Herzlichen Glückwunsch, Jan. Du bist zweitplatzierter bei den Herren der diesjährigen HZ-Sportlerwahl. Was bedeutet die Platzierung für dich?

Ich freue mich natürlich sehr über diese Auszeichnung. Damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Es macht mich stolz, dass am Ende so viele ihre Stimme für mich abgegeben haben. Das zeigt mir, dass sich tatsächlich einige dafür interessieren, was ich mache und das auch gut finden.

Seit wann stehst du schon auf den Brettern?

Zum ersten Mal auf Ski stand ich mit zwei Jahren und mit dem Skispringen habe ich mit fünf Jahren bei einem Schnuppertraining im Sommer angefangen. Das war in Wiesensteig, dort bin ich dann auch zum ersten Mal über die K20 (kleine Schanze) gesprungen.

Wie wurde das Skifahren zu deiner Leidenschaft und wie bist du zu der nordischen Kombination gekommen?

Ich stand schon immer gerne auf Skiern, egal ob Alpinski, Langlaufski oder auch Sprungski. Die Leidenschaft war also schon im frühen Kindesalter vorhanden. So richtig zur Nordischen Kombination habe ich dann erst als Schüler gefunden. Man macht als Skispringer die Langläufe und Crossläufe immer mit. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich auch dort meine Stärken habe und es dann zu meiner Hauptsportart gemacht.

Springst oder Läufst du lieber?

Das ist immer formabhängig. Grundsätzlich mache ich beides sehr sehr gern. Sonst hätte ich mich ja auch nicht für die Sportart entschieden. Nur an Tagen, an denen das Springen oder das Laufen um einiges besser geht, macht man das natürlich etwas lieber.

Wie kann man sich dein Training vorstellen und was machst du im Sommer?

Das Training als Kombinierer ist extrem individuell. Wir trainieren unsere Sprung- und Maximalkraft im Kraftraum mehrmals die Woche. Da werden Gewichte gestemmt und Absprünge im Trockenen gemacht. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten im Bereich Koordination und Sprungimitation. Das heißt Slackline, Inliner oder auch Absprünge von wackligen Brettern.

Im Ausdauerbereich kann man natürlich sehr kreativ werden. Im Frühjahr trainieren wir auf dem Rennrad und im Sommer Joggen wir und laufen auf Skirollern.

Im Training auf der Schanze arbeiten wir viel an unserer Sprungtechnik. Das geht dann im Sommer auf Kunststoffmatten, was dem Schnee sehr ähnelt. All das wird während des Sommers so aufgeteilt, dass wir im Winter bestens für die Wettkämpfe vorbereitet sind.

Wo trainierst du am liebsten?

Über die Jahre habe ich meinen jetzigen Wohnort hier im Schwarzwald wirklich zu schätzen gelernt. Durch die dichten Tannen und Fichtenwälder zu laufen finde ich besonders schön. Jedoch muss ich zugeben, dass es daheim auf der Alb dann doch am schönsten ist. Allgemein habe ich für das Training Zuhause sehr viel übrig und finde, dass ich mich dort am Besten weiterentwickeln kann.

Wie konnte dein Training in diesem Jahr trotz Corona stattfinden?

Natürlich konnten wir nicht mehr so viel unterwegs sein und die Trainingsorte wechseln wie in den Jahren zuvor. Einige Trainingslager sind auch ausgefallen. Dennoch hatten wir immer gute Alternativen und mussten uns eben an die Situation anpassen. Letztendlich konnten wir ohne große Einschränkungen viel Zuhause und an den Stützpunkten trainiert. Das hat uns sehr erleichtert.

Wie ist dein sportliches Jahr trotz Corona gelaufen?

Ich bin im Großen und Ganzen zufrieden. Ich hatte meinen Einsatz bei der Junioren-Weltmeisterschaft und konnte wieder viel Erfahrung im Continental-Cup sammeln. Leider habe ich mich nicht so viel weiterentwickelt wie das Jahr davor. Vorallem im Springen war im vergangenen Jahr die Konstanz einfach besser. Im Laufen wiederum konnte ich mich doch weiterentwickeln. Das will ich für nächstes Jahr besser machen und nochmal einen größeren Schritt nach oben steigen.

....und Langlauf. Diese Sportart gilt als absolute Königsdisziplin bei allen Wintersportlern.
....und Langlauf. Diese Sportart gilt als absolute Königsdisziplin bei allen Wintersportlern.
© Foto: privat

Was hast du trotzdem erreichen können?

In den Alpencupserien, die für uns momentan am wichtigsten sind, konnte ich ein paar Top 10 Platzierungen erreichen. Das war gut, da die Sprünge dort nie wirklich gelungen sind und ich es meistens über das Laufen reingeholt habe.

Bei der Junioren-Weltmeisterschaft habe ich dieses Jahr den 20. Platz belegt. Damit kann man zufrieden sein. Jedoch nehme ich mir für nächstes Jahr noch mehr vor und dann auch mit einer genauen Platzierung im Kopf.

Welche Wettkämpfe haben stattgefunden?

Bei uns Kombinieren hat eigentlich fast alles stattgefunden. Sowohl nationale als auch internationale Wettkämpfe. Das lag daran, dass unser Starterfeld im Vergleich zu Langlauf oder Biathlon kleiner ist und es deshalb einfacher war, die Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Was waren besondere Highlight in deiner Skifahr-Karriere?

Als Highlights meiner Karriere bis jetzt würde ich meine beiden Starts bei den Junioren Weltmeisterschaften in Oberwiesenthal und Lahti nennen. Dazu kommt aber auch noch ein siebter Platz bei den Olympischen Jugendspielen letztes Jahr. Das war ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Was schwirrt dir vor und während einem Wettkampf durch den Kopf?

Vor dem Wettkampf versuche ich mich immer wieder zu konzentrieren, aber auch abzulenken, um nicht zu nervös oder auch unkonzentriert zu werden.

Während des Sprungs blendet man eigentlich alles aus. Man konzentriert sich voll und ganz auf die Korrekturen vom Coach und versucht diese so gut es geht umzusetzen. Der Sprung dauert ja auch nicht sehr lang, darum bleibt da ohnehin nicht viel Zeit zum Nachdenken.

Nordische Kombination ist ein Mehrkampfsport, bestehend aus Skispringen....
Nordische Kombination ist ein Mehrkampfsport, bestehend aus Skispringen....
© Foto: Jan Simon Schaefer

Beim Lauf ist das dann was anderes. Der geht rund 25 Minuten. Das ist ganz schön viel Zeit, um über Gott und die Welt nachzudenken. Meistens sind es dann aber auch irgendwelche schlechten Schlagerlieder, die man am gleichen Morgen im Radio aufgeschnappt hat und einen dann den Berg hochquälen. Und das, obwohl ich alles andere als ein Schlagerfan bin. Man kann sich denken, dass einem das auf lange Sicht dann auf die Nerven geht.

Jetzt hast du statt Training erstmal das Abitur vor dir. Bis du in der Schule genauso diszipliniert wie beim Training?

Das würde ich nicht verneinen. Die Schule war mir schon immer sehr wichtig. Außerdem möchte ich nach meiner sportlichen Karriere auch das machen können, wozu ich Lust habe. Da ist ein guter Schulabschluss jedenfalls mal eine gute Voraussetzung.

Was ist für dich das Tollste an deiner Sportart?

Das Beste ist, dass ich mich nie zwischen einer Einzel- und Mannschaftssportart entscheiden muss. Ich mache beides sehr gerne. Wenn man mal einen schlechten Tag auf der Schanze hat, kann man sich immer noch zurück kämpfen und andersherum kann man sich eine gute Ausgangsposition für den Langlauf verschaffen. Zudem finde ich, dass Umfeld einfach cool. Man hat über die ganze Welt verteilt Freunde, gegen die man ab und zu mal springt und läuft aber sonst sehr gut befreundet ist.

Was erhoffst du dir von der kommenden Saison?

Ich will nochmal in beiden Disziplinen einen großen Schritt machen, damit ich bei der nächsten Junioren-Weltmeisterschaft um die vorderen Plätze mitkämpfen kann. Wenn das gut gelingt, wäre auch der erste Einsatz im Weltcup absehbar. Mich dort zu etablieren ist langfristig gesehen mein Ziel

Wo siehst du dich in 5 Jahren?

In fünf Jahren sehe ich mich entweder im Profisport oben angekommen und als ein dauerhaftes Mitglied der Weltcupmannschaft oder mitten in einem Studium. Das wird sich in den kommenden Jahren herausstellen, wo die Reise letztendlich hinführt.

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Heidenheim