Palma / dpa Touristen können wieder auf die Ferieninsel, doch mit Party wird’s wohl nichts. Die Amüsiertempel dürfen nicht öffnen, die Stars nicht auftreten. Von Alexandra Wilms

Am Ballermann sitzen normalerweise Gruppen amüsierfreudiger Deutscher am Strand und saugen mit extralangen bunten Strohhalmen Alkoholisches aus blauen Eimern. Die blauen Eimer gibt es auch im Corona-Sommer, aber darin sind nur Fische: Sie gehören den einheimischen Anglern, die hier abends ihre Ruten aufstellen. Die nötige Ruhe ist da: Die großen Biergärten und Discos wie „Megapark“ und „Bierkönig“ bleiben geschlossen.

Kleinere Clubs mit einem Fassungsvermögen von maximal 300 Gästen dürfen seit der Aufhebung des Notstands am 21. Juni wieder öffnen. Das aber nur für zwei Drittel der sonst erlaubten Gästezahl und ohne Tanzfläche. Auf der stehen Tische, an denen die Clubbesucher Platz nehmen müssen.

Dass ihre Wirkungsstätten geschlossen bleiben, trifft die Sänger unterschiedlich hart. Einer der wenigen, die vor Ort sind, ist Steffen Peter Haas (43), der Franke mit dem Künstlernamen Peter Wackel. Er hat eine Finca auf der Insel.

„Da werden die Olivenbäume jetzt gerade noch ein bisschen mehr gepflegt als sonst“, sagt Haas. Wenn er sich nicht als Teilzeitlandwirt beschäftigt, bespaßt er die wenigen Urlauber an der Playa mit Privat-Konzerten. „Ich genieße das Alleinstellungsmerkmal“, sagt er und lacht. „Es ist ja sonst niemand hier.“

Er brauche die Nähe zu Fans, sagt Haas. „Diese Autokino-Geschichte in Deutschland habe ich kategorisch abgelehnt, das ist für mich keine Alternative. Diese Distanz mag ich nicht.“

Ganz anders seine 33-jährige „Bierkönig“-Kollegin Mia Julia. Die reist in Ermangelung der Bühne auf Mallorca durch Deutschland und spielt auf Großparkplätzen vor ihren im Auto sitzenden Fans.

„Als ganz am Anfang alle Auftritte abgesagt wurden, wollten wir trotzdem den Kopf nicht in den Sand stecken“, erzählt Mia Julia. Anfangs sei der Gedanke, vor in Autos sitzenden Fans aufzutreten, ein wenig komisch gewesen. „Aber dann haben beim ersten Konzert die Autos gewackelt, die Leute haben geschrien und gewunken und es war eine geile Stimmung.“

Aber der „Bierkönig“ fehle ihr schon sehr, sagt Mia Julia. Auch die Besucher der Autokonzerte zollen dem Party-Biergarten Tribut. Auf den Windschutzscheiben liegen T-Shirts mit dem „Bierkönig“-Logo des Feiertempels, es ist auch auf Fahnen zu sehen, die auf Autodächern geschwenkt werden.

Ob und wie es am Ballermann weitergeht, weiß keiner der Stimmungsmusiker zu sagen. Zwar stehen alle in Kontakt mit den Verantwortlichen, doch auch die können nur weitergeben, was gerade der aktuelle Stand der Dinge ist.

Jürgen Drews denkt nicht, dass es wieder richtig losgehen kann, solange es keinen Impfstoff gibt. Das 75-jährige Playa-Urgestein gibt unumwunden zu, großen Respekt vor der Pandemie zu haben. Deshalb kommt auch der private Inselbesuch – Drews besitzt eine Finca im Südwesten Mallorcas – derzeit nicht in Frage.

„Ich habe nicht vor, auf die Insel zu reisen, so lange ich dort nicht auftreten kann“, sagt Drews. „Im Flieger muss man ja dann doch wieder eng beieinander sitzen.“ Er habe die Zeit seit Anfang März genutzt, um seine Autobiografie zu beenden und ein neues Album aufzunehmen.

Neue Wurstbude bleibt zu

Die Massen, denen die Partysängerin Melanie Müller (32) in den vergangenen Jahren mehrmals pro Woche auf der Bühne des „Bierkönigs“ einheizte, fehlen ihr. Aber auch ihr zweite Standbein wackelt, weil diese Leute ihr als Kunden für ihre vor drei Jahren eröffnete Wurstbude fehlen.

„Dass ,Bierkönig’ und ,Megapark’ noch nicht aufmachen, ist eine reine Katastrophe für mich“, sagt Müller. „So brauche ich natürlich auch die Wurstbude nicht aufzumachen.“ Sie bestätigt wie auch Mia Julia und Wackel die auch in Deutschland schlechte Geschäftslage: „Jeden Tag kommen neue Absagen, selbst die kleinen Oktoberfeste finden alle nicht statt.“ Zumindest den Mallorca-Sommer 2020 hat sie bereits abgeschrieben: „Die Saison ist im Eimer.“ dpa

Kultorte und Partystätten dicht

Die bekanntesten Partystätten an der Playa de Palma sind deutlich größer als die kleinen Läden, die schon wieder öffnen dürfen. In den „Bierkönig“ dürfen 2899 Menschen hinein, in den „Megapark“ 1434 und in die Disco „Oberbayern“ 650.

Alle drei Kultorte sind deshalb zu. Ob solche größeren Clubs öffnen dürfen, soll eine Kommission alle 15 Tage neu beraten. dpa