Heidenheim / Maximilian Haller Weltweit finden die Proteste der „Black Lives Matter“-Bewegung nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd Unterstützung – auch in Heidenheim. Philip Matas erzählt, warum er gegen Rassismus rappt, wie er Rassismus in Deutschland wahrnimmt und warum er kein Problem mit dem umstrittenen Hashtag „All Lives Matter“ hat.

Ein Land kommt nicht zur Ruhe: Seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeibeamte protestieren US-Bürger in sämtlichen Staaten des Landes gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt. Doch nicht nur in den USA wird protestiert. Auch in Deutschland findet die „Black Lives Matter“-Bewegung (englisch für „Schwarze Leben zählen“) Unterstützung. Der Heidenheimer Philip Matas ist einer von ihnen.

„Warum musste George sterben?“, fragt und rappt Matas in dem von ihm selbst geschriebenen Song „Rest in Peace George Floyd“, den der 21-Jährige auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht hat. Über 1000 Mal wurde die musikalische Protestaktion dort bislang angeschaut, auf Matas’ Instagram-Profil hat das Video rund 23 000 Aufrufe.

„Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Effekt, den der Song hat“, berichtet Matas. Es gehe ihm darum, auf das Thema Rassismus aufmerksam zu machen und die Hörer dazu zu bewegen, sich klar zu positionieren.

Polizeigewalt und Alltagsrassismus sind auch in Deutschland präsent

Die derzeitige Situation in den USA nimmt er als „erschreckend“ wahr: „Ich als Dunkelhäutiger würde dort niemals leben wollen“, ist sich Matas sicher. Doch auch die Situation in Deutschland bereite ihm Sorgen. Denn hierzulande nehme Polizeigewalt, die sich gegen Minderheiten richtet, stetig zu. „Ich selber habe Rassismus in diesem Ausmaß zum Glück noch nicht erfahren, trotzdem begegnet er mir im Alltag immer wieder“, kritisiert Matas.

Ein Beispiel: das Kinderspiel „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“. Auch wenn der namensgebende „Schwarze Mann“ je nach Region und Zeit unterschiedliche Bedeutungen hat, wird dem Begriff heutzutage oft ein rassistischer Beigeschmack zugeschrieben. „Schwarz“ bedeute in diesem Kontext nämlich „böse“.

Doch damit nicht genug. Oft sind es die kleinen Dinge im Alltag, die Menschen wie Philip Matas spüren lassen, dass Rassismus nicht nur in der Form von gewaltbereiten Polizisten auftritt. Buntstifte mit der Bezeichnung „hautfarben“, die nur in Rosa- oder Beige-Tönen angeboten werden, seien ebenfalls Teil des Problems.

Heidenheim als Kulisse für Rap gegen Rassismus

Mit seinem Song will Matas auf ebensolche Probleme in der Gesellschaft hinweisen. „Mir ist klar, dass der Song nicht weltbewegend ist, aber es ist ein Anfang, der zeigt, dass wir uns das nicht länger gefallen lassen.“ Als Kulisse für den Videodreh diente das nächtliche Heidenheim, gedreht wurde auf Schloss Hellenstein. „Ich bin Heidenheimer. Wenn man ein gewisses Maß an Reichweite hat, vertritt man seine Heimatstadt auch“, erklärt Matas. Aus diesem Grund habe er für das Rap-Video auch das Schloss als Drehort gewählt.

Viel Zuspruch für Philip Matas – aber auch Kritik für einen Hashtag

Für seinen Einsatz für die „Black Lives Matter“-Bewegung erhält Matas sowohl online als auch offline viel Lob und Respekt. Doch auch Kritik muss der 21-Jährige einstecken. Diese betrifft vor allem die Verwendung eines bestimmten Hashtags: „All Lives Matter“ (englisch für „Alle Leben zählen“).

Zur Einordnung: Die Formulierung entstand als Reaktion auf „Black Lives Matter“, sie sollte auch andere Minderheiten beinhalten. Kritiker bemängeln, „All Lives Matter“ würde implizieren, dass alle Leben gleichermaßen bedroht sind, dabei seien einige Gruppierungen bedeutend gefährdeter als andere. Zudem würde die Formulierung davon ablenken, dass Afroamerikaner überdurchschnittlich oft Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt werden.

Philip Matas kennt diese Argumente, warum also benutzt er die Formulierung „All Lives Matter“ in seinem Song ebenso wie „Black Lives Matter“? „Gerade ist vielleicht ein besonders sensibler Zeitpunkt. Ein Zeitpunkt, um über die Bedrohung für schwarze Leben zu sprechen. Aber ich möchte dennoch diese Chance nutzen, um zu sagen, dass alle Menschen gleich und wirklich alle Leben wertvoll sind.“

Nicht nur im Internet: Philip Matas engagiert sich auch auf Demos

Rund 2000 Menschen demonstrierten am vergangenen Samstag friedlich auf dem Ulmer Münsterplatz und zeigten Solidarität mit George Floyd. Philip Matas war ebenfalls vor Ort und trat dort live mit seinem Song vor Publikum auf. Bei einem der an diesem Tag stattfindenden Flashmobs knieten sich alle Teilnehmer hin und gedachten 8,46 Minuten lang Floyds – so lange hatte ein US-Polizist sein Knie auf den Hals von Floyd gedrückt, bis dieser letztlich daran erstickte.