Heidenheim ist womöglich die erste Stadt Deutschlands, die mit Rap gegen Vermüllung und Vandalismus vorgeht. Im Interview berichtet Julia Habla, Social-Media-Managerin der Stadt Heidenheim, wie es zu der Aktion kam

NOISE: Frau Habla, im Juni wurde ein Fenster der Stadtbibliothek durch Vandalen beschädigt. Gibt es in Heidenheim ein Vandalismus-Problem?

Julia Habla: Vandalismus ist in Heidenheim, ebenso wie in anderen großen Städten, ein alltägliches Problem.

Wie steht es in Heidenheim generell um Müll, Verschmutzung und Vandalismus?

Die Verschmutzung der Innenstadt reicht vom Wegschnippen von Zigaretten über liegenbleibendes Verpackungsmaterial bis hin zu Vandalismus an Gebäuden, Spielplätzen und dergleichen.

Wie geht die Stadt dagegen vor?

2019 rief die Stadt Heidenheim die Kampagne „Schluss mit schmutzig“ ins Leben. Im Zuge dessen wurde das Bußgeld u.a. für eine achtlos weggeworfene Zigarette auf 55 Euro erhöht. Zudem verschenkte die Stadt 1000 Taschen-Aschenbecher, organisierte eine Aufräumaktion, rief die Aktion „Glühwein für Kippen“ ins Leben, stellte einen Themen-Aschenbecher auf und produzierte nun den „Rap gegen Vandalismus“. Damit wollen wir langfristig einen Imagewechsel in der Bevölkerung erzielen

Rapsongs richten sich in der Regel eher an junge Menschen – so auch der Song „Meine City“. Sind Jugendliche die Hauptverursacher bei Vandalismus und Umweltverschmutzung?

Das kann man pauschal nicht sagen. Uns fiel auf, dass wir mit unserer bisherigen Kommunikation diese Altergruppe weniger ansprachen und wollten mit der Aktion nun auch die jüngere Zielgruppe erreichen.

Wie kam es zu der Kooperation mit Philip Matas und warum hat sich die Stadt gerade für ein Musikvideo auf Youtube entschieden?

Um die jüngere Zielgruppe zu erreichen, müssen wir ihre Sprache sprechen. Deutschrap schien uns dafür ein legitimes Mittel. Bei der Suche nach einem talentierten Künstler aus Heidenheim fiel die Wahl schnell auf Philip Matas. Youtube wählten wir, weil das soziale Medium zum einen gut für dieses Videoformat geeignet ist und zum anderen vermehrt von der Zielgruppe genutzt wird.

In welchem Umfang war die Stadt an der Produktion beteiligt?

Die Stadt hatte die Idee, suchte sich dazu einen Künstler und einen Produzenten und finanzierte das komplette Vorhaben. Mit dem Videodreh beauftragten wir die Agentur Dreamland aus Heidenheim. Der Songtext entstand in Zusammenarbeit mit Stadt und Philip Matas. Der Sound wurde vom Produzenten Amain Johnson komponiert.

Was erhofft sich die Stadt Heidenheim von diesem Projekt?

Wir streben nach einem Imagewechsel in der Bevölkerung und hoffen, dass irgendwann ein Umdenken stattfindet, sodass man die Zigarette nicht mehr achtlos wegwirft und neue Gebäude nicht mehr mutwillig zerstört.

Gibt es schon erste Effekte?

Positive Effekte lassen sich schwer messen. Wir beobachten jedoch, dass dem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Durch anhaltende Aktionen wollen wir diese Aufmerksamkeit aufrecht erhalten.

Ist die Stadtverwaltung zufrieden mit der Resonanz?

Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz und dankbar um die Zusammenarbeit mit Philip Matas und Amain Johnson. Wir sind die wohl erste Stadtverwaltung Deutschlands mit eigenem Rap. Darauf kann man stolz sein.

Gibt es Pläne, dieses Format beizubehalten?

Der Rap ist sicherlich nicht das Ende unserer „Schluss mit schmutzig“-Kampagne.

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