Heidenheim / Luis Kuminka Man kann Shirin David feiern oder nicht. Dass sie sich seit ihrem Debüt jedoch musikalisch enorm weiterentwickelt hat, wird leider nur von wenigen Deutschrap-Fans anerkannt, findet NOISE-Autor Luis Kuminka in seiner Rezension zum neuen Luciano-Track „Never Know“ feat. Shirin David.

Es ist wie jeden Donnerstag um Mitternacht: Release-Radar-Time. Vor ihren Laptops und Smartphones warten tausende Jugendliche weltweit auf die Veröffentlichung der neuen Singles ihrer Lieblingskünstler*innen. In Deutschland genießen vor allem die Releases im Deutschrap Hype-Status.

Das perfekte Rezept für die Ankündigung des neuen Tracks variiert von Artist zu Artist. Meistens wird der eigenen Fan-Base im Vorfeld per Social-Media-Kanal ein „Snippet“, also ein kurzer Ausschnitt des Songs, präsentiert. Shindy hingegen droppt auch gerne Mal „Singles aus dem Nichts“, also ohne Promotion für sein neues musikalisches Werk.

Luciano hat am 12. Juli auf seinem Instagram-Profil lediglich mehrere Bilder aus dem Shooting des Musikvideos mit der Unterschrift „Donnerstag 23:59 Uhr“ als Ankündigung für seine nächste Single gepostet. Gehört Luciano alleine schon zu den aktuell beliebtesten Rappern in Deutschland, so ist sein Feature die wohl momentan am meisten polarisierende Frau im Deutschrap-Game: Shirin David. Am 16 Juli erschien ihre Single „Never Know“

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Mehr Vibe, weniger Text

Musikalisch erinnert der Track stark an Lucianos letzten Song „Nacht zu kurz“. Wieder dominiert ein dumpfer, massiger Drill-Beat. Wie für das Genre, welches sich aus Rap und Trap zusammensetzt und seinen Ursprung in Chicago hat, üblich, spielt der Text weniger eine Rolle als der düstere, aggressive Vibe, der neben einem starken Bass durch kurze, prägnante Wortwiederholungen kreiert wird.

Textlich lässt sich der dürftige Inhalt des Songs anhand der Line „Hoes, Money, Cash, scroll weiter“ zusammenfassen. Was bei dem 26-Jährigen Berliner nicht fehlen darf, sind die für ihn typischen Adlibs à la „Bo-bo-bo-bo!“. Zur Erklärung: Adlibs sind personifizierte Geräusche, die der Künstler am Ende einer Line in seinen Text einbaut.

Gefangen im „Realness-Wahn“

Dass Shirin David eben genau diese in ihrem Part sowie Lucianos Flow übernimmt, ist einer der am meisten genannten Kritikpunkte an dem Song in der Kommentarspalte auf YouTube. Mehr als 100 000 Dislikes hat das Musikvideo auf der Plattform. Bei gerade mal knapp 170 000 Likes ein hohes Maß an negativem Feedback.

Dieses Phänomen ist für Künstler, die mit der 25-Jährigen zusammenarbeiten – die erst seit letztem Jahr Musik macht – nichts Neues. Häufigstes Argument: Durch ihre Vergangenheit als YouTuberin sowie ihrem Image als „Barbie“ durch zahlreiche Schönheitsoperationen, würden ihren musikalischen Partner die im Deutschrap ja stets stark betonte „Realness“ verloren gehen.

Shirin David hat sich musikalisch enorm weiterentwickelt

Auch Deutschrap-Legende Haftbefehl musste viel Hate über sich ergehen lassen, als er im Mai zusammen mit Shirin seine Single „Conan x Xenia“ releaste. Man kann Shirin David feiern oder nicht, aber dass sie sich seit ihrer Debutsingle „Orbit“ 2019 musikalisch, speziell flow-technisch enorm weiterentwickelt hat, wird leider von vielen Deutschrap-Fans aus reinem Realness-Wahn nicht anerkannt.

Dass sie zudem auch noch technisch enorm wandelbar und anpassungsfähig ist, hat „Never know“ par excellence gezeigt. Glücklicherweise scheint der Hate den beiden zumindest ziemlich egal zu sein, auf Instagram feierten die beiden zusammen ausgelassen ihr Release.

Nach längerer Pause, in der nichts mehr von ihm zu hören war, meldet sich der Rapper Jamule mit einer neuen Single zurück.