Es ist mit Sicherheit kein posthumes Werk des am 31. Mai 2020 verstorbenen Verpackungskünstlers Christo: Die Orgel, die Kanzel und das Kruzifix am Altar sind wohlverpackt und so gegen anfallenden Dreck und Baustaub gesichert. Mit einjähriger Verspätung hat jetzt in Söhnstetten die Instandsetzung der Westfassade der 1856 eingeweihten Martinskirche begonnen. Wenn alles nach Plan läuft, so hofft Pfarrer Gilbert Greiner, kann das Gotteshaus zu Ostern 2022 wieder zum Treffpunkt der Gläubigen werden.

Vor wenigen Wochen hatten die Gerüstbauer mit ihren Arbeiten begonnen und jetzt ist die Westfassade von Söhnstettens Wahrzeichen hinter einer großen Plane verschwunden, die Wind und Wetter abhalten soll. Nach und nach werden die 60 Jahre alten Kirchenfenster ausgebaut und in jener Fachwerkstatt in Esslingen renoviert, die einst die Fenster gefertigt hatte. Bleiverglast sind sie, allerdings sind die Fensterrahmen aus Eisen. An vielen Stellen sind sie durchgerostet und so konnten Nässe aber auch Wind und Wetter in die Kirche eindringen.

Dort, wo Fenster ausgebaut wurden, wird die Öffnung vorübergehend mit Brettern vernagelt. Auf 20.000 Euro je Fenster belaufen sich die Baukosten.

Ein Teil des Mauerwerks ist beinahe wie ein Schwamm und deshalb steigt im Putz und im Gemäuer Feuchtigkeit nach oben. Das hat Spuren hinterlassen und auch für Abplatzungen gesorgt. Ulrich Griasch, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, vermutet, dass die Drainage entlang der Westfassade zum Teil durch Wurzelwerk zersetzt worden ist und nicht mehr alles Regenwasser ableitet.

Zunächst einmal wird dort aufgegraben und werden eventuell entdeckte Schäden beseitigt. Im Anschluss daran wird bis auf eine bestimmte Höhe der Putz abgeschlagen. Und das sowohl außen an der Kirche wie im Innenbereich. Der neue Putz soll dann weniger nässeanfällig sein. Das Gestühl hatte Mesner Willi Gröner zusammen mit weiteren Helfern vor Wochen im fraglichen Bereich abgebaut.

Eigentlich sollte die Westfassade bereits im zweiten Halbjahr 2020 saniert werden. Baukosten von 190.000 Euro wurden errechnet. Angesichts der Schäden erscheint zunehmend zweifelhaft, ob das ausreicht. Seitens des Oberkirchenrats hatte sich eine Architektin die Bauschäden angesehen und die Vorschläge zur Sanierung gut geheißen. Heraus kam ein höherer Baukostenzuschuss als üblich: „Wir rechnen mit 45.000 Euro“, ergänzte Griasch. Pfarrer Greiner: „Wir freuen uns natürlich über jede Spende.“ Dankbar ist man auch über einen Zuschuss des Kirchenbezirks Heidenheim.

Weitere Bauschäden

Nun gibt es in der Martinskirche aber noch andere Bauschäden, die vorerst bleiben: Wenn man durch den Turm die Kirche betritt, was aktuell wegen der Bauarbeiten nicht geht, dann ist die rechts auf die Empore führende Treppe gesperrt und oben auch der Abschnitt der Empore. Durch Geländesetzungen haben sich nicht bloß Risse gebildet, auch könnte ein Stück der Decke herabstürzen. Wie im April schon berichtet, hat das Landratsamt ein Auge auf die Martinskirche geworfen. Der Turm ist leicht in Schräglage. Mit regelmäßigen Messungen wird geprüft, ob sich die Situation verschlechtert. Bislang sei da nichts Negatives vermeldet worden, zeigte sich Ulrich Griasch erleichtert.

Videoreportage über die Glocke in der Söhnstetter Matinskirche

Youtube

Martinskirche vor 165 Jahren geweiht


Als 1840 Pfarrer Gottlob Baltasar Karr nach Söhnstetten kam, war die Vorgängerin der heutigen Martinskirche in einem erbärmlichen Zustand. Bei der Obrigkeit setzte sich Karr ein und bekam schließlich die Einwilligung zum Kirchen-Neubau unter Federführung von Baurat Gottlieb Wilhelm Wepfer. Am 25. Mai 1856 wurde Einweihung gefeiert.

Seltenheitswert hat die unter Denkmalschutz stehende Kegelladen-Orgel. In der im Stil einer Predigerkirche im 19. Jahrhundert gestalteten Dorfkirche fallen die bunten Chorfenster von Wolf-Dieter Kohler ins Auge. Die Monomentalbilder von Ernst-Heinrich Graeser zeigen biblische Geschichten.