Seit elf Jahren schon stehen bei Gnannenweiler einige Windräder. Jetzt kommt ein weiteres hinzu. Ein besonderes Windrad, muss man sagen. Denn der Gewinn, der mit dem Betrieb des Windrads erwirtschaftet wird, soll gemeinnützigen Zwecken im Kreis Heidenheim zugutekommen. Projekten der integrativen Medizin beispielsweise und insbesondere der Belegklinik für Homöopathie, wie die Initiatoren beschreiben.

Die Initiatoren haben eine Gesellschaft gegründet

Bereits im April 2017 haben sie die Gesellschaft „Bürgerwindrad für Gemeinwesen und Gesundheit“ gegründet, um ihre Idee in die Tat umzusetzen. Jetzt folgte der offizielle Spatenstich: „Ich war von Anfang an von der verrückten Idee begeistert“, ließ Erwin Schweizer bei dieser Gelegenheit wissen. Wertschöpfung durch erneuerbare Energien soll an den Ort zurückfließen, an dem die Windkraftanlagen stehen, findet Schweizer, der als Windenergieprojektierer viel Erfahrung im Windradbau hat. Als einer von zwei Geschäftsführern der Bürgerwindrad-Gesellschaft lässt er diese Erfahrung nun in das Vorhaben einfließen.

Viele Bürger beteiligen sich an der Finanzierung

Die Ursprungs-Idee dafür war vor sieben Jahren mit Daniel Büttner, heute einer der Gesellschafter, entstanden. Möglich wurde die Umsetzung aber erst durch das Zusammenspiel von einem günstigen Kredit und der Bereitschaft vieler Bürger aus der Region, sich mit Nachrangdarlehen an der Finanzierung des Schenkwindrades zu beteiligen. Laut Aussage der Initiatoren hat nicht zuletzt auch die gute Wirtschaftlichkeit der Windkraftanlagen dazu beigetragen. „Die Windkraftanlagen haben sich enorm weiterentwickelt“, berichtete Georg Honold, ebenfalls Geschäftsführer der Gesellschaft und Windenergieprojektierer beim Spatenstich. Erwin Schweizer: „Und dass wir die Energiewende brauchen, das zeigen nicht nur die letzten drei heißen Sommer.“

Die Belegklinik für Homöopathie soll profitieren

Das Klima soll also profitieren. Außerdem die Belegklinik für Homöopathie am Heidenheimer Klinikum. „Wir wollen uns weiterentwickeln“, berichtete der Internist und Integrativmediziner Dr. Ulrich Geyer. So gebe es Bereiche der Integrativmedizin, die man ausbauen wolle – etwa Ernährung und Bewegungstherapie. Dafür könnte man die neu generierten Gelder verwenden. Als Vorsitzender des Fördervereins Krankenhaus für Naturheilweisen, der in den vergangenen Jahrzehnten der Hauptunterstützer der Belegklinik war, dankte auch Günter Luft dafür, dass durch das Windrad mittelfristig weitere finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. „Wir freuen uns, dass wir etwas geschenkt bekommen, um es an die Belegklinik weiterzugeben.“

Grath und Stumpp: von „bahnbrechend“ bis „Alleinstellungsmerkmal“

Voll des Lobes waren auch Steinheims Bürgermeister Holger Weise und einige hiesige Politiker. „Wir machen hier etwas Bahnbrechendes“, konstatierte etwa der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Grath. „Wenn wir die zukünftige Energieversorgung und die integrative Medizin zusammenbringen, dann sind wir auf dem richtigen Weg.“ Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp sprach von einem „Alleinstellungsmerkmal der Region“. Und: „Wir nutzen die Kräfte der Natur, um verträglich Energie zu erzeugen. Und die Homöopathie nutzt die Kräfte der Natur, um die Menschen wieder gesund zu machen.“

Voith-Gesellschafter Daniel Schily war auch da

Ebenfalls zu Wort meldete sich der Voith-Gesellschafter und Vertreter der Europäischen Kreditinitiative, Daniel Schily. Er verwies auf die besondere Rolle der Banken für ein solches Vorhaben. „Wenn wir wunderbare Windkraftanlagen bauen, dann werden uns unsere Kinder dafür dankbar sein.“

Hermaringer Bürgerkraftwerke beteiligen sich, Norddeutsche erkundigen sich


Zur Finanzierung des Windradbaus benötigt die Gesellschaft zusätzlich zum bereits gewährten Bankkredit ein Nachrangdarlehen in Höhe von 300 000 Euro. Auf einen entsprechenden Aufruf meldeten sich auch die Bürgerkraftwerke Hermaringen mit ihrem Vorsitzenden Bürgermeister Jürgen Mailänder. Der Vorschlag, den Bau des Windrads mit 50 000 Euro zu unterstützen, wurde von der Gesellschaft gerne angenommen. Ebenso Mailänders Zusage, auf 50 Prozent der Zinseinnahmen aus dem Darlehen zu Gunsten der Belegklinik zu verzichten. „Wir finden das Projekt toll und wollen es unterstützen“, so Mailänder.

Das Windrad soll im September 2021 ans Netz gehen. Die Stromvergütung ist dann gemäß des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ab Inbetriebnahme für 20 Jahre garantiert. Formal gehört das Windrad den elf Gesellschaftern. Sie haben sich allerdings vertraglich dazu verpflichtet, die gesamten Erlöse zu spenden. Einer von ihnen ist Daniel Büttner: Er berichtet, dass ihn inzwischen erste Anfragen aus Norddeutschland erreicht hätten. „Wir sind froh, wenn sich unsere Idee verbreitet.“