Schanitheim / Alexander Ogger Goldschmiede brauchen ein kreatives Auge und oft eine ruhige Hand. NOISE-Autor Alexander Ogger war für einen Tag  bei Meister Jörg Siffrin in Schnaitheim dabei.

An manchen Tagen ist man dann eben doch nicht seines Glückes eigener Schmied. „Heute fängt es ja schon gut an“, sagt Goldschmiedmeister Jörg Siffrin. An der Gussanlage sind vier Sicherungen herausgeflogen. Der Fehler muss schnell gefunden werden, weil die Arbeit nicht wartet. „In ganz Deutschland gibt es noch genau drei Monteure, die sich mit dieser Technik auskennen. Eigentlich sollte ich auch noch ein halber Elektriker sein“, sagt er lachend.

Während der Meister seinen Praktikanten durch die Werkstatt führt, die auf den ersten Blick sehr steril aussieht, weist er seinen fünf Gesellen immer wieder neue Aufträge zu oder beantwortet Fachfragen. „11 000 waren es im vergangenen Jahr“, berichtet Siffrin. Der Kundenkreis liegt in ganz Süddeutschland.

Um das Gold trotz der defekten Gussanlage schmelzen zu können, wird der Gasbrenner eingesetzt. Damit alles in den Schmelztiegel passt, müssen größere Bleche, alte Ketten und Ringe erst einmal mit der Blechschere zerkleinert werden. Das erfordert mehr Kraft, als man zunächst glaubt.

Nachdem der Tiegel gefüllt ist, wird eine Gasflasche aufgedreht und eine Flamme entzündet. „Jetzt drauf heben und den Tiegel immer ein bisschen bewegen, sodass die Tropfen zusammenfließen“, weist der 51-jährige Goldschmiedemeister seinen Praktikanten an. Langsam färbt sich das Altgold von rot über orange bis schließlich hin zu einem hellen gelb und fließt zu einem Tropfen zusammen. Mit Borax-Pulver werden die sich an der Oberfläche des Goldtropfens sammelnden Unreinheiten gebunden.

In der Goldschmiede sind eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl gefragt.
In der Goldschmiede sind eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl gefragt.
© Foto: Markus Brandhuber

Die Reaktion geht immer den Weg des geringsten Widerstandes

Jetzt heißt es gut zielen, damit auch nichts neben die kleine Barrenform läuft. Nach dem Guss wird der Barren in Wasser abgekühlt, es zischt und dampft. „Aus dem kann Golddraht gewalzt werden, den brauchen wir hier ständig“, sagt Siffrin.

Seit 1972 gibt es die Goldschmiede Siffrin in Schnaitheim. 2006 wurde Jörg Siffrin Geschäftsführer, nachdem sich sein Vater Johann nach gut 50 Berufsjahren aus dem Geschäft zurückgezogen hatte. Trotz Abitur am Hellenstein-Gymnasium entschied er sich zu einer Lehre. Warum? „Ganz einfach: Ich hatte unter anderem die Leistungskurse Physik und Chemie, da lernte ich eine Sache: Die Reaktion geht immer den Weg des geringsten Widerstandes.“

Auch gegen eine Lehre im eigenen Betrieb hat Siffrin prinzipiell keine Einwände. Man müsse eben darauf achten, dass der Ausbildungsmeister „auch was taugt“. Nur mit der Lehrzeitverkürzung steht der Goldschmiedmeister auf Kriegsfuß. Seine Erklärung dafür ist aber ziemlich einleuchtend: „Mit einem Realschulabschluss dürfen die Lehrlinge um ein halbes Jahr verkürzen, mit Abi sogar ein ganzes Jahr. Was nützt das aber, wenn man einen Beruf lernt, der Fingerfertigkeit und handwerkliches Können voraussetzt?“ Und der Weg des geringsten Widerstandes? In der Berufspraxis eben reine Theorie.

Fingerspitzengefühl ist ein Muss

Tatsächlich erfordert die Arbeit des Goldschmieds mit edlen Metallen und Steinen ein gewisses Fingerspitzengefühl. Eine Menge Vorarbeit ist nötig, bis man zum Beispiel einen fertigen Ring in Händen hält.

Das zeigt sich vor allem bei der Serienproduktion im Schleuderguss-Verfahren. Dabei steht am Anfang ein Modell, beispielsweise aus Messing, Silber oder Hartwachs. Von diesem sogenannten Positiv wird ein Rundum-Abdruck in Silikon oder Kautschuk gemacht, das Negativ.

In diese Form wird dann Wachs eingespritzt. Das Wachsmodell wird in Gips gebettet und ausgeschmolzen, der Hohlraum nimmt dann beim Guss das Metall auf. Nach dem Abkühlen hat man dann das Rohprodukt, das noch von Hand auf Hochglanz gebracht werden muss. Hält man beim Wachsgießen die Form nur ein bisschen zu fest, dann geht auch gerne mal eine Ladung Wachs daneben.

„Entweder man kann es oder man kann es nicht“, sagt Melanie Schober lachend. Die 23-jährige Syrgensteinerin machte nach dem Hauptschulabschluss mit 15 Jahren eine Lehre zum Goldschmied. „Damals brauchte ich drei einwöchige Praktika. Ich war in einem Kindergarten, bei einem Technischen Zeichner und hier.“ Und „hier“ ist sie dann auch geblieben. Was das Besondere an ihrer Arbeit ist? Da überlegt die 23-Jährige nicht lange: „Es ist die Abwechslung.

In der Goldschmiede sind eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl gefragt.
In der Goldschmiede sind eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl gefragt.
© Foto: Markus Brandhuber

Azubis werden derzeit nicht gesucht

Oft bekommt man den alten Schmuck von Kunden in die Hände, um ihn zu ändern oder aufzuarbeiten. Auf der anderen Seite geht man bei der Anfertigung von neuen Stücken immer mit der neuesten Mode. Zwar gibt es Dinge, die man nicht so gern macht, aber das gehört, glaube ich, zu jeder Arbeit dazu“, erklärt die Goldschmiedgesellin, während sie frisch gegossene Rohlinge für Karabinerverschlüsse reinigt, oder in der Fachsprache, finiert.

Sie ist die letzte Auszubildende, die bei Jörg Siffrin gelernt hat. Der suchte in den vergangenen Jahren nicht nach neuen Azubis: „Das Geschäft läuft sehr gut und wir haben hier gerade einen Generationenwechsel mit Renteneintritten, weshalb ich eher erfahrene Gesellen brauche. Wenn ich dann mal einen Auszubildenden oder Schüler im Praktikum habe, dann möchte ich mir auch die Zeit nehmen, ihn ordentlich auszubilden. Und diese Zeit habe ich momentan eben leider nicht“, sagt der Chef.

Die praktischen Erfahrungen des Tages decken sich mit den Aussagen der Mitarbeiter. Der Beruf des Goldschmieds ist abwechslungsreich. Wenn man kreativ und darüber hinaus auch handwerklich geschickt ist, dann hat man beste Voraussetzungen für eine Lehre in diesem traditionsreichen Handwerk.