölen, Bitter-, Gerbstoffen und Harzen ist der Echte Thymian oder Gewürzthymian (Thymus vulgaris) eine der wichtigsten Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten. Als Hauptwirkstoff gilt Thymol, das desinfizierend und krampflösend wirkt. Vor allem bei quälendem Keuchhusten und trockener Bronchitis bringt ein Hustentee mit Thymian spürbare Erleichterung.

Das heilsame Kraut sorgt aber auch für ein gutes Bauchgefühl. Nach einem üppigen Essen etwa fördert eine Tasse Thymiantee die Verdauung, und mitgekochte Thymianzweige machen schwere Speisen bekömmlicher. Auch zum sommerlichen Grillen, beispielsweise in der Fleischmarinade, steuert das Gewürzkraut sein Aroma bei. Neben dem Echten Thymian und dem Quendel zählen noch viele weitere Arten und Sorten zur Gattung der Thymiane. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Wuchsform und Blütenfarbe.

Bringt Pep in Sommersalate

Durch Züchtung entstanden auch diverse Sorten mit ausgefallenem Aroma. Bekannt ist etwa der Zitronen-Thymian (Thymus x citriodorus) mit dekorativen gelb-grünen Blättchen und kissenförmigem Wuchs. Sein frischer Zitrusgeschmack bringt nicht nur Pep in Sommersalate, sondern passt auch hervorragend in Bowle oder fruchtige Desserts. Wer gerne mit nicht alltäglichen Kräutern experimentiert, wird auch seine Freude an Orangen-, Kümmel-, Ingwer- oder sogar Kokosthymian haben.

Als überaus reich blühende Gartenzierde erfreut sich der Sand-Thymian (Thymus serpyllum) großer Beliebtheit. Mit seinem kriechenden Wuchs und einer Höhe bis zu zehn Zentimetern passt die Pflanze gut an den Rand des Kräuterbeetes. Zur Blütezeit von Juni bis August schmückt sich Sand-Thymian über und über mit rosafarbenen oder weißen Blüten, wie alle Thymianblüten ein absoluter Insektenmagnet. Seinem Namen alle Ehre macht der Kaskaden-Thymian (Thymus longicaulis ssp. odoratus). Er lässt seine aromatischen Triebe gerne von Trockenmauern oder aus hängenden Töpfen baumeln und blüht im April/Mai schon recht früh. Für Balkongärtner mit Sonnenseite eignet sich der Kleine Gewürz-Thymian (Thymus vulgaris „Compactus“) ganz besonders gut. Er bildet in Töpfen schön kompakte und dichte kleine Büsche aus dunkelgrünem Laub und blasslila Blütchen.

Generell zählt Thymian zu den pflegeleichten und langlebigen Kräuterstauden ohne große Ansprüche. Alle Arten lieben einen vollsonnigen Platz mit durchlässigem und sandigem Boden. Wo die Erde schwer und nahrhaft ist, sollte sie mit reichlich Sand abgemagert werden. Trockenheit ist kein Problem für Thymian, Staunässe dagegen schon. Ein gelegentlicher Schluck Wasser ist nur bei Pflanzen im Topf nötig. Im Beet kann Thymian alle zwei bis drei Jahre mit etwas Kompost versorgt werden. Die sonstige Pflege beschränkt sich auf den jährlichen Rückschnitt im Frühjahr. Dabei schneidet man die Triebe um etwa ein Drittel zurück. So vergreist der Thymian nicht so schnell und treibt immer wieder kräftig und buschig aus. Dass die Pflanzen mit den Jahren von innen heraus verholzen und dementsprechend etwas sparriger werden, ist völlig normal. Bis auf einige wenige Ausnahmen sind alle Thymian-Arten ausreichend winterhart.

Geerntet werden können die würzigen Triebe nach Bedarf die ganze Saison hindurch. Wer seinen Thymian vermehren möchte, kann im Frühsommer Kopfstecklinge schneiden oder im Herbst den Wurzelballen teilen. Oder einfach gar nichts tun – denn viele Thymian-Arten sorgen durch Selbstaussaat für den grünen Nachwuchs.

Thymian richtig trocknen

Die robuste Gewürzpflanze lässt sich leicht trocknen und behält dabei ihr typisches Aroma. Am besten werden die Thymian-Triebe kurz vor der Blüte an einem sonnigen Tag geschnitten.

Gebündelt und kopfüber luftig, trocken und lichtgeschützt aufgehängt, sind sie nach 10 bis 14 Tagen getrocknet. Dann lassen sich die Blättchen leicht abstreifen. Zum Aufbewahren füllt man den Thymian in Blechdosen oder dunkle Gläser. Als Küchengewürz, Tee oder Zutat fürs selbst gemachte Kräutersalz ist der Thymian dann stets zur Hand.