Bolheim / Patrick Vetter Ob Veganer, Waldorfschüler oder Soziologie-Studenten: Manche Menschengruppen müssen sich ständig gegen Vorurteile wehren. In dieser NOISE-Serie geben sie Kontra.

Dana Feiler aus Bolheim ist 17 Jahre alt, Waldorfschülerin und steht kurz vor dem Abitur. NOISE gegenüber stellt sie sich typischen Vorurteilen, mit denen Waldorfschüler häufig konfrontiert werden.

„Auf der Waldorfschule muss man Bäume umarmen.“

Das ist ein absoluter Irrglaube. Nur weil es Waldorfschule heißt, und das Ganze von manchen deshalb mit Wald und Natur assoziiert wird, umarmt man dort noch lange keine Bäume.

„Waldorfschüler bekommen keine Noten.“

Falsch. An der Waldorfschule bekommt man genauso wie an Staatsschulen Noten, aber eben zu einem etwas späteren Zeitpunkt. Zuvor erhält man in Worten ausformulierte Beurteilungen, aus denen man aber leicht seine Note herauslesen kann. Dadurch ist eine differenziertere Selbstreflexion möglich.

„Abitur kann man an einer Waldorfschule keines machen – zumindest kein echtes.“

Das stimmt nicht. Alle Abschlüsse, die man an der Waldorfschule machen kann, sind staatlich anerkannt.

„Auf der Waldorfschule gibt es keine Naturwissenschaften.“

Falsch!

„Rechte Winkel gibt es im ganzen Schulhaus nicht.“

Das mag vielleicht auf den ersten Blick so scheinen, ist aber trotzdem nicht richtig. Man muss nur gut genug nach ihnen suchen.

„Eurythmie? Das ist doch das mit dem Namen tanzen.“

Ziel der Eurythmie ist es nicht, am Ende des Tages seinen Namen tanzen zu können. Es geht vielmehr darum, sich durch Bewegung und seinen Körper auf verschiedene Weise auszudrücken. Ob zu Musik oder zum gesprochenem Wort. Man lernt dabei auch seine körperlichen und geistigen Hemmungen und Grenzen abzulegen, um sich freier bewegen beziehungsweise ausdrücken zu können.

„An der Waldorfschule kann man mit viel weniger Druck lernen.“

In der Unterstufe ist es tatsächlich so, dass auf den Schülern deutlich weniger Leistungsdruck lastet. Die Vorstellung, dass das bis zum Abschlussjahr so bleibt, ist allerdings nicht richtig. Man könnte den Druck über die Jahre mit einer exponentiell steigenden Kurve vergleichen, denn Richtung Ende der schulischen Laufbahn stellen sich einem immer mehr Herausforderungen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, um diese zu bewältigen.

„Waldorfschüler sind super Musiker und Schauspieler.“

Waldorfschüler zu sein bedeutet selbstverständlich nicht, automatisch den besten Musiker und Schauspieler zu verkörpern. Die Waldorfschule bietet aber viele Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten in verschiedensten Gebieten zu testen, weiterzubilden oder völlig neue Interessen und Talente zu entdecken. Musik- und Theaterprojekte sind fest in die Schullaufbahn integriert. Das stärkt indirekt natürlich auch die Selbstsicherheit.

„Durch die Waldorfschule kommt jeder, denn sitzen bleiben kann man sowieso nicht.“

Es stimmt zwar, dass man als Schüler in der Waldorfschule nicht sitzen bleiben kann. Das bedeutet aber nicht, dass man sich nicht anstrengen muss, um dran zu bleiben. Am Ende der Schulzeit erwartet jeden Waldorfschüler ein Abschluss, der keinesfalls geringere Ansprüche an den Prüfling hat, als an anderen Schulen auch. Es gilt auch ohne das Risiko, sitzen zu bleiben, zu lernen auf was es am Ende ankommt.

„Waldorfschüler glauben an Waldgeister, Übernatürliches und Märchen.“

Ist es denn so falsch, sich als Kind für Fantasie und Märchenhaftes begeistern zu lassen und bis zu einem gewissen Alter an Waldelfen und Co. zu glauben? Ich finde nicht. Und das gilt nicht nur für Waldorfschüler. Denn jeder hatte in seiner Kindheit sicher mal eine Phase, in der man übernatürlichen Erzählungen Glauben geschenkt hat. Man sollte sich immer bewusst machen, dass auch Waldorfschüler nicht hinter dem Mond leben.