Der gebürtige Heidenheimer Erik van Schoor hat sein Hobby zum Beruf gemacht und Ende vergangenen Jahres sein erstes Comic veröffentlicht: genauer gesagt eine Graphic Novel. Die Gibt es übrigens nicht nur online, sonder auch im Büchershop im Pressehaus der Heidenheimer Zeitung zu kaufen.

Was ist das Genre, dem du DIE ROTE NACHT zuordnen würdest?

Mystery-Thriller ist vermutlich die passendste Kategorie, weil es um das Lösen eines Rätsels in einem spannenden Ambiente geht. Das Ganze ist gepaart mit aufregenden Actionsequenzen und ein paar Fantasyanteilen.

Worum geht’s in deinem Comicthriller?

Robert Hanfeld glaubt fest daran, dass die verschwundene Marla Bernstein noch lebt. Die Suche verschlägt ihn schließlich zu einer abgelegenen Villa, in der er gemeinsam mit den Verdächtigen ums Überleben kämpfen muss.

Die Suche nach der verschwundenen Marla verschlägt Robert Handfeld zu einer abgelegenen Villa, in der er gemeinsam mit den Verdächtigen ums Überleben kämpfen muss.
Die Suche nach der verschwundenen Marla verschlägt Robert Handfeld zu einer abgelegenen Villa, in der er gemeinsam mit den Verdächtigen ums Überleben kämpfen muss.
© Foto: Erik van Schoor

Wie würdest du die Hauptfigur beschreiben?

Eigentlich geht es um jemanden, der so tut, als wäre er der Größte, aber merkt, dass er hier an seine Grenzen kommt. Im Gegensatz zu einem Sherlock Holmes ist Hanfeld naiv, überschätzt sich konstant selbst und ist mehr der Spielball als ein Spieler in der Handlung. Die Geschichte selbst ist der Motor.

Der Ermittler Hanfeld muss passiv hinnehmen, welchen Situationen er ausgesetzt wird, die Situationen überrumpeln ihn, er ist eigentlich immer unvorbereitet und tappt lange Zeit im Dunkeln. Eigentlich will er Gutes tun. Doch in dieser Geschichte gibt es weder das Böse noch das Gute. Ambivalenz und Grautöne sind mir ganz wichtig.

Woher kam die Idee für das Buch?

Die Idee für den Comic entstammt einem Drehbuch, das ich 2015 eigentlich für mein Spielfilmdebüt geschrieben hatte.

Fünf Jahre lang zeichnete Erik van Schoor an seinem Comic. Im November konnte er den Mystery-Thriller "Die Rote Nacht" dann veröffentlichen.
Fünf Jahre lang zeichnete Erik van Schoor an seinem Comic. Im November konnte er den Mystery-Thriller „Die Rote Nacht“ dann veröffentlichen.
© Foto: Rudi Penk

Warum wurde nichts aus dem Spielfilm?

Da das Buch nicht in der heutigen Zeit spielt und der Ort auch nicht wirklich existiert, hätte man für den Dreh alle Kostüme schneidern müssen. Damals wurde mir schnell klar, dass ich das nicht mit den mir zur Verfügung stehenden Mittel umsetzen könnte. Also entschied ich mich für das Kino des kleinen Mannes – den Comic. Alles, was ich dafür benötigte, waren Papier, Stift und Zeit.

Wie lange hast du denn an dem Buch gearbeitet?

Ein, beziehungsweise fünf Jahre.

Also wie lange genau?

Ich habe vor fünf Jahren mit den Skizzen begonnen, aber würde ich die Stunden, die ich unmittelbar an meinem Buch gearbeitet habe, hochrechnen, würden diese einem Vollzeitjob von einem Jahr gleichkommen. Ich habe mir einen neuen Tagesrhythmus angeeignet und als Frühaufsteher einfach vor der Arbeit den Stift in die Hand genommen und von fünf bis acht Uhr morgens an dem Comic gezeichnet.

Erik van Schoor ist der modernen Technik sehr dankbar. Wenn er nachträglich etwas ändern wollte, war das digital viel effizienter umzusetzen, als alles neu zu zeichnen.
Erik van Schoor ist der modernen Technik sehr dankbar. Wenn er nachträglich etwas ändern wollte, war das digital viel effizienter umzusetzen, als alles neu zu zeichnen.
© Foto: Privat

Fünf Jahre, das ist lange. Da entwickelt man sich selbst auch weiter. Bist du noch zufrieden mit deinen Gedanken von vor fünf Jahren?

Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Dramaturgisch würde ich an der ein oder anderen Stelle etwas verfeinern und ein paar mehr Charaktermomente einbauen. Aber ja, die ersten 30 Seiten habe ich bestimmt drei Mal komplett neu gezeichnet. Ich habe immer gedacht, so kann man es nicht machen und so ist auch nicht emotional effektiv.

Die ersten 42 Seiten habe ich noch auf Papier gezeichnet, gebe aber gerne zu, wie sehr ich heute der modernen Technik dankbar bin. Wenn ich etwa doch noch etwas nachträglich ändern wollte, war das natürlich digital viel effizienter umzusetzen, als alles neu zu zeichnen.

Wann hast du mit dem Zeichnen angefangen?

In Zeichen- oder Filmform Geschichten zu erzählen, zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Schon in der Grundschule (Bergschule) habe ich für die Schülerzeitung "Ratzge" illustriert. Mit elf habe ich mit Freunden meinen ersten Film gedreht und ein paar Jahre später habe ich am Hellenstein Gymnasium versucht, ein Mädchen mit einem selbst gezeichneten Comic zu beeindrucken. Das hat zwar nicht funktioniert, aber trotzdem wusste ich schon damals, dass ich eines Tages in der Filmindustrie arbeiten möchte.

Wie bist du dann zum Zeichnen als Beruf gekommen?

Nach dem Abschluss meines Studiums in Sozialwissenschaften an der DHWB, wagte ich den Schritt, und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Dafür bin ich nach Berlin gezogen und habe fünf Jahre in einer Werbeagentur gearbeitet. Dort habe ich vorwiegend Erklärfilme bebildert, Storyboards erstellt und Werbung gemacht, aber ich konnte nie Geschichten erzählen. Besonders in Berlin habe ich viele Leute mit Dutzenden Projekten getroffen und nur wenige von ihnen hatten ein echtes Produkt vorzuzeigen. Das war es, was ich wollte: endlich ein eigenes Produkt veröffentlichen. So habe ich angefangen, nebenher an meinem Comicroman zu zeichnen. Seit Januar '21 bin ich nun selbstständig als Storyboard Artist tätig. Hier kann ich Filme vorvisualieren und dabei Geschichten in Bildern erzählen.

Was hast du aus dem Projekt gelernt?

Wenn jemand eine Leidenschaft oder eine Passion hat, ist es trotz Vollzeitjob und Alltag möglich, etwas zu erschaffen. Egal was, ob es ein Buch, eine Schnitzerei, etwas Genähtes oder ein Musikstück ist. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir das tun, was uns guttut und nicht immer nur handeln, um Geld zu verdienen. Große Projekte werden außerdem am besten in Teilschritte unterteilt, um voranzukommen. Man steigt auch nicht an einem Tag auf den Mount Everest und so ist es auch mit unseren Träumen. Wenn wir uns dann noch die Macht der Disziplin zunutze machen, können wir alles erreichen.

Und was wird aus den ursprünglichen Plänen des Drehbuches? Dafür ist es doch noch nicht zu spät, oder?

Ich sage niemals nie. Film hat für mich auf jeden Fall den größten Zauber.