Regional einkaufen und dabei kleine Unternehmen unterstützen ist jetzt noch einfacher. Im Café des Heidenheimer Pressehauses, wo einst die Spielecke für Kinder war, haben jetzt junge Unternehmer*Innen aus der Region die Möglichkeit, sich auszutoben. Nicht etwa mit Lego-Bausteinen oder Spielzeugautos, sondern mit ihren Ideen. Start-ups können dort ihre Waren wie Schmuck, Textilien, Möbel und vieles mehr präsentieren.

Luisa und Cosima Kamml von „cølú“: Von der Idee zum Unternehmen

Die beiden Heidenheimer Schwestern Luisa und Cosima Kamml haben 2018 ihr Unternehmen „cølú“ gegründet. Die Idee dafür entstand mehr oder weniger durch Zufall. „Wir waren mit dem bestehenden Angebot in Heidenheim unzufrieden und haben deshalb für uns ein Design für einen Pulli entworfen“, so Luisa Kamml. „Das Interesse war dann so groß, dass daraus ein Unternehmen daraus wurde.“

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Grundgedanke der beiden Schwestern war es, die Werte, mit denen sie aufgewachsen sind, mit der schwäbischen Mentalität zu vereinen. „Wir möchten ein cooles, nachhaltiges Label sein, bei dem aber auch das Design eine wichtige Rolle spielt“ sagt Luisa Kamml“, „es muss also keines unter dem anderen leiden.“ Zurzeit arbeiten die jungen Unternehmerinnen an einer neuen Kollektion, bei der alle verwendeten Materialien von der Schwäbischen Alb stammen sollen. Auch die Produktion soll dann hier stattfinden.

Cosima und Luisa Kamml sind Schwestern aus Heidenheim und haben 2018 das nachhaltige Label "cølú" gegründet.
Cosima und Luisa Kamml sind Schwestern aus Heidenheim und haben 2018 das nachhaltige Label „cølú“ gegründet.
© Foto: Lena Rehm

Schon vor zwei Jahren erwähnten Luisa und Cisoma bei einer Veranstaltung für Gründer im „Dock 33“ die Idee eines Pop-up-Stores in Heidneheim. Deshalb freuen sie sich jetzt umso mehr, dass der Conceptstore realisiert werden konnte und sie Teil davon sein können. „Das Schöne daran ist, dass wir alle so gut harmonieren“, sagt Cosima Kamml, „alleine hätten wir nicht genügend Produkte, um einen Laden zu füllen. Als Gruppe ergänzen wir uns perfekt.“

Schreinermeister Kevin Gerstmeier: Kunst, die man benutzen kann

Kevin Gerstmeier ist Schreinermeister. Er kam nach dem Studium zum Raum- und Objektdesigner zurück auf die Schwäbische Alb, um ein Designstudio zu eröffnen. „Für mich war immer klar, dass ich, wenn ich mich eines Tages selbstständig mache, zurück in die Heimat komme.“ Seit gut einem Jahr entstehen in Dettingen nun seine Ideen, die er dann in der Schreinerei Baur in Bissingen umsetzt. Dort arbeitet er nebenher als Designer und Schreinermeister. „Gutes Design muss nicht aus der Großstadt kommen“, findet der Dettinger.


Kevin Gerstmeier ist Schreinermeister. Er kam nach dem Studium zum Raum- und Objektdesigner zurück auf die Schwäbische Alb, um ein Designstudio zu eröffnen. Einige dieser Arbeiten stehen nun auch im Conceptstore.
Kevin Gerstmeier ist Schreinermeister. Er kam nach dem Studium zum Raum- und Objektdesigner zurück auf die Schwäbische Alb, um ein Designstudio zu eröffnen. Einige dieser Arbeiten stehen nun auch im Conceptstore.
© Foto: Archiv/Rudi Penk

Einige dieser Arbeiten stehen nun auch im Conceptstore. „Ich versuche immer, funktionale Kunst zu machen. Meistens kann man meine Kunst dann auch benutzen, aber sie ist auch abgefahren und irgendwie gefällt den Leuten mein Stil“, so der Dettinger. Mit seinen Möbelstücken wurde Kevin Gerstmeier dieses Jahr für den German Design Award in der Kategorie „Newcomer“ nominiert und für einen seiner Stühle gewann er im vergangenen Jahr sogar den Preis in der Kategorie „Exellent Product Design“.

Laurin Hilbert und Kilian Hegele von „tak“: Von der Plane zum Geldbeutel

Laurin Hilbert und Kilian Hegele haben ihr Label „tak“ im Zuge ihres ersten großen Projekts während des Studiums gegründet. Sie studieren gemeinsam Produktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. „Unser Ziel war es, aus komplett aus Restmaterialien und mit einer einfachen Stecktechnik Behältnisse zu entwerfen“, sagt Laurin. „Daraus entstanden dann Geldbeutel aus Planen“, ergänzt Kilian. Als die Beiden ihr Projekt an der Hochschule vorstellten, war das Interesse so groß, dass sie es über die Hochschule hinaus weiterführen wollten. So haben sie 2018 ihr Label „tak“ gründet und stecken noch heute gemeinsam in ihrer WG die Geldbeutel zusammen.

Laurin Hilbert und Kilian Hegele haben ihr Label "tak" im Zuge ihres ersten großen Projekts während des Studiums gegründet.
Laurin Hilbert und Kilian Hegele haben ihr Label „tak“ im Zuge ihres ersten großen Projekts während des Studiums gegründet.
© Foto: Lena Rehm

Dalyvanh und Simeon Oßwald mit ohrem Label „Studio Pilcrow“

„Studio Pilcrow“ ist das Label von Modedesignerin Dalyvanh und Webdesigner Simeon Oßwald. „Der Kern unserer Kleidungsstücke ist es, die Geschichte meiner Eltern zu erzählen, wie sie damals von Laos über Tschechien nach Deutschland gekommen sind“, sagt die Modedesignerin aus Weißenhorn bei Ulm. Auch der Name soll das ausdrücken. Dieser rührt nämlich daher, dass er im Deutschen das Absatzzeichen bedeutet. „Das steht für die Absätze im Leben meiner Eltern“, so Dalyvanh. Die Stoffe für die Kollektionen beziehen sie von Resten anderer Modelabels und produzieren die Kleidungsstücke im eigenen Atelier in Weißenhorn.

 "Studio Pilcrow" ist das Label von Modedesignerin Dalyvanh und Webdesigner Simeon Oßwald.
„Studio Pilcrow“ ist das Label von Modedesignerin Dalyvanh und Webdesigner Simeon Oßwald.
© Foto: Lena Rehm

Larissa Englisch mit ihrem Schmuck-Labels „Lykka“

Larissa Englisch aus Ulm bietet Schmuck ihres Labels „Lykka“ an. „Ich habe für mich etwas Außergewöhnliches gesucht, was nicht unbedingt jeder kennt.“ Dabei experimentiert sie mit verschiedenen Materialien, Formen und Oberflächen. „Deswegen nenne ich es auch meine experimentelle Schmuckkollektion. Vom Stil her würde ich sie dennoch als sehr schlicht bezeichnen“, so Englisch. Für eine Modedesignerin sei der Sprung zum Schmuckdesign nicht weit, auch wenn sie davor Herrenjacken entworfen habe.

Larissa Englisch aus Ulm bietet Schmuck ihres Labels "Lykka" an.
Larissa Englisch aus Ulm bietet Schmuck ihres Labels „Lykka“ an.
© Foto: Lena Rehm

Patrick Seehuber mit seinem Label „atelier posa“

Patrick Seehuber fertigt für sein Label „atelier posa“ Schalen, Untersetzer und andere Gefäße aus Terrazzo an. Entstanden ist das Label während Praktikums in London. „Auf der Suche nach neuen Materialien, Formgebungen und der dadurch verbindlichen Oberfläche entstanden reihenweise Versuche mit handelsüblichen Baustoffen, die nach Belieben eingefärbt, dekonstruiert und wieder hinzugefügt wurden.“ Daraus entwickelte Patrick kleinere Objekte, die großen Anklang bei Freunden und Familie fanden. Immer mehr Anfragen für einzelne Objekte und Farbkombinationen wurden umgesetzt. „Aus meiner Leidenschaft entstand dann ein kleines Ein-Mann-Atelier.“ Jedes seiner Objekte ist ein Einzelstück aus reiner Handarbeit. „Die Freude an Form und Farbe motiviert uns jeden Tag etwas Neues zu erschaffen“, so der Stuttgarter.