Sie würde nie einen Satz auf einfache Weise formulieren. Sie würde die Sätze nie so banal und nichtssagend aus ihrem Mund, oder aus der Feder, die sie in der Hand hält, in die Freiheit, entlassen. Das liegt an ihren Gefühlen. Sie kleidet Sätze in das Gewand ihrer Gefühle. Und die sind nie banal oder nichtssagend. Alles, was sie je sagte, fühlte sie. Was sie nicht fühlt, spricht sie nicht aus, weil sie es nicht formulieren könnte.

Es trüge kein Gewand. Man ist versucht zu glauben, die Worte wären in diesem Fall nackt, aber in Wirklichkeit wären sie nicht einmal das. Sie wären einfach nicht da - nicht existierend. Und Banalität hatte sie sowieso nie gefühlt.

Am Schönsten waren die Worte, die die Lücken bedeuteten. Das Fehlen, das Vermissen. Sie verstand es, das Nichtsagbare, das Nur-Fühlbare in ein Gefühl zu kleiden und niederzuschreiben. Das war ihre Weise, diese Lücken zu füllen. Aber das bedeutete auch, dass sie ihre Bedeutung, ihr Wesen verloren. Eine Nicht-Lücke ist nicht dasselbe wie eine Gefüllte. Sie war gefüllt, aber man konnte sie dennoch spüren. Es war eine in das Gewand des Gefühls gekleidete Lücke, die keine mehr war. Was also blieb, war nur das Gefühl einer Lücke, die von ihrem Wesen verlor.

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