„Hotspot“ - Der Begriff ist seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in den Nachrichten präsent wie kaum ein anderer. Gemeinden mit hohen oder rasant steigenden Infektionszahlen werden auf der Landkarte eingefärbt. Müsste man bezogen auf Deutschrap und die Dichte an Künstlern eine solche Karte erstellen, die Hotspots wären schnell aufgezählt: Hamburg, Frankfurt am Main, Stuttgart und allen voran Berlin wären dunkelrot. Das verwundert nicht. Es ist nichts Neues, dass Urbanität und das multikulturelle Leben der Großstadt junge Musiker anzieht und inspiriert. Doch neben diesen Metropolen hat sich im tiefsten Schwabenland das beschauliche Bietigheim-Bissingen auf der Deutschrap-Landkarte etabliert. Denn aus der Kreisstadt mit den im Vergleich zu den genannten Großstädten gerade einmal 43 227 Einwohnern stammen drei Künstler, welche zu den ganz Großen im Game gehören. Shindy, Bausa, und als jüngster der drei RIN. Letzterer hat am 14. Januar seine neue Single „Dirty South“ released.

Stichwort Vibe

„Ihr wollt den Vibe back? Gut dann mach‘ ich Rap“. Allein diese Line spricht für sich und würde für Beschreibung des Tracks genügen. Seine Fans wüssten selbst ohne Hören des Songs, was sie da erwartet. Für alle, auf die das nicht zutrifft, eine kurze Zusammenfassung: RIN, bürgerlich Renato Simunovic, ist ein Meister, wenn es darum geht, mit sehr simplen Texten und oftmals wie aus dem Zusammenhang gerissenen wirkenden Lines klare Bilder und starke Emotionen zu kreieren. Stichwort Vibe. Das ist sein Talent und Alleinstellungsmerkmal, und er hat damit nicht erst seit seinem 2019 erschienenen Album „Nimmerland“ Erfolg.

Die Liebe zur Kleinstadt

Prägendes Motiv, welches sich quer durch seine Songs zieht, ist sein Heimatbezug. So auch in „Dirty South“ wenn es heißt „kleine Stadt, huge Hits“ oder auch „wir gehen hier nie wieder weg“. Der Beat erinnert sehr an seinen Song „Vintage“, ähnlich laut, ähnlich mächtig, passend zum Songtitel etwas dreckiger und rougher. Das Musikvideo kommt mit jeder Menge Effekte á la Blitzen und Ufos sehr futuristisch daher.

Zu hoffen ist, dass das ein Hinweis auf ein neues Album in nicht allzu ferner Zukunft ist. Als Gast in dem Podcast-Format „Gemischtes Hack- 5 schnelle Fragen an“ im Oktober klang er was das anging ziemlich vielversprechend. So oder so, mit „Dirty South“ hat er wie so oft abgeliefert, und die Line „Liefer' euch die Hits – Deliveroo“ mal wieder untermauert. Zu hoffen bleibt, dass RIN seine Energie auch bald wieder in volle Konzerthallen bringen kann, und es dann auch endlich wieder live heißt: Oh Junge!

Youtube RIN released Single „Dirty South”