Ziemlich versteckt im Gewerbegebiet „Brühlwiesen“ liegt das Tuning-Reich von Serhat Duran. Das hat einen bestimmten Grund: Die 2017 eröffnete Werkstatt ist bis heute nur eine Nebentätigkeit. Wäre sie auffälliger, würde Serhat nicht mehr alle Anfragen wahrnehmen können.

Was genau bedeutet Auto-Tuning für dich?

Für mich heißt das, ein Standardfahrzeug, welches man im Werk kaufen kann, individuell zu gestalten und zu personalisieren und ihm meine eigenen Werte zu geben. Bei älteren Fahrzeugen verändere ich eher das Aussehen, bei neuen Autos dann aber auch mal etwas an der Leistung.

Du hast dir das Auto-Tuning selbst beigebracht. Wie hast du dir das alles angeeignet?

Angefangen habe ich damit schon von klein auf. Mein Bruder ist KFZ-Meister und mein Vater hat sich auch schon seit ich klein bin viel mit Autos beschäftigt, deshalb war mein Interesses schon immer sehr groß. Meine Ausbildung hatte dann zwar nichts mit Autos zu tun, dafür habe ich mich in meiner Freizeit umso mehr damit beschäftigt. Ich habe mich auf Foren im Internet schlau gemacht, bei Freunden und Familie nachgefragt und auch mit Hilfe des ein oder andere YouTube-Tutorials gelernt. Ich habe mir dann immer wieder Autos gekauft, die ich cool fand, habe sie aufgetuned und dann für den gleichen Preis oder sogar teurer verkauft.

Serhat Duran hat eine eigene Tuning-Werkstatt in Heidenheim und ist mit seinem Instagram-Account erfolgreich.
Serhat Duran hat eine eigene Tuning-Werkstatt in Heidenheim und ist mit seinem Instagram-Account erfolgreich.
© Foto: Dennis P. Straub

Du hast 2015 mit einem deiner Autos sogar einen Wettbewerb beim „Mercedes-Tuner-Magazin“ gewonnen. Wie lief das ab und was war der Preis?

Da habe ich einfach spontan mitgemacht. Das Bild mit den meisten Likes konnte ein Fotoshooting für sein Auto gewinnen. Deshalb habe ich mich an die HZ gewendet und gefragt, ob sie mich unterstützen könnten, was sie dann auch gemacht haben. Dadurch sind die Likezahlen durch die Decke gegangen und ich habe schlussendlich den Wettbewerb gewonnen. Als der Redakteur vom Magazin dann für das Fotoshooting gekommen ist, war er so überzeugt von meinem Auto, dass er zusätzlich zum Fotoshooting noch ein Interview im Magazin veröffentlicht hat. Das Fahrzeug hat dann auch echt die Runde gemacht, war in vielen Foren und auf Google sehr weit oben. Ich habe dann immer Nachrichten von Freunden bekommen die gesagt haben „schau hier wurde dein Auto auch hochgeladen!“. Richtig krass!

Und wann hast du dich dazu entschieden deine „Benz Works Germany“-Werkstatt zu eröffnen?

Die Werkstatt habe ich Ende 2017 eröffnet. Davor habe ich immer in meiner Garage gearbeitet und so Standardsachen wie Felgen, Fahrwerk und kleine Details verändert. Ich hatte aber keine Hebebühne, deshalb waren meine Möglichkeiten auch begrenzt. Irgendwann habe ich dann eine größere Garage gemietet. Das Ganze war anfangs rein hobbymäßig, meine Vision war aber schon immer, das alles größer aufzuziehen und als Nebentätigkeit zu machen. Irgendwann habe ich mir dann diese größere Garage gekauft und zwei Teilwerkstätten eingerichtet. Da ich eigentlich mit Mercedes Benz großgeworden bin, habe ich mich bei der Tuning-Werkstatt für den Namen „Benz Works Germany“ entschieden. „Rad Reifen“, also das andere Teilgeschäft, ist eher so ein regionales Geschäft, bei dem ich dann einfach Räder wechsle.

Serhat Duran hat eine eigene Tuning-Werkstatt in Heidenheim und ist mit seinem Instagram-Account erfolgreich.
Serhat Duran hat eine eigene Tuning-Werkstatt in Heidenheim und ist mit seinem Instagram-Account erfolgreich.
© Foto: Dennis P. Straub

Du hast auch einen ziemlich erfolgreichen Instagram-Account. Wie kam der zustande und wie läuft der heute?

Als ich mir einen Namen für die Werkstatt gesucht habe, habe ich erst einmal einen Instagram-Account eröffnet, ohne einen wirklichen Plan zu haben, wohin das ganze führen soll (*lacht*) Ich habe dann damit angefangen, alte Mercedes-Modelle zu modifizieren und davon Bilder und Videos zu machen und auf dem Account zu posten. Das kam sehr gut an und die Followerzahlen stiegen immer weiter an.

Dann habe ich mich für Marketing interessiert, habe mich auch da schlau gemacht und verschiedene Marketing-Modelle ausprobiert, die sehr gut angekommen sind. Inzwischen habe ich auf Instagram knapp 15 000 Abonnenten.

Neben dem Instagram-Account verkaufe ich deshalb jetzt auch T-Shirts und die verschicke ich tatsächlich in die ganzen Welt. Schon cool zu wissen, dass irgendein Typ in Thailand oder Russland jetzt eines meiner T-Shirts trägt. Allgemein dieses internationale Geschäft macht mittlerweile echt Spaß.

Hast du dann auch Kunden, die nur wegen des Accounts zu dir in die Werkstatt kommen?

Also eher wegen des Gesamtpakets. Sie sehen die Bilder auf meinem Account und ihnen gefällt die Art, wie ich die Autos umbaue und sie kommen deswegen zu mir. Mein Stil ist eher dezent, ich will nicht die Autos von unten bis oben umbauen. Ich verändere die Autos so, dass man auf den ersten Blick gar nicht sieht, dass sie umgebaut sind. Ich mache leichte Modifikationen, die dann am Ende das Gesamtbild ändern. Die meisten kommen zu mir, weil sie neue Felgen oder neue Reifen wollen, aber auch Fahrwerke verändere ich oft.

Was für Autos modifizierst du?

Es sind sowohl ältere als auch neuere Autos, die in meine Werkstatt kommen. Ältere bereite ich meistens wieder auf, ich habe auch Autos die lange irgendwo herumgestanden sind und jetzt wieder fahrtauglich gemacht werden müssen. Kunden mit ganz neuen Autos kommen eigentlich selten zu mir und wenn dann nur, weil sie andere Felgen wollen. Allgemein kann man aber sagen, dass ich die Autos, egal ob alt oder neu, nicht komplett umbaue. Standard sind hier Felgen, Fahrwerk und vielleicht noch Folie. So komplette Umbauten sind in unserer Region auch eher selten.

Planst du, die Werkstatt irgendwann zu deiner Hauptbeschäftigung zu machen?

Nein. Momentan habe ich ja noch keine Mitarbeiter, sondern meine Freunde helfen mir immer aus. Mein Plan ist es, irgendwann richtige Angestellte zu haben, vielleicht auch mit meinem Bruder zusammen, und ich dann quasi neben meiner eigentlichen Arbeit der Manager von dem Ganzen bin und mich um das Marketing, die Lieferantenauswahl und solche bürokratischen Dinge kümmere, daran hab ich in den letzten Jahren nämlich richtig Spaß gefunden.