Steinheim / Carolin Wöhrle Für die Gemeinde drängt die Zeit: In Steinheim und Söhnstetten fehlen im neuen Jahr 59 Plätze im Ü-3-Bereich. Auch neue Krippenplätze müssen her.

Anja Fetzer ist bei der Gemeinde Steinheim für die Kindergärten zuständig. Sie machte bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats deutlich, wie prekär die Situation derzeit ist: In jedem Kindergarten im Gemeindegebiet stehen nach Abschluss der Anmeldungen fürs neue Kindergartenjahr je fünf bis zehn Namen auf der Warteliste. „Die Eltern rufen mittlerweile direkt bei mir an und ich muss sie am Telefon beruhigen“, so Fetzer. Beruhigen damit, dass die Verwaltung und der Gemeinderat eine zeitnahe Lösung für den Betreuungsengpass finden wollen.

Wichtige Schritte dorthin wurden nun vom Gemeinderat beschlossen: In Söhnstetten, wo 30 Plätze für Kinder über drei Jahren fehlen, soll der vor 14 Jahren aufgegebene evangelische Kindergarten im Gemeindehaus wieder reaktiviert werden. Die Gemeinde wurde beauftragt, mit der Kirchengemeinde in Söhnstetten einen entsprechenden Mietvertrag aufzusetzen und die Kosten für die notwendigen Renovierungsarbeiten zu ermitteln. Unter anderem fehlen die sanitären Anlagen und die Heizung muss erneuert werden. Frühestens zum 1. Januar 2020 sollen die Plätze zur Verfügung stehen.

Große Diskussionen im Rat gab es über diese Lösungsmöglichkeit nicht. Gottfried Braun (Freie Wählervereinigung): „Mit jeder anderen Maßnahme bräuchten wir deutlich mehr Zeit. Zudem sind die Lage und das Umfeld dort ideal.“ Wo dann irgendwann endgültig ein weiterer Kindergarten für Söhnstetten entstehen soll, will die Gemeinde von den Ergebnissen der in Auftrag gegebenen Ortsentwicklungspläne abhängig machen.

In Steinheim fehlen 29 Plätze

Nun sind aber längst nicht nur im Teilort Söhnstetten die Betreuungsplätze im Ü-3-Bereich knapp: Auch im Hauptort fehlen laut Gemeinde zum neuen Kindergartenjahr 29 Plätze. Der Vorschlag der Verwaltung: ein Anbau an den Olgakindergarten. Hier könnten 25 neue Plätze entstehen. Das Grundstück, auf dem dieser Anbau entstehen könnte, gehört zwar noch nicht der Gemeinde, der Eigentümer hat laut Bürgermeister Holger Weise aber bereits seine Bereitschaft signalisiert, die Fläche zu verkaufen.

Für den Gemeinderat stand auch hier außer Frage, dass die von der Verwaltung vorgeschlagene Lösung die beste wäre. Allein die Idee, für den Anbau einen Architektenwettbewerb auszuloben, kam bei der Mehrheit nicht gut an. Thorsten Schulze (CDU): „Ein Wettbewerb würde alles verlängern und verteuern. Der Anbau wird am Ende ein Zweckbau sein. Dafür reicht uns ein Architekt.“ Christoph Müller (FWV) sah das ähnlich: „Wir sollten auch hier aufs Gas drücken.“ Bei elf Gegenstimmen und einer Enthaltung entschied sich der Gemeinderat gegen einen Wettbewerb.

Hauptort oder Teilort?

Deutlich mehr Diskussionen gab es bei der Frage, wo künftig neue Krippenplätze in Kombination mit einer altersgemischten Gruppe entstehen sollen: in Steinheim oder in Söhnstetten? Anfragen gibt es zwar laut Verwaltung lediglich aus Steinheim, Mathias Brodbeck (FWV) wollte dieses Argument aber nicht gelten lassen: Natürlich würden in Söhnstetten keine Krippenplätze nachgefragt, wenn es das Angebot vor Ort gar nicht gebe. Gerne hätte er hier verlässliche Bedarfszahlen gehabt.

Am Ende stimmte Brodbeck auch als Einziger gegen die Einrichtung neuer Krippenplätze in Steinheim, stellte aber klar: „Ich tue das nicht, weil ich das den Steinheimern nicht gönne, sondern weil mir die Entscheidungsgrundlage nicht ausreicht.“

Einig war man sich gleichwohl darüber, dass die Entscheidung für Steinheim nicht bedeuten soll, dass die Söhnstetter nicht doch noch irgendwann eine eigene Kinderkrippe bekommen können.

Zunächst soll die Verwaltung nun mögliche Standorte in Steinheim überprüfen. In Betracht kommen hier zum einen ein Anbau an das Kinderhaus beim Schulzentrum oder ein Anbau an den katholischen Kindergarten St. Peter. Der Vorteil bei Möglichkeit Nummer zwei: Offenbar liegen fertige Baupläne für einen solchen Anbau schon seit Längerem in der Schublade.

Deutlich mehr Anmeldungen als Plätze

230 Kinder von drei bis sechs Jahren sollen im Hauptort Steinheim bis zum Ende des kommenden Kindergartenjahres betreut werden. Die derzeitige Höchstbelegung beträgt eigentlich 228. Da aber einige Kindergärten auch U-3-Plätze genehmigt haben, beläuft sich die tatsächliche Höchstbelegung auf 178.

77 Kinder zwischen drei und sechs Jahren werden bis zum Ende des Kindergartenjahres 2019/2020 in Söhnstetten einen Platz benötigen. 50 Plätze im Ü-3-Bereich hat der Söhnstetter Kindergarten „Unterm Regenbogen“ maximal zur Verfügung. Da aber auch hier U-3-Plätze angeboten werden, liegt die Maximalbelegung bei 40. cw