Expressiv, facettenreich, und trotz einer beträchtlichen Fanbase schwingt immer das Gefühl mit, der Typ befindet sich in sehr fernen Sphären: Die Rede ist von Yung Hurn.

Müsste man in der deutschen Schauspielwelt einen ähnlichen Charakter finden, die Wahl würde ohne großen Zweifel auf Lars Eidinger fallen. Beide schaffen es immer wieder, sich völlig neu aber trotzdem überzeugend und authentisch zu erfinden. Da verwundert es nicht weiter, dass sich die beiden auch privat gut verstehen, und Eidinger schon 2017 einen Gastauftritt als weinender Keyboardspieler im Musikvideo zu Hurns Single „Diamant“ hatte.

Ein musikalischer Diamant

Am 5. November hat der 25-Jährige seinen neuen Track „Nichts mehr fühlen“ released. Und dieser darf durchaus als musikalischer Diamant bezeichnet werden.

Eines vorweg. Yung Hurn, bürgerlich Julian Sellmeister, ist niemand, der seine Musik für den Mainstream und potentielle Plätze in Radio-Playlists macht. War „Diamant“ durch seinen 80’s Vibe noch relativ salonfähig, sind Songs wie „FDP“ oder „Pony“ nur hörbar, wenn man diesen Film wirklich selber fühlt, oder, falls nicht, einfach mal darüber schmunzeln möchte, was denn so alles unter „Musik“ verstanden werden kann. Auf „Nichts mehr fühlen“ trifft das glücklicherweise nicht zu.

Ein Rapp über sein gebrochenes Herz

Auf einen sehr simplen, aber dennoch melodischen Beat rappt der gebürtige Wiener über sein, wie der Titel schon vermuten lässt, gebrochenes Herz. Im Musikvideo sieht man Hurn passend zu der Line „Fahr' schnell, fahr' schnell durch die Innenstadt; Autos schauen aus wie in GTA; Lichter scheinen meine Augen an“ in Unterhemd und mit Truckercap in einem Ferrari umhercruisen.

Die Frau, weshalb sich Hurn „wie in Trance“ und „nur Schmerz fühlt“, ist in kurzen schwarz-weis Schnittfolgen und nur schemenhaft reitend und später auch zusammen mit Hurn noch in gemeinsamen Zeiten auf einer Wiese zu sehen, wo er später allein ziellos umherstreift.

Eine eigene subtile Ästhetik

Gerade das Video kreiert eine ganz eigene subtile Ästhetik, was die Message des Songs nochmal zusätzlich pusht.

Einen solchen Kultstatus wie Falco, einer seiner musikalischen Vorbilder, hat Yung Hurn zwar noch nicht, aber vielleicht ist „Nichts mehr fühlen“ ein weiterer kleiner Meilenstein auf dem Weg dahin.

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