Berlin war, ist und wird immer einer der Hotspots für Deutschrap sein. Doch spätestens seit Pashanims Chartstürmer „Airwaves“ sollte jedem bewusst sein: Die Rapszene der Hauptstadt erlebt einen neuen Boom. Eine neue Generation von Künstler*innen kommt da aus dem Underground, mit neuen Vibes und Ideen, gepaart mit jeder Menge Kreativität. Kasimir1441 und Chapo102 sind zwei dieser jungen Wilden. Am 9. September veröffentlichten die beiden ihr Kollabo-Album „Rotzlöffel“.

Der Name ist Programm

Der Titel ist ein Vorgeschmack auf das, was da inhaltlich in den insgesamt zwölf Tracks auf eine*n zukommt. Kasimir1441, aufgewachsen in Steglitz, hat auf seiner im Juni veröffentlichten „Kickdown-EP“ deutlich gezeigt, was seine persönliche Definition von Rap ist: Hart, ehrlich und aggressiv, transportiert durch eine unfassbar raue Stimme. Nicht grundlos wird er gerne als deutscher 6ix9ine bezeichnet.

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Chapo102, Mitglied der 102 Boyz aus dem beschaulichen Leer in Ostfriesland, mittlerweile wohnhaft in Berlin, rappt wie sein Kollabo-Partner auch meistens „straight in your face“. Diese Attitüde transportiert die Platte insgesamt in den meisten Songs. Schon die Single-Auskopplung „Dicke Bahn“ gemeinsam mit Chapos Crew-Kollege Stacks102 machte klar, worum es den beiden thematisch geht: Hood-Alltag, Konsum von Drogen aller Art, und jede Menge fucks auf jegliche Konventionen oder Verpflichtungen. Rotzlöffel eben. Diese Linie zieht sich quer durch das Album, wer kein Fan von lautem Rap im Straßenjargon ist, der wird spätestens nach „FUFFIS“ die Stop-Taste drücken.

Inmitten dieser vor Testosteron nur so sprühenden Tracks ist „WACH“ als Heartbreak-Song eine Ausnahme und vielleicht das heimliche Highlight dieses Straßenrap-Albums. Chapo rappt gefühlvoll „Ich komm' nicht klar mit mir selbst, doch ich komm' klar auf dich, Babe“. Und wenn Kasimir mit gebrochener rauer Stimme „Und ich halt' mich wach, viele Bitches um mich herum; Ja, ich fahr' uns durch die Nacht, Babe, vielleicht bring' ich uns um“ singt, ist das, gerade weil man ihn nur aggressiv und laut kennt, einfach unfassbar authentisch.

Bad Boys mit Heartbreak.

Bitte mehr davon Jungs!

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