Seit ein paar Jahren gibt es bei uns die altbekannte Plastiktragetüte nicht mehr einfach gratis zum Einkauf dazu. Im November 2020 wurde ein Gesetzesentwurf verabschiedet, der ein gänzliches Verbot von Plastiktüten an der Ladenkasse vorsieht. In den Medien stößt man hin und wieder auf Bilder von ansonsten so majestätisch anmutenden Meeresschildkröten, denen plötzlich ebendiese Tüten um den Hals hängen oder denen sie aus den Kadavern quellen.

Dass Plastik ein Problem darstellt, weiß man mittlerweile. Und doch landen laut einer derzeitigen Schätzung des WWF global noch immer rund zwölf Millionen Tonnen Plastikmüll jährlich in den Meeren. Das entspricht einer Lastwagenladung pro Minute. Von Fischernetzen über Verpackungsmüll bis hin zu winzigen, mit bloßem Auge nicht erkennbaren Partikeln, findet sich in den Ozeanen praktisch alles, was unsere moderne Gesellschaft an Plastikprodukten so hervorgebracht hat. Kurz und knapp: Die Ozeane sind voller Müll und die Folgen des Plastikproblems gleichen einem Eisberg, von dem man bisher gerade einmal die Spitze sieht.

Die Lage ist nicht hoffnungslos

Doch hoffnungslos ist die Lage nicht. Angefangen bei der Änderung des Konsumverhaltens des Einzelnen, bis hin zur Arbeit von NGOs, die die Meere im großen Stil vom Plastikmüll befreien, nehmen sich immer mehr Menschen der Thematik an und leisten aktiv und mit Erfolg einen Beitrag zur Lösung des Problems.

So auch der ehemalige Maschinenbau-Student der DHBW Heidenheim, Dominik Karl, der sich im Alter von 25 Jahren seit bereits einem Jahr Gründer des Start-Up Unternehmens „Oceanmata“ nennen darf.

Das Stichwort dieses Unternehmens lautet: Handyhüllen. Wichtige Ergänzung: biologisch abbaubare Handyhüllen.

Das Stichwort dieses Unternehmens lautet: Handyhüllen. Wichtige Ergänzung: biologisch abbaubare Handyhüllen.
Das Stichwort dieses Unternehmens lautet: Handyhüllen. Wichtige Ergänzung: biologisch abbaubare Handyhüllen.
© Foto: Oceanmata

Und es geht um mehr als das. Gemeinsam mit seinem Team von Oceanmata und den Kunden, die durch ihren Einkauf maßgeblich zum Erfolg seiner Vision beitragen, hat es Dominik Karl geschafft, den Ozean bis heute von etwas über 30.000 kg Plastikmüll zu befreien und eine Arbeitsstätte für Menschen auf Bali zu schaffen.

Wie er das geschafft hat, was ihn antreibt, manchmal auch umtreibt, und was er für die Zukunft noch so plant, hat er im Interview erzählt:

Dominik, wenn man einem Laien erklären muss, was Oceanmata ist…wie macht man das am treffendsten?

Puh, das ist eine gute Frage. Zunächst sind wir aktuell ein fünfköpfiges Team mit Firmensitz in Augsburg, das biologisch abbaubare Handyhüllen produziert und mit dem Erlös, nebst des eigenen Oceancleanup-Projekts in Bali, noch weitere Organisationen unterstützt, wie zum Beispiel Tierschutzorganisationen. Wir sind alle ganz verschieden, teilen aber die gleiche Passion für die gemeinsame Arbeit.

Das Team von Oceanmata.
Das Team von Oceanmata.
© Foto: Oceanmata

Ich würde sagen, Oceanmata ist eine Bewegung, die zum Ziel hat, die Ozeane vom Plastikmüll zu befreien. Wir wollen mit Oceanmata Aufmerksamkeit schaffen. Zum Beispiel über Instagram oder über Blogbeiträge und so den Fokus in die richtige Richtung lenken. Oceanmata sozusagen als Leuchtturm für allerlei Menschen, die mit Nachhaltigkeit vielleicht auch noch gar nicht so viel am Hut haben. All denen möchten wir Orientierung geben und so dann hoffentlich ein bisschen zum Umdenken bewegen.

Ihr habt es nicht nur geschafft, eine umweltfreundliche Alternative zur Handyhülle aus Plastik zu produzieren und sie erfolgreich zu vermarkten. Ihr setzt bei der Problemlösung der Plastikthematik auch ganz am Ende der Kette an, indem ihr den Müll, der bereits im Ozean schwimmt, sammelt, recycelt und ordentlich entsorgt. Und dabei schafft ihr es auch noch, einigen Einheimischen einen Arbeitsplatz und ein sicheres Einkommen zu bieten. Oceanmata wirkt wie eine Symbiose, von der alle zu profitieren scheinen.

Die ganze Geschichte dahinter

Sicherlich kein einfaches Unterfangen und nicht wenige Leute werden sich da wahrscheinlich auch fragen: Wozu der ganze Aufwand? Wer ein abgeschlossenes Maschinenbaustudium in der Tasche hat, findet doch ganz andere, viel lukrativere Beschäftigungsmöglichkeiten… Wie kam´s also? Was ist die Geschichte von Oceanmata?

Angefangen hat das Ganze schon viel früher. Ich mochte das Maschinenbau- und technische Milieu schon immer und habe sowohl hobbymäßig, als auch beruflich, eigentlich seit ich denken kann, gerne getüftelt. Ich habe eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Airbus Donauwörth absolviert und bekam von dort das Angebot, ein duales Maschinenbaustudium an der DHBW in Heidenheim zu machen, was ich von 2016 bis 2019 dann auch tat. Wenn ich so überlege, ging es mir bei Airbus wirklich sehr gut, ich war dort Betriebsingenieur. Irgendwann hat mich das allerdings nicht mehr gereizt.

Geschockt von der Realität

Ich habe schon immer so ein Bisschen von der Selbstständigkeit und der damit einhergehenden Freiheit geträumt und als ich dann 2019 mit meiner Freundin zum ersten Mal im asiatischen Raum unterwegs war, in Sri Lanka zum Surfen, haben sich die entscheidenden Weichen gestellt. Dort habe ich zum ersten Mal gesehen, wie heftig das Plastikmüllproblem in Wirklichkeit ist und begann mich zu fragen, welche Möglichkeiten es gibt, etwas gegen dieses Problem zu tun.

Eine entscheidende Inspiration brachte ein Abend, als wir nach einer Surfsession noch in dieser coolen Rooftop-Bar eines Hostels saßen, von wo aus man auf ein großes schwarzes Board blickte.

Neben den Surfkurs-Uhrzeiten stand dort dieser kleine Satz geschrieben: „Everytime you go to the beach pick up three pieces of plastic.“

Das fand ich eine gute Sache. Ein kleines Oceancleanup – Projekt quasi. Doch mein Gedanke war folgender: „Es ist zwar cool, wenn ich das als Dominik mache und wenn das meine Freundin Ramona macht. Dann haben wir in Summe genau sechs Stücke gesammelt und wenn wir das jeden Tag machen, dann haben wir auch ein paar mehr Stücke gesammelt. Aber wie schaffen wir es, das auf ein neues Level zu bringen? Was brauchen wir, um noch viel mehr Plastik sammeln zu können? Oder konkret: Wie könnte man ein Produkt mit diesem Ziel verbinden?

„Dann kam eins zum anderen“

Und da ist dann nach und nach die Idee entstanden, zu kombinieren: Die Produktion einer Handyhülle, die selbst klimaneutral, also biologisch abbaubar ist und deren Erlöse, mit denen wir dann ein eigenes Oceancleanup-Projekt aufbauen können.

Und dann kam eins zum anderen. Ich habe einen Einheimischen kennengelernt, Bisri, der im Namen der Firma „4ocean“ Clean-Up´s in Bali organisiert. Ich sprach mit ihm über meine Vision, wobei der Funke sehr schnell übersprang und schon kurze Zeit später konnte die Reise von Oceanmata beginnen. Der Onlineshop mitsamt Produkten ging dann im Januar 2020 online.

Wie konkret versucht ihr als Unternehmen nun, euer Projekt aufzuziehen und was konntet ihr auf dieser Weise seit dem Launch im Januar 2020 bereits erreichen?

Wir nutzen Social Media, um viele Menschen zu erreichen, die wir über die Plastikthematik und unsere Produkte aufklären.

Abgesehen von unserem eigenen Oceancleanup-Projekt, organisieren wir Kooperationen mit anderen Tierschutzorganisationen. Da entstehen dann Produkte wie das Turtle-Case oder das Dolphin-Case. Da das Problem vom Plastikmüll ja nicht alleine der Müll im Meer ist, sondern auch das Leid, das wir dadurch den Tieren bescheren, wollen wir auch da wieder einen Ausgleich schaffen, indem die Erlöse der Handyhüllen nicht ausschließlich ins Cleanup-Projekt fließen, sondern eben über solche speziellen Editionen auch in Organisationen, die sich um eben diese Tierarten kümmern. Bald wird es zum Beispiel auch ein Korallen-Case geben.

Wir konnten bisher mehr als 30.000 Kilogramm Plastik aus dem Meer holen. An die Turtle-Foundation haben wir mit den Einnahmen der Turtle-Cases mittlerweile über 12.000 Euro gespendet, beim Dolphin-Project sind wir bei 4000 Euro. Insgesamt gingen bisher an die 50.000 Bestellungen bei uns ein, von denen pro Bestellung immer jeweils fünf Prozent vom Umsatz gespendet wurden.

Habt ihr schon Pläne für die Zukunft?

Kurzfristig gesehen, kommen neue Handyhüllen und T-Shirts raus, künftig vielleicht auch Pullis.

Wenn das Unternehmen dann erst einmal ins Rollen gebracht ist, wollen wir aber tatsächlich unsere Vision verfolgen, die Ozeane vom Plastikmüll zu befreien. Ziel ist deshalb auch, dass wir das Ganze noch effizienter hinbekommen, um noch mehr Plastik sammeln zu können.

Aber auch Bildung ist ein wichtiges Thema. Wir möchten auch in anderen Ländern, wie etwa in Indonesien, Möglichkeiten schaffen, dass es dort Bildungseinrichtungen gibt. Damit die Kinder mehr und mehr mit der Thematik Plastikmüll, Nachhaltigkeit und Co. aufwachsen.

Angesichts der Zahlen und Fakten ist es wahrscheinlich fair zu sagen, dass es ein ambitioniertes Ziel ist, die Ozeane vom Plastikmüll befreien zu wollen, oder? Ich kann mir vorstellen, dass man sich angesichts dessen manchmal ziemlich ohnmächtig fühlt. In Umweltschutz-Kreisen gibt es dafür mittlerweile sogar ein Wort: „klimakrank“. Fühlst du dich manchmal so?

Ja, das kenne ich sehr gut. Ich hatte letztes Jahr auch so eine Art Glaubenskrise, als das Start-Up gerade mal so ein bisschen angefangen hatte. Mit einer kleinen Idee, die dem großen Ziel der Befreiung des Ozeans vom Plastikmüll gegenüber stand. Natürlich kamen da Zweifel auf: Kann man das überhaupt jemals erreichen? Macht das überhaupt jemals Sinn?

Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir ganz klar: „nein, das schafft man niemals, denn der Plastikmüll ist überall, der liegt an den tiefsten Stellen des Meeres, da kommt kein Mensch mehr hin.“

Doch ein Freund brachte mir dann im richtigen Moment einen wichtigen Denkanstoß. Nämlich dass man diesem Ziel zwar vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gerecht werden kann oder sich noch nicht vorstellen kann, dass man´s schaffen kann. Aber wer weiß, was in zehn Jahren ist? Was es da für Technologien geben wird. Oder wer weiß schon was in zwanzig oder in dreißig Jahren sein wird?

Niemand hätte das für möglich gehalten

Die Entwicklung ist einfach so krass und ich glaube, dass da noch so viel auf uns zukommen wird, an Technologien, an Fortschritt. Ich denke, wenn uns jemand im Jahr 2000 gesagt hätte, dass wir zwanzig Jahre später mal so dahocken und mit dem Handy einen Videocall machen, dann hätte man auch gesagt: „Das kann ich mir nicht vorstellen, das wird niemals passieren.“

Und genauso glaube ich auch, dass wir die Probleme von heute in den Griff bekommen werden, nur fällt es eben jetzt noch sehr schwer, sich das vorzustellen.

Außerdem wird ja mittlerweile immer gemeint, man müsse von heute auf morgen so zu hundert Prozent plastikfrei leben und nur noch das Perfekte sei wirklich gut genug. Aber ich glaube, keiner ist da wirklich perfekt und auch wir haben Einwegplastik im Kühlschrank und sind auch bei Weitem noch nicht perfekt. Aber ich finde, es geht darum, einfach immer ein Stückchen besser zu werden, so ein Prozent jeden Tag und dann ist auch schon mega viel erreicht, wenn das jeder Mensch schafft!

Dominik, wie kann man euch und eure Mission am besten unterstützen?

Gerne mal auf Instagram folgen! Da sind wir auch mit unserem Firmennamen zu finden. Und unsere Webseite beispielsweise auf Facebook teilen. Mit Freunden und Bekannten darüber sprechen. Wenn man natürlich gerade eine Handyhülle braucht, kann man sich auch gerne eine Handyhülle kaufen. Wenn man schon eine hat, dann natürlich keine kaufen….

Und wie vorhin schon gesagt: Jeden Tag um ein Prozent besser werden!

Alles klar. Vielen Dank Dominik, für deine Zeit und alles Gute für dich und Oceanmata!