Frankfurt/Main / epd Immer mehr Infizierte: Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies drastische Maßnahmen geplant. 

Wegen des Corona-Ausbruchs in einer Fleischfabrik der Tönnies-Gruppe wird im Kreis Gütersloh ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens immer wahrscheinlicher. Die Zahl der infizierten Beschäftigten stieg nach Angaben des Kreises Gütersloh vom Montagabend auf 1553. Das sind rund 22 Prozent der insgesamt rund 6650 Arbeiter. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sagte am Abend dem Sender ntv, es werde noch darüber im Krisenstab beraten, es gehe aber in die Richtung eines Lockdowns. Auch der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) sagte auf die Frage, ob die aktuelle Entwicklung nach einem Lockdown rieche, „ich würde sagen ja.“

Am Sonntag hatte sich die Landesregierung noch gegen einen Lockdown und damit das massive Runterfahren des öffentlichen Lebens für die ganze Region entschlossen. Er könne aber einen Lockdown nicht ausschließen, wenn es zu einer höheren Zahl an Infizierten kommen werde, hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gesagt.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kündigte scharfe Maßnahmen an, um Missstände in der Fleischindustrie beheben. „Wir machen jetzt Schwerpunktrazzien der Arbeitsschutzbehörden des Zolls“, sagte er im ARD-„Morgenmagazin“. Auch im System müsse sich etwas ändern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte ein entschlossenes Handeln zur Eindämmung des Virus-Ausbruchs. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland bezeichnete den Fall Tönnies als Symbol für „ein menschenunwürdiges und Tierleid erzeugendes Agrarsystem“.

Nach dem massiven Corona-Ausbruch bleibt die Großschlachterei Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück bis 2. Juli geschlossen. Der Kreis Gütersloh hatte die 7000 Beschäftigten und das Management per Verordnung unter Quarantäne gestellt. epd