Steinheim / Klaus-Dieter Kirschner Der Heimatverein hatte in Steinheims wohl ältestes Gebäude eingeladen. Mit dem Wetter hatten die Veranstalter sowohl Glück als auch etwas Pech.

Glück mit dem Wetter hatte der Heimatverein Steinheim am Sonntag, als er im Zehntstadel zu einem Tag der offenen Tür eingeladen hatte und auf dem Vorplatz unter Partyzelten ein Hockfest veranstaltete. Obwohl Sommerferien sind, war der Ansturm der Leute enorm. „Wir hatten gut zu tun“, resümierte Rudolf Maier, der Vorsitzende des Heimatvereins im Blick auf sein Küchenteam.

Diese Einschätzung schmälerte auch nicht, dass am frühen Abend einsetzender Regen die Festbesucher nach Hause trieb. Zur Unterhaltung spielte der Harmonikaspielring Schnaitheim; am Nachmittag war es dann ein Quartett um Tobias Fink, das mächtig Gaudi machte.

Youtube Blick in Zehntscheuer: Tag der offenen Tür beim Heimatverein

Das älteste Gebäude Steinheims

In kleinen Gruppen konnten sich die Festbesucher zudem in der Zehntscheuer umschauen. Zu erfahren gab es einiges: Die Zugangstüre stammte vom Olgaheim, das abgebrochen wurde. Das imposante Treppengeländer im Gebäude wurde aus dem alten, ebenfalls eingerissenen (alten) Rathaus der Nachwelt erhalten. Insgesamt gilt Der Zehntstadel an der Ostheimer Straße als ältestes Bauwerk in Steinheim. Die mächtigen Dachbalken wurden im Winter 1616/17 gefällt und danach aufbereitet. Ab den Jahren 1919/20 wurde der südliche Teil des Zehntstadels als Farrenstall genutzt. An der Wand stehen heute noch die Deckzeiten für den Gemeindebullen verzeichnet. Als in den 1960er-Jahren die Vatertierhaltung aufgegeben wurde, war dann allerdings Großreinemachen angesagt.

Als Raucher bekannt

Heute stehen in dem Gebäudeteil der Landauer, der einstige Leichenwagen, ein durch Pferde gezogener Schlitten und jener Wagen, mit dem vor langer Zeit aus der Sandgrube die in Stoffsäcken verpackten Fegsande in die Häuser auf der Alb durch den „Sandstumpen“ gebracht wurde. Der Neckname der Steinheimer rührte daher, dass der Kutscher allemal als Zigarrenraucher und Original bekannt war.

Bildergalerie Tag der offenen Tür in der Zehntscheuer

Der Zehnte wurde eingelagert

Die „Naturalsteuer“, also der sogenannte Zehnte der Bürger, wurde in einer Zehntsteuer eingelagert. Diese Bauwerke waren einst mitunter sogar größer als die Dorfkirche und oft in der Nähe der Ortsherrschaft zu finden. Schon im Frühmittelalter ist das Vorhandensein solcher Lagerhäuser bekannt.

Der Zehnthof oder wie in Langenau der Pfleghof, haben heute längst eine andere Nutzung: Museen, Kulturzentren, Kleinkunstbühnen oder Begegnungsstätten wurden darin verwirklicht.