Nattheim / Patrick Vetter Ob Veganer, Waldorfschüler oder Soziologie-Studenten: Manche Menschengruppen müssen sich ständig gegen Vorurteile wehren. In dieser NOISE-Serie geben sie Kontra.

Tom Baamann aus Nattheim ist 21 Jahre alt, Zweiradmechaniker und leidenschaftlicher Schrauber und Biker. NOISE gegenüber stellt er sich typischen Vorurteilen, mit denen Motorradfahrer häufig konfrontiert werden.

„Motorradfahren ist viel zu gefährlich.“

Tom Baamann: Motorradfahren kann natürlich gefährlich sein. Selbst wenn man besonnen und überlegt handelt, bleibt ein Restrisiko. Das kann man aber stark minimieren. Und geht man an alles mit dem Gedanken heran, dass es zu gefährlich sein könnte, kann man sich direkt in ein Zimmer einschließen und nicht mehr herauskommen.

„Biker halten sich an keine Verkehrsregeln.“

Dass man ab und zu etwas zügiger mit dem Motorrad unterwegs ist, ist wohl wahr. Aber gerade als Motorradfahrer sollte man sich an die Regeln des Straßenverkehrs halten, da man im Zweifelsfall immer den Kürzeren zieht.

„Der Sport ist umweltschädlich. Es wird zum Spaß Benzin verbrannt.“

Dass Motorradfahren umweltschädlich ist, steht außer Frage. Allerdings ist die Sparte Zweiräder in der CO2-Bilanz eines der kleinsten Probleme. Außerdem sind ja unter anderem hierfür Menschen meines Berufsstandes zuständig. Um die Bilanz immer weiter zu verkleinern und möglicherweise Alternativen zu finden.

„Motorsportlern ist die Umwelt sowieso egal.“

In Zeiten von Greta Thunberg machen sich viele PS-Begeisterte gerne einen Spaß aus der aktuellen Lage der Umwelt. Mir persönlich ist die Umwelt nicht egal. Ich denke nur, man sollte dieses Thema als großes Ganzes betrachten. Von heute auf morgen wird die Weltbevölkerung nicht aufhören, der Umwelt zu schaden.

Ein Bewusstsein für das Thema zu entwickeln und darauf einzugehen ist aber schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Daher versuche ich, mich eben in anderen Bereichen des Alltags umweltbewusster zu verhalten und einen Ausgleich zu schaffen.

„Biker sind auch ein Risiko für andere Verkehrsteilnehmer.“

Andere Verkehrsteilnehmer sind ein Risiko für Biker. Die meisten Unfälle, in die Motorräder verwickelt sind, passieren, weil Motorradfahrer übersehen werden. Als Biker hat man die geringere Knautschzone und ist somit fast immer der Leidtragende.

„Junge Leute fahren oft zu dicke Maschinen, mit denen sie nicht umgehen können.“

Das war eventuell früher mal so. Mit den aktuellen Stufenführerscheinen von A1 über A2 bis zum unbeschränkten A-Führerschein ist genau geregelt, dass junge Motorradfahrer auf kleineren Maschinen das Fahren lernen und frühestens mit vier Jahren Erfahrung oder ab dem 25. Lebensjahr unbeschränkt jedes Motorrad fahren dürfen.

„Beim Motorradfahren geht es nur um den Kick und das Adrenalin.“

Meiner Meinung nach gehört Adrenalin klar dazu. Aber bedenkt man die enorme Vielfältigkeit des Bewegens verschiedener Zweiräder, geht es ganz klar um mehr. Man sieht die Welt auf einem Zweirad einfach durch andere Augen.

„Echte Biker gehören zu einer Motorradgang.“

Eine Gang finde ich eher belustigend. Allerdings ist es so, dass sich alle Motorradfahrer, egal ob Chopper- oder Supersportler-Fahrer, als eine Art große Gemeinschaft sehen. Man grüßt sich, auch wenn man sich nicht kennt. Man tauscht sich aus und teilt eben die Leidenschaft.

„In jeder Schrauberwerkstatt hängen Erotikkalender.“

Da kann ich nicht mehr dazu sagen, als dass das wohl der Wahrheit entspricht...

„Sich im Stau nach vorne drängeln gehört verboten.“

Jeder der das behauptet, sollte sich mal im Sommer bei 38 Grad in voller Motorradmontur in einen Stau stellen und dabei über 80 Grad unterm Hintern haben.