Nach dem Abschluss erst mal abschalten: raus aus Deutschland, ab ins Ausland und alles machen außer in der Schule sitzen. Für viele Schüler ist das der Traum nach jahrelangem Ackern und Lernen in der Schule.

Egal ob Work and Travel, eine Weltreise oder ein FSJ im Ausland: Hauptsache etwas, bei dem man eher seinen Körper als seinen Kopf anstrengen muss und bei dem man gleichzeitig noch viel erleben und viele Erfahrungen sammeln kann. Doch was machen Schulabgänger, wenn auf einmal eine weltweite Pandemie herrscht und alle Grenzen geschlossen werden? Wie ergeht es denen, die bereits 2019 ihr Auslandsjahr angetreten haben und noch im Ausland sind? Und wie geht es für diejenigen weiter, die schon den Auslandsaufenthalt geplant hatten und jetzt nicht reisen dürfen?

Lara Kaipf – Abitur 2020

„Ich habe dieses Jahr mein Abi gemacht und mir war von vorne rein klar, dass ich nicht direkt anfangen werde zu studieren oder zu arbeiten. Ich wollte erst mal ein Jahr „Pause“ machen und Erfahrungen sammeln. Mein Plan war es, ins Ausland zu gehen, da ich so eine Chance und so viele Auswahlmöglichkeiten nie wieder haben werde. Eine Idee war, nach Frankreich oder Kroatien zu Verwandten zu fahren, um dort ein Praktikum zu machen oder Geld zu verdienen. Außerdem hatte ich mich für die EXPO 2020 beworben, die Weltausstellung in Dubai, um dort als Hostess zu arbeiten. Aufgrund von Corona war es aber eben nicht möglich, ins Ausland zu gehen, deshalb habe ich mich für verschiedene Praktika beworben. Jedoch hat mir auch da Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht, da die meisten Firmen keine Praktikanten mehr angenommen haben. Jetzt helfe ich meiner Mama in ihrem Modeladen und versuche nebenbei verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten zu machen. Ich glaube auch, dass es die richtige Entscheidung war, hier in Deutschland zu bleiben, da man eben noch nicht absehen kann, wie lange das Ganze noch andauern wird. Jetzt hoffe ich einfach, dass ich wenigstens mein Studium nächstes Jahr ohne Probleme antreten kann.“

Lara Kaipf hat im Sommer ihr Abitur gemacht und Corona hat ihr einen strich durch ihre Planung gemacht. Dennoch glaubt sie, dass es die richtige Entscheidung war in Deutschland zu bleiben. Sie hofft, dass sie ihr Studium im nächsten Jahr ohne Probleme antreten kann.
Lara Kaipf hat im Sommer ihr Abitur gemacht und Corona hat ihr einen strich durch ihre Planung gemacht. Dennoch glaubt sie, dass es die richtige Entscheidung war in Deutschland zu bleiben. Sie hofft, dass sie ihr Studium im nächsten Jahr ohne Probleme antreten kann.
© Foto: Privat

Jeanin Thiele – Abitur 2020

„Mein Plan war es, als Au-pair nach Amerika zu gehen. Ich hatte schon eine Familie in New York gefunden, zu der ich Anfang August geflogen wäre. Ich habe die Reise dann aber nicht angetreten, zum einen war ich mir unsicher wegen Corona, zum anderen war mir das Land nicht mehr so sympathisch, da gerade zu dieser Zeit dort eben alles drunter und drüber ging. Außerdem gab es dann auch von Seite der Regierung einen Einreisestopp für Au-pairs, der vermutlich auch bis zum neuen Jahr nicht aufgehoben wird. Ich wollte eigentlich für 2 Jahre als Au-pair arbeiten, da ich noch nicht wusste was ich überhaupt studieren soll. Außerdem wollte ich, bevor ich wieder in der Schule sitzen und lernen muss, etwas von der Welt sehen, ein bisschen abschalten und auch auf mich alleine gestellt sein. Da aber daraus eben nichts geworden ist, mache ich jetzt ein FSJ im Kindergarten. Trotzdem will ich, sobald wieder die Möglichkeit besteht, die Reise antreten, wenn auch nur für ein Jahr. Ich weiß jetzt auch schon eher, was ich studieren möchte. Darum werde ich mich dann auch dieses Jahr noch kümmern, damit ich dann nach meinem Auslandsjahr direkt anfangen kann zu studieren.“

Jeanin Thiele wollte jetzt eigentlich in Amerika sein, um als Au-Pair zu arbeiten. Stattdessen macht sie jetzt ein FSJ im Kindergarten.
Jeanin Thiele wollte jetzt eigentlich in Amerika sein, um als Au-Pair zu arbeiten. Stattdessen macht sie jetzt ein FSJ im Kindergarten.
© Foto: Privat

Julia Böhm - Abitur 2020

„Ich wollte Mitte Oktober nach Neuseeland und entweder in einer Kindereinrichtung arbeiten oder in Richtung Naturschutz mithelfen, so genau hatte ich das noch nicht geplant und ich war offen für alles. Ich habe dann aber nicht mehr weitergeplant, als das mit Corona losging, da man ja aufgrund des Lockdowns nicht reisen konnte. Mein Plan war, dass ich nach dem Abitur direkt anfange zu arbeiten, dann im Oktober aufhöre und ins Ausland gehe. Als das dann eben nicht möglich war, habe ich einfach weitergearbeitet. Studieren war für mich keine Option, da ich mir mit der Wahl meines Studiums noch nicht sicher bin, da ich zwischen zwei Studiengängen schwanke. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, verschiedene Praktika zu machen und erst später anfange zu studieren.“

Julia Böhm wollte eigentlich Mitte Oktober nach Neuseeland reisen. Nun bereitet sie sich mit verschiedenen Praktika auf ihr Studium vor.
Julia Böhm wollte eigentlich Mitte Oktober nach Neuseeland reisen. Nun bereitet sie sich mit verschiedenen Praktika auf ihr Studium vor.
© Foto: Privat

Franka Zentner – Abitur 2019

„Ich bin Anfang des Jahres nach Australien geflogen, als noch gar nichts mit Corona war, um dort als Au-pair zu arbeiten. Mein Plan war dann, ab Mitte August zu reisen. Als dann der Lockdown im März sowohl in Deutschland als auch in Australien war, konnte ich dort überhaupt nichts mehr machen und auch meine Freundin, die eigentlich mit mir zusammen reisen wollte, konnte dann nicht kommen. Deshalb mussten wir alles umplanen, die Flüge stornieren und auch ich habe dann meinen Rückflug für August gebucht. Dann wurde in Australien wieder alles gelockert, weil es dort nur noch sehr wenige Fälle gab. Deshalb bin ich dann doch noch drei weitere Monate geblieben, worüber ich echt glücklich bin. Ich würde deshalb sagen, dass Corona meine Pläne nicht komplett umgeworfen hat, sondern mich nur im Reisen eingeschränkt hat. Ich glaube auch, dass es sehr viele sehr viel schlechter getroffen hat als mich.“

Franka Zentner ist Anfang des Jahres nach Australien geflogen. Sie hatte Glück und konnte das Land erkunden, wenn auch etwas eingeschränkt.
Franka Zentner ist Anfang des Jahres nach Australien geflogen. Sie hatte Glück und konnte das Land erkunden, wenn auch etwas eingeschränkt.
© Foto: Privat

Hannah Laib – Abitur 2019

„Nach dem Abitur habe ich einen Freiwilligendienst in Ghana gemacht und dort in einer Ausbildungsstätte unterrichtet und den Lehrern dort unter die Arme gegriffen. Ich bin im August dorthin geflogen und wollte für 11 Monate bleiben. Letztendlich war ich aber doch nur 7 Monate, eben aufgrund von Corona. In Ghana selbst habe ich jedoch nicht viel vom Coronavirus mitbekommen, nur über die Nachrichten und über Freunde und Bekannte wurde ich darüber informiert, wie die Lage in Deutschland ist. Irgendwann wurden dann jedoch auch in Ghana die Schulen, Unis und Kirchen geschlossen, und auch in meiner Schule wurden dann alle Schüler nach Hause geschickt. Erst dachte ich, es wäre trotzdem noch sicher in Ghana und es gibt keinen Grund, den Auslandsaufenthalt abzubrechen, doch dann haben wir erfahren, dass unsere Organisation alle zurück nach Deutschland holt. Das war total schlimm für mich, da es in Ghana zu dieser Zeit nur ganz wenige Fälle gab und ich einfach noch nicht nach Hause wollte. Die Organisation hat sich dann um unsere Flüge gekümmert, deshalb mussten wir so schnell wie möglich packen, uns von den Leuten verabschieden und in die Hauptstadt fahren. Auf dem Rückflug haben wir dann erfahren, dass wir im vorletzten Flieger sitzen, der von Ghana aus fliegt. Als ich zurück in Deutschland war, war ich auch echt unglücklich, weil ich eigentlich noch die restlichen 4 Monate in Ghana verbringen wollte. So habe ich jetzt eben noch ein paar Monate gearbeitet und habe dann im Oktober wie geplant mein Studium begonnen.“

Hannah Laib hat dem Abitur 2019 einen Freiwilligendienst in Ghana angetreten und musste diesen frühzeitig Abbrechen. Die Zeit bis zum Semesterbeginn im Oktober hat sie dann mit Arbeiten überbrückt.
Hannah Laib hat dem Abitur 2019 einen Freiwilligendienst in Ghana angetreten und musste diesen frühzeitig Abbrechen. Die Zeit bis zum Semesterbeginn im Oktober hat sie dann mit Arbeiten überbrückt.
© Foto: Privat

Paul Hasenmaier – Abitur 2019

„Ich bin im November 2019 mit meiner Freundin nach Neuseeland geflogen und wir wollten dort bis August 2020 Work and Travel machen. Als dann das Coronavirus auch in Neuseeland immer präsenter wurde haben wir uns anfangs dafür entscheiden, in Neuseeland zu bleiben. Dann kam aber auch dort der Lockdown und wir konnten nichts mehr machen, außer zu Hause zu bleiben. Deshalb haben wir uns dann doch dafür entschieden, bereits im April wieder zurück zu fliegen. Die Rückreise war jedoch ziemlich kompliziert und es war fast unmöglich, einen Flug zu bekommen. Deshalb haben wir uns bei der Rückholaktion angemeldet, mussten davon letztendlich aber keinen Gebrauch machen, da wir dann doch selbst einen Flug gefunden haben. Als wir dann zu Hause waren, mussten wir natürlich in Quarantäne, im September habe ich dann aber wie geplant mein Studium begonnen. Die Entscheidung, das Auslandsjahr abzubrechen, bereue ich nicht, nachdem ich gesehen habe, wie sich das Ganze weiterentwickelt hat.“

Paul Hasenmaier ist November 2019 mit meiner Freundin nach Neuseeland geflogen um dort bis August 2020 Work and Travel zu machen. Die Rückreise mussten die Beiden etwas früher antreten und haben aber nun ihr Studium begonnen.
Paul Hasenmaier ist November 2019 mit meiner Freundin nach Neuseeland geflogen um dort bis August 2020 Work and Travel zu machen. Die Rückreise mussten die Beiden etwas früher antreten und haben aber nun ihr Studium begonnen.
© Foto: Lena Rehm