Steinheim / Siglinde Broich-Bernt Katrin Müller ist militante Nichtraucherin. Auf Nikotin will die Steinheimerin trotzdem nicht verzichten.

Zigaretten? Schon allein bei dem Gedanken an die Glimmstängel dreht sich bei Katrin Müller der Magen um. Mittlerweile jedenfalls. Gar nicht so lange her, dass die 33-Jährige zwei Schachteln täglich vernichtete. Richtig schlecht wurde ihr, als sie Bilanz zog: „Fast viereinhalbtausend Euro im Jahr habe ich so in die Luft geblasen.“

Was die in Zwickau geborene Steinheimerin im Laufe ihres Lebens für Zigaretten ausgegeben hat, will sie erst gar nicht hochrechnen. „Es ist mit Sicherheit ein kleines Vermögen.“ Mit dem Rauchen angefangen habe sie mit dreizehn. Die Tarnung fiel nicht schwer: „Ich komme aus einem Raucherhaushalt.“

Dreck, Gestank und Hustenafälle

Mittlerweile verheiratet und stolze Besitzerin eines Yorkshire Terriers, hatte Katrin Müller eines Tages „den Dreck, den Gestank und die Hustenanfälle satt.“ Sie raucht nicht mehr. „Ich dampfe jetzt nur noch E-Zigaretten. Nikotin ist nämlich nicht krebserregend“, sagt die junge Frau mit Überzeugung.

Eine herkömmliche Zigarette bestehe aus Tabak, Nikotin, Teer, Arsen, Aceton, Zusatzstoffen sowie Geschmacks- und Verdickungsmittel. „Insgesamt kommen im Zigarettenrauch etwa 4000 verschiedenen Substanzen vor, von denen mindestens 40 krebserregend und 200 giftig sind“, zeigt sich Katrin Müller informiert. (Auf der Zigarettenpackung liest sich das so: „Tabakrauch enthält über 70 Stoffe, die erwiesenermaßen krebserregend sind.“ – Anm. d. Red.)

Keine Wolken über den Wolken

Das Wort „Rauchen“ nimmt die 33-Jährige nicht mehr gerne in den Mund, spricht vom „Dampfen“ und erklärt: „Beim Anzünden einer Zigarette entstehen Benzol, Kohlenmonoxid, Stickstoffmonoxid, Blausäure und Ammoniak sowie Metalle wie Blei, Quecksilber und Chrom. Beim Rauchen vermischen sich alle Inhaltsstoffe und bilden einen klebrigen Teer, der die Lunge verklebt.“

Auch wenn beim Nassdampfen kein Verbrennungsprozess stattfindet, gelten bislang für die Konsumenten der Liquide (meist eine nikotinhaltige Flüssigkeit, der Aromen zugesetzt sind) die gleichen Verbote, mit denen sich Raucher abfinden müssen. Keine Wolken über den Wolken, keine in Bus, Bahn und Bar.

Kein Chinaschrott

Auf den Geschmack gekommen (zurzeit riecht, was Katrin Müller rausbläst nach Melone, Zitrone und Menthol) ist die Steinheimerin, „als mir der widerliche Geruch von abgestandenem Rauch den Appetit auf die nächste Zigarette verdorben hat.“

Die Wirkung von Nikotin ist ihr sehr wohl bekannt: „Dieser natürliche Bestandteil von Tabak macht zwar abhängig, vermittelt aber ein Gefühl von Entspannung.“ Das war und ist der 33-Jährigen durchaus ein paar ordentliche Euro wert („Kein Vergleich zu dem, was ich früher für Zigaretten ausgegeben habe“). Darum hat sie bei der Dampfer-Grundausstattung nicht gespart. „Chinaschrott kommt mir nicht ins Haus.“

Allein die Dosis macht's

Dafür immer andere Geschmacksrichtungen, wie Hugo oder Blaue-Beeren-Mischung. Dabei reicht das Angebot von Anis, über Burger, gegrilltem Hähnchen, Whisky Cola, bis zu Zimt oder Zedernholz, wenn es bei Katrin Müller nicht unbedingt Begeisterung auslöst. „Mir ist viel wichtiger, dass ich den Nikotingehalt steuern kann, der könne – dank Dampfens – irgendwann sogar bei null liegen.“

Dass sie nikotinsüchtig ist, dazu steht Katrin Müller. „Andere kommen nicht ohne Kaffee oder Schokolade aus.“ Seit sie ihre letzte Zigarette ausgedrückt hat, beschäftigt sie sich mehr und mehr mit (gefährlichen) Inhaltsstoffen. „Schauen Sie nur mal, was sich so alles in einer Zahnpasta befindet“, fordert sie auf und spricht von Aluminium, Alkohol, Propylenglykol.

Wie Paracelsus ist die Steinheimerin der Meinung: „Allein die Dosis macht's, dass ein Ding kein Gift sei.“ Dann dampft sie ab nach draußen und meint lächelnd: „Engel brauchen Wolken.“

Wie gefährlich E-Zigaretten für den Menschen sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Unter Wissenschaftlern ist das Thema seit Jahren höchst umstritten.