Steinheim / Carolin Wöhrle Auf Steinheim könnten zweistellige Millionenbeträge für einen besseren Hochwasserschutz zukommen. Außerdem ist nun klar: Die Kanäle wurden nach dem Mai 2016 doch nicht gespült.

Rückhaltebecken, Dämme, Entwässerungsgräben, Kanalerweiterungen: Es kann einem fast schwindlig werden angesichts der zahllosen Maßnahmen, die auf die Gemeinde Steinheim in den kommenden Jahren zukommen könnten, um den Hochwasserschutz zu verbessern. Noch schwindliger kann einem werden bei der Aufstellung der möglichen Kosten für das gesamte Paket: Bis zu 4,5 Millionen für Schutzmaßnahmen in Steinheim, bis zu 4,4 Millionen Euro für die in Sontheim und bis zu 2,4 Millionen Euro für die Maßnahmen in Söhnstetten. Hinzu kommen Arbeiten an der Kanalisation im Hauptort Steinheim, die sich auf bis zu 7,6 Millionen Euro summieren könnten. Macht summa summarum: mehr als 18 Millionen Euro – ohne Baunebenkosten.

Vorgestellt wurden die Maßnahmen dem Gemeinderat am Dienstagabend von Petra Engelhard vom Büro Kobus und Partner sowie von Udo Bäuerle vom Ingenieurbüro Bäuerle und Partner in Ellwangen. Grundlage ist die sogenannte Flussgebietsuntersuchung und im Zusammenhang damit die Fortschreibung der Hochwassergefahrenkarte. Noch nicht fertiggestellt sind ein Hochwasseralarm- und Einsatzplan, eine Starkregengefahrenkarte und eine Kosten-Nutzen-Analyse.

Förderungen wurden bereits in Aussicht gestellt, zumal es sich laut Engelhard um ein bislang einmaliges Pilotprojekt handelt: „Es werden erstmals die Fortschreibung der Hochwassergefahrenkarte und der Starkregenkarte mit ein und demselben Modell gerechnet.“

Kanäle 2015, nicht 2016 befahren

Den Steinheimern freilich sagt das alles relativ wenig. Sie wollen wohl hauptsächlich wissen, was zeitnah und konkret gemacht wird, damit ihre Keller nicht wieder voll laufen. In diesem Zusammenhang stellte sich nun heraus, dass nach dem großen Unwetter 2016 eben nicht – wie bislang angenommen – Kanäle befahren und gespült wurden.

In einer der letzten Gemeinderatssitzungen hatte Gottfried Braun (Freie Wählervereinigung) danach gefragt. Warum? Weil es, so empfinden es offenbar einige Steinheimer, gerade seit dem Mai 2016 immer wieder bei stärkeren Regenfällen zu vollgelaufenen Kellern kommt.

Ortsbaumeister Hans-Peter Brenner hatte damals spontan auf Brauns Nachfrage geantwortet, dass die Kanäle 2016 nach dem Unwetter gespült worden seien. Braun fragte nach besagter Sitzung noch einmal nach den genauen Daten und Stellen. Ergebnis: Brenner musste seine Aussage revidieren: Die Kanäle wurden nicht 2016 befahren und gespült, sondern 2015 – vor dem großen Unwetter.

In der Sitzung am Dienstagabend stellte der Ortsbaumeister aber klar, dass er nicht absichtlich falsche Angaben gemacht, sondern sich schlichtweg geirrt hatte: „Ich war mir wirklich sicher, dass wir die Kanäle 2016 befahren haben.“

Gemeinde prüft kritische Stellen

Brenner wies außerdem darauf hin, dass zum einen nicht klar sei, dass eine Spülung Abhilfe oder Sicherheit bringen kann und zum anderen, dass es keine Vorgaben gebe, dass eine Kommune auf ein Unwetter wie 2016 mit einer Spülung der Kanäle reagieren muss. Zudem würde die Gemeinde mittlerweile immer, wenn sich stärkerer Regen ankündige, mit dem Bauhof die kritischen Stellen im Gemeindegebiet abfahren und überprüfen.

Gleichwohl forderten die Gemeinderäte mit Nachdruck, dass die entsprechenden Kanäle, gerade an den „neuralgischen Punkten“ (Mathias Brodbeck, FWV) noch in diesem Jahr befahren und gespült werden.

Seitens der Verwaltung will man diesem Wunsch nachkommen: „Ich bin der Letzte, der sich dagegen verweigern würde“, so Brenner.

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